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11.06.2012

20:44 Uhr

Jains Antrittsrede

Wirtschaft sucht Nähe zur Politik

VonMichael Inacker

Der neue Deutsche Bank-Chef Anshu Jain spricht erstmals in Berlin. Hier zeigt sich, wie wichtig inzwischen für Unternehmen der Kontakt zur Politik ist - dabei treffen die Vorstände nicht immer den richtigen Ton.

Morgen hält Anshu Jain eine Rede beim Wirtschaftsrat der CDU. dpa

Morgen hält Anshu Jain eine Rede beim Wirtschaftsrat der CDU.

BerlinSein Auftritt kommt einem Staatsbesuch gleich. An diesem Dienstag wird der neue Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Anshu Jain, seinen ersten öffentlichen Auftritt in Berlin haben. Nicht nur ein Händeschütteln oder Kaffeetrinken mit der Kanzlerin, nein, er wird direkt beim "Wirtschaftstag" des Wirtschaftsrats der CDU mit einer Art Rede zur Lage der Nation und der Deutschen Bank - was vermutlich für einige dasselbe ist - erwartet. Zumindest wird dieser Eindruck aus der Bank genährt. Schon seit Wochen steckt sein Team in der Vorbereitung. Das neue politische Gesicht der Deutschen Bank in Berlin, der ehemalige deutsche Botschafter bei der Uno und in Indien, Thomas Matussek, verbirgt auch nur ungern, dass er in die Vorbereitung eingebunden ist, um zu verhindern, dass Jain auf dem Berliner Parkett ausrutscht.

Denn die Hauptstadt ist nicht der Vorstandssaal. In Berlin gelten andere Gesetze. Da muss man den richtigen Ton finden, Bundestagsabgeordneten, die noch am Wochenende bei der freiwilligen Feuerwehr aufgetreten sind, die Welt so erklären, dass man nicht abgehoben wirkt.

Auch Jains Vorgänger Ackermann hatte Lehrgeld zahlen müssen, RWE-Chef Jürgen Großmann ist in der Nach-Schröder-Welt der Angela Merkel nie richtig angekommen, und auch Verbandspräsidenten des BDI wie Hans-Olaf Henkel und Michael Rogowski griffen mal im Ton daneben. Politische Kommunikation ist die Kür im Leben eines CEOs.

Nun also Jain. Intensiv, so heißt es in der Deutschen Bank, habe er nicht nur mit Matussek, sondern auch mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner und Jürgen Fitschen gesprochen, die beide langjährige Berlin-Erfahrung haben. Achleitner hat viele persönliche Beziehungen zu Politikern, mit dem ehemaligen Grünen-Vorsitzenden Joschka Fischer ist er befreundet.

Auch der Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats und ehemalige Daimler-Vorstand Kurt Lauk wurde um Impulse gebeten. Zudem, so ein Bank-Insider, würden immer noch die Zentren der Bank, London und Frankfurt, „um Abstimmung ringen“.

Kommentare (1)

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Mazi

12.06.2012, 09:38 Uhr

Es ist in Ordnung, wenn Jain glaubt einen Antrittsbesuch machen zu müssen. Doch sollten sich seine Zuhörer vorher mit der Vita dieses Mannes beschäftigen, um den Hintergrund seiner Argumentation zu verstehen.

Da das Wissen um finanzwirtschaftliche Zusammenhänge beim Zuhörerkreis nicht allzu sehr ausgebildet ist, ist nichts Gutes zu erwarten.

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