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13.07.2016

02:27 Uhr

Jamie Dimon

JP Morgan-Chef hebt eigenhändig den Mindestlohn

VonFrank Wiebe

Jamie Dimon kündigt den untersten Bankmitarbeitern vollmundig Gehaltserhöhungen an – in der „New York Times“. Dort erläutert der Chef von JP Morgan, warum genau das der richtige Schritt für amerikanische Unternehmen ist.

Von wegen Boni für Investmentbanking-Koryphäen: JP Morgan-Chef Jamie Dimon knöpft sich die Geringverdiener in seiner Firma vor. Reuters

JP Morgan-CEO Jamie Dimon

Von wegen Boni für Investmentbanking-Koryphäen: JP Morgan-Chef Jamie Dimon knöpft sich die Geringverdiener in seiner Firma vor.

New YorkDas hätten wir auch gerne einmal: eine saftige Gehaltserhöhung, die in der Zeitung angekündigt wird. Jamie Dimon, Chef der US-Bank JP Morgan, hat einen ungewöhnlichen Gastbeitrag für die „New York Times“ geschrieben.

Darin kündigt er an, für Tausende seiner Mitarbeiter die Löhne zu erhöhen. Die Boni von hoch bezahlten und begehrten Investment-Bankern hat er allerdings nicht im Sinn.

Stattdessen schreibt Dimon über 18.000 Angestellte in seiner Bank, die zum Mindestlohn arbeiten, darunter viele Mitarbeiter im Kundenservice. Deren Mindestlohn liegt zurzeit bei 10,15 Dollar pro Stunde. Damit befindet er sich über dem US-weit geltenden Satz von 7,20 Dollar, aber unter einigen regionalen Mindestlöhnen.

In den nächsten drei Jahren sollen diese Vergütungen bei JP Morgan auf 12 bis 16,50 Dollar ansteigen. Außerdem verweist Dimon darauf, dass die Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung für Banker in diesem niedrigen Lohnbereich jährlich rund 11.000 Dollar ausmachen.

Diese Bankchefs verdienen am meisten

Platz 10

Stuart Gulliver, HSBC

Der CEO von HSBC landet im Ranking auf Platz 10. In den Jahren zuvor verdiente er sogar noch mehr.

2015: 11,2 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 12,6 Millionen Dollar

Platz 9

Sergio Ermotti, UBS

Der CEO der schweizerischen UBS verdiente 2015 deutlich mehr als in den Jahren davor und landet auf Platz 9.

2015: 14,9 Millionen Dollar

2014: 12,2 Millionen Dollar

2013: 11,6 Millionen Dollar

Platz 8

Brian Moynihan, Bank of America

Der Chairman, Präsident und CEO der Bank of America konnte nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sein Gehalt wieder steigern.

2015: 16,4 Millionen Dollar

2014: 13,5 Millionen Dollar

2013: 14,5 Millionen Dollar

Platz 7

Michael Corbat, Citigroup

Auch der CEO der Citigroup konnte 2015 sein Gehalt steigern.

2015: 16,5 Millionen Dollar

2014: 12,6 Millionen Dollar

2013: 14,4 Millionen Dollar

Platz 6

John Stumpf, Wells Fargo

Der Chairman, Präsident und CEO von Wells Fargo verdiente in den vergangenen drei Jahren exakt die gleiche Summe.

2015: 19,3 Millionen Dollar

2014: 19,3 Millionen Dollar

2013: 19,3 Millionen Dollar

Platz 5

Tidjane Thiam, Credit Suisse

Der CEO der Credit Suisse hat erst im Juli 2015 bei der schweizerischen Bank als Chef begonnen. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ eingeschlossen.

2015: 21,1 Millionen Dollar

Patz 4

James Gorman, Morgan Stanley

Der Chairman und CEO von Morgan Stanley konnte sein Gehalt von 2014 im vergangenen Jahr nicht steigern.

2015: 21,2 Millionen Dollar

2014: 23,1 Millionen Dollar

2013: 18,2 Millionen Dollar

Platz 3

Bill Winters, Standard Chartered

Der CEO von Standard Chartered aus London hat erst 2015 seinen Posten angetreten. In seinem Gehalt ist ein „Replacement Award“ enthalten.

2015: 22,4 Millionen Dollar

Platz 2

Lloyd Blankfein, Goldman Sachs

Der Chairman und CEO von Goldman Sachs verdiente im vergangenen Jahr knapp eine Million Dollar weniger als 2014.

2015: 23,4 Millionen Dollar

2014: 24,3 Millionen Dollar

2013: 23,3 Millionen Dollar

Platz 1

Jamie Dimon, JP Morgan Chase

Der Chairman, Präsident und CEO von JP Morgan Chase verdiente im vergangenen Jahr mit Abstand am meisten.

2015: 27,6 Millionen Dollar

2014: 20,2 Millionen Dollar

2013: 20,3 Millionen Dollar

Quelle: Financial Times

Der Gastbeitrag liest sich zu einem guten Teil, als sei er aus der Feder eines Gewerkschafters geflossen: „Lohn-Stagnation. Einkommens-Ungleichheit. Bildungsmangel. Unzureichende Weiterbildung. Probleme wie diese haben dazu geführt, dass rund zwei Drittel aller Amerikaner glauben, der nächsten Generation werde es schlechter gehen als ihnen selbst.“

Mit diesen Sätzen leitet Dimon den Text ein. Später fallen dann Formulierungen wie: „Eine Gehaltserhöhung ist das, was jetzt passieren muss. Für viele Amerikaner hat sich bei den Bezügen für eine lange Zeit nichts getan.“ Außerdem fordert Dimon von Unternehmen, die kontinuierliche Weiterbildung ihrer Leute zu fördern.

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Die großen US-Geldhäuser haben es nicht mehr so leicht, Nachwuchs an sich zu binden, viele junge Leute zieht es ins Silicon Valley statt an die Wall Street. Nun wollen die Banken lockerer werden – nicht nur bei der Kleidung.

Gegen Ende sprüht der Beitrag dann auf einmal vor Optimismus: „Amerikaner gehören zu den unternehmerischsten und innovativsten Leuten weltweit, von denen, die zu Einstiegslöhnen in Fabriken arbeiten, bis hin zu Bill Gates.“ Alles wird gut, wie in Hollywood.

Was hat den weltweit bekannten Bankchef zu dieser öffentlichen Ankündigung getrieben? Will er erklären, dass nicht alle Banker Millionäre sind? Dass Banken auch ein Herz für Leute mit wenig Geld in der Tasche haben? Dass Amerika wieder großartig werden kann, ohne dafür einen Donald Trump zu brauchen? Vielleicht all dies zusammen.

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