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07.01.2010

08:28 Uhr

Japan Airlines

Vordenker verzweifelt gesucht

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die Fluglinie Japan Airlines (JAL), einst fliegender Stolz der Japaner, ist gewaltig ins Trudeln geraten. Jetzt wird ein neuer Chef für das Unternehmen gesucht. Einem Ausländer, insbesondere einem Amerikaner, wird der radikale Neuanfang am ehesten zugetraut. Doch wer kommt für den Posten in Frage? Die Gerüchteküche brodelt.

Die Tage des derzeitigen Japan-Airlines-Chefs Haruka Nishimatsu sind gezählt. Reuters

Die Tage des derzeitigen Japan-Airlines-Chefs Haruka Nishimatsu sind gezählt.

TOKIO. Die Frage nach einem neuen Chef für die prestigeträchtige Fluglinie JAL ist schon Thema in japanischen Fernsehshows zur Primetime. "Wenn ich Chef von JAL wäre, könnte ich die finanziellen Probleme auf einen Streich lösen", tönte gestern Abend ein bekannter Schauspieler. Das Jahressalär der JAL-Piloten sei mit 150 000 Euro viel zu hoch. In anderen Ländern flögen Piloten für 30 000 Euro. Wenn einfach alle Piloten durch Billigkapitäne ersetzt würden, ließe sich eine Riesensumme einsparen.

Auch wenn der Fernsehschauspieler durchaus ins Schwarze getroffen hat - die Personalkosten sind der größte Kostenblock bei der Traditionslinie - und JAL dringend einen neuen Chef braucht, hat er wohl wegen mangelnder umfassender Expertise und Lobby keine Aussicht auf den Posten.

Die Tage von Amtsinhaber Haruka Nishimatsu sind gezählt. Japan Airlines, einst fliegender Stolz der Nation, hat fast sieben Mrd. Euro Schulden und musste sich erst kürzlich unter den Schirm einer staatlichen Auffanggesellschaft begeben. Regierung und Flugmanager betteln deshalb geradezu um den Einstieg eines US-Investors.

Vor allem aber plant die neue japanische Regierung eine kontrollierte Insolvenz. Vorbild ist der Umgang der US-Regierung mit dem Autokonzern General Motors. Und zu so einem Neuanfang gehört eben ganz stilecht auch ein neuer Chef. Nishimatsu hat schon im November angekündigt, dass seine Aufgabe beendet sei, sobald der Rahmen für den Neuanfang feststehe.

Wegen eines ebenfalls möglich erscheinenden Einstiegs einer amerikanischen Fluglinie schwirren auch unerhörte Gedanken durch die Köpfe der Beteiligten. Zu den in Tokio häufig zitierten Gerüchten gehört die Auswahl eines Ausländers - eines Amerikaners - für den Posten. Das erscheint attraktiv, weil radikales Sparen, Streichen, Entlassen ansteht.

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