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30.11.2012

10:42 Uhr

Jahresprognose

Strabag meldet erneut Zweifel an

Schon im Sommer war klar, dass die Gewinnprognose des Baukonzerns nicht so einfach zu erreichen sein würde. Die letzten Monate haben das Ruder nicht mehr herumgerissen. Nun hängt alles vom Weihnachtsquartal ab.

Bauarbeiter auf einer Baustelle des Konzerns Strabag. dpa

Bauarbeiter auf einer Baustelle des Konzerns Strabag.

WienDas Ausbleiben öffentlicher Aufträge durch die Schuldenkrise und ein ruinöser Preiskampf mit der Konkurrenz bremsen den Baukonzern Strabag. In den ersten neun Monaten verbuchte das österreichische Unternehmen lediglich einen Betriebsgewinn von 1,7 Millionen Euro nach einem Plus von 208 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie die Firma am Freitag mitteilte.

Die Prognose für ein Betriebsergebnis von rund 200 Millionen Euro im laufenden Jahr sei daher "außerordentlich ambitioniert", sagte Firmenchef und Großaktionär Hans Peter Haselsteiner. "Das vierte Quartal wird hierfür entscheidend sein - vor allem was den Verkehrswegebau, das Baustoffgeschäft und die Märkte Osteuropas anbelangt." Im traditionell gewinnträchtigen dritten Quartal sank das Ergebnis stärker als von Analysten erwartet um zwölf Prozent auf 168 Millionen Euro.

Es ist bereits das zweite Mal im laufenden Jahr, dass Strabag andeutet, die Prognose möglicherweise nicht zu erreichen: Zuletzt hatte das Unternehmen im April das damals geltende Ergebnisziel von über 300 Millionen Euro als "mehr als ambitioniert" bezeichnet - und die Prognose dann im Juli auf rund 200 Millionen Euro gekappt.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Besonders zu kämpfen hat Strabag derzeit im wichtigen polnischen Markt. Dort zahlten öffentliche Auftraggeber bereits fertiggestellte Bauten nur zögerlich. Zudem gebe es dort kaum Neugeschäft, weil der Staat sein gesamtes Baubudget bereits aufgebraucht habe. Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. "Größere Auftragsvergaben durch die öffentliche Hand erwartet Strabag erst wieder zur Jahreswende 2013/2014", hieß es im Zwischenbericht.

Wenig Freude bereitet Strabag derzeit auch das Straßenbaugeschäft in Deutschland. Dort unterbieten sich viele mittelständische Unternehmen mit Kampfpreisen, um an einen der wenigen Aufträge zu kommen. Nur wenig besser sei die Lage in Südosteuropa, wo die Bauwirtschaft in einigen Ländern "mehr als träge" sei. Im Baustoffgeschäft, in dem Strabag Zement, Beton und Kies verkauft, schlugen sich hohe Materialkosten sowie geringere Verkaufsmengen und -preise negativ nieder. "Die Umstände in der Bauwirtschaft werden schwieriger, als wir es in den vergangenen Jahren gewohnt waren", sagte Haselsteiner.

Der Preiskampf und die maue Auftragslage in Europa haben bereits einige Baukonzerne in Existenzgefahr gebracht. In Polen mussten Firmen Insolvenz anmelden. Auch die österreichische FCC -Tochter Alpine war in Schwierigkeiten geraten - hatte zuletzt jedoch ein Stillhalteabkommen mit ihren Kreditgebern vereinbart. Bei Strabag fiel die Eigenkapitalquote auf 29,3 nach 30,3 Prozent zum Ende des vergangenen Jahres.

Anlass zur Hoffnung gibt allerdings der Auftragsbestand, der durch Großaufträge aus Italien und Deutschland in den ersten neun Monaten um vier Prozent auf 14,6 Milliarden Euro zulegte. In Hamburg baut Strabag gemeinsam mit einem Partner für 700 Millionen Euro 15 Schulen - wobei die Österreicher die Hälfte des Projektvolumens tragen. In Italien hat Strabag einen Auftrag für eine Autobahnumfahrung von Mailand erhalten, der den Auftragsbestand um eine Milliarden Euro in die Höhe schnellen ließ.

Von

rtr

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