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06.08.2013

06:58 Uhr

Jeff Bezos

Vom Weltraum-Visionär zum Zeitungsverleger

Bislang gehörte vor allem die Raumfahrt zu Jeff Bezos' Hobbys. Jetzt investiert der Amazon-Gründer in die US-Tageszeitung „Washington Post“. Die Hoffnung für die Mitarbeiter: Bezos setzt auf langfristige Projekte.

Jeff Bezos mit einem Amazon Kindle: Wie kaum ein anderer die Verdrängung gedruckter Bücher durch E-Books beschleunigt. Reuters

Jeff Bezos mit einem Amazon Kindle: Wie kaum ein anderer die Verdrängung gedruckter Bücher durch E-Books beschleunigt.

New YorkJeff Bezos gilt als ein Mann für die ganz große Perspektive. Der 49-jährige Amazon-Gründer „denkt in Jahrzehnten und Jahrhunderten“, sagte ein ehemaliger Manager des weltgrößten Kaufhauses einmal im „Wall Street Journal“ über seinen Chef. „Jeff ist programmiert auf die ganz lange Sicht“.

Für die Mitarbeiter der „Washington Post“ dürfte das ein Hoffnungszeichen sein. Wie am Montag bekannt wurde, kauft Bezos die renommierte US-Tageszeitung und nimmt sie von der Börse. Als Privatmann kann er sich dann ganz in Ruhe um die Privatfirma kümmern und sie trotz Zeitungskrise und Auflagenverlusten fit zu machen für die Zukunft.

Ausgerechnet Bezos, der als Gründer und Chef von Amazon wie kaum ein anderer die Verdrängung gedruckter Bücher durch E-Books beschleunigt. Doch seine Business-Philosophie passt perfekt zum heutigen Zustand der Branche in Amerika: Er ist bereit, jahrelange Durststrecken in Kauf zu nehmen.

Die Lebensgeschichte von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Die Biografie

Jeff Bezos ist eine der spektakulärsten Manager-Persönlichkeiten der Welt. Die Lebensgeschichte des Amazon-Gründers bietet eine unglaubliche Vielfalt und zahlreiche interessante Erzählungen. Der Top-Journalist und Bestsellerautor Richard L. Brand hat die Biografie in seinem Buch „Mr. Amazon“ (Ambition Verlag) aufgeschrieben. Darin finden sich auch bemerkenswerte Geschichten über die Person Jeff Bezos.

Die Rinderfarm

Ironischerweise ist eine der wichtigsten Internet-Ikonen auf einem Bauernhof aufgewachsen – um genau zu sein auf einer Rinderfarm in Cotulla, Texas. Dort half der kleine Jeff schon als Vierjähriger tatkräftig mit, auch beim Ställe ausmisten.

Die perfekte Kindheit

Jahre später urteilte Jeff Bezos, dass seine Erfahrungen auf der Ranch zu seiner erfolgreichen Unternehmerkarriere maßgeblich beigetragen hätten. Das Reparieren von Traktoren und das Kastrieren von Rindern entsprach seiner Vorstellung von einer „idyllischen Kindheit“. Seine Mutter stand ihm stets bei. Jeff habe dort gelernt, dass es keine Probleme ohne Lösungen gebe.

Dem leiblichen Vater nie begegnet

Bezos hat seinen Vater nie kennengelernt. Der Teenager verließ die junge Mutter, als Jeff anderthalb war. Er existierte im Leben des Jungen gar nicht.

Der „richtige“ Vater

Der Nachname Bezos stammt laut Jeffs eigener Aussage vom „richtigem“ Vater. Und den hätte es ohne Fidel Castro wohl nie gegeben. Denn als er 1959 an die Macht kam, schickten viele kubanische Eltern ihre Kinder in die Staaten. So auch Miguel Bezos (vom spanischen besos: „Küsse“). Miguel setzte sich mit großer Ausdauer durch, machte einen Uni-Abschluss und wurde Erdölingenieur.

Die Sturheit

Jeff Bezos war ein unglaublich stures Kind. Mit drei Jahren quängelte er so lange herum, bis er das Gitterbett endlich verlassen durfte - ungeachtet der Sicherheitsbedenken seiner Mutter. Trotz seiner außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit wurde Jeff so auch zum Schrecken seiner Lehrer. Sie mussten ihm mal mitsamt Stuhl und Tisch im Klassenraum umsetzen.

Frühes Interesse an Technik

Seine Mutter und vor allem der Großvater erweckten und förderten Jeffs großes Interesse an Technik und Basteln. Sie schenkten ihm entsprechendes Spielzeug und Baukästen. Dennoch war sein erster Karrierewunsch (mit sechs Jahren), Archäologe zu werden.

Hochbegabt

Als die Familie nach Houston umzog, war Jeff im späten Kindergartenalter. Die Eltern schrieben ihn für Fördermaßnahmen für hochbegabte Kinder ein. Dafür musste er zwar 20 Meilen hin und zurück fahren, aber es lohnte sich.

Der Bücherwurm

Dass Amazon mit dem Verkauf von Büchern groß wurde, ist weit mehr als ein Zufall. Jeff Bezos ist seit der Kindheit ein Büchernarr. Er nahm mit Feuereifer an Literatur-Schülerwettbewerben teil und las mit seinen ebenfalls lesebegeisterten Mitschülern um die Wette.

Einsamer Nerd

Bezos war wie viele Nerds des 20. Jahrhunderts eher ein Einzelgänger, der viel las und viel Zeit vor dem Computer verbrachte. Seine Lehrer notierten damals, dass er „nicht besonders führungsbegabt“ sei. Auch rein körperlich wirkte er wie ein Nerd: Jeff brachte nicht einmal das Mindestgewicht für die Football-Mannschaft auf die Waage.

Erster Job bei McDonalds

Als seine Eltern erneut umzogen – diesmal nach Florida – war Jeff 13 Jahre alt. Hier übernahm er seinen ersten Sommerjob. Und das ausgerechnet bei McDonalds. Doch der Teenager gab sich mit dem Burgerwenden nicht zufrieden und entwickelte Verbesserungsvorschläge, mit denen die Abläufe in dem Laden tatsächlich verbessert wurden.

Uschi - die erste Freundin

In seinem ersten Jahr auf der Junior-Highschool lernte Jeff seine langjährige Freundin Ursula „Uschi“ Werner kennen. Sie träumten von einer gemeinsamen Firma und schufen diese tatsächlich auch in frühen Teenagerjahren. Werbeflyer begeisterten junge Schüler für einen sehr besonderen Nachhilfeunterricht. Die Beziehung endete wie so viele andere Highschool-Liebschaften in der Collegezeit.

Der Weltraum als Lebenstraum

Auf dem College setzte Bezos nebenbei seinen Kindheitstraum – übrigens inspiriert vom Großvater – in die Tat um. Seinen Abschluss machte er in Elektrotechnik und Informatik und auch die ersten Berufsschritte unternahm Bezos in anderen Bereichen – allen voran bei IBM. Aber seinen Traum, der heute in Blue Origin mündet, den hatte er, seitdem er fünf Jahre alt war.

Zudem ist der Unternehmer nicht darauf angewiesen, dass die „Washington Post“ ihn reicher macht. Die 250 Millionen Dollar, die er bezahlt, machen höchstens ein Prozent seines geschätzten Vermögens aus. Laut Daten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg verfügt Bezos über ein Vermögen von 27,9 Milliarden Dollar, die ihm vor allem sein 19 Prozent-Anteil an Amazon sichert. Im jüngsten Reichen-Ranking von Bloomberg steht Bezos auf Platz 16 – noch vor den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin, Microsoft-Chef Steve Ballmer und Dell-Gründer Michael Dell.

Sein Interesse an der Medienwelt offenbarte Bezos erstmals im Frühjahr, als er fünf Millionen Dollar in die Website „Business Insider“ investierte, ein Blog, das Wirtschafts-Berichterstattung mit klickträchtigen Schlagzeilen praktiziert.

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