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11.01.2005

08:14 Uhr

Jim Padilla ist die neue Nummer zwei im Konzern

Temperamentsbündel im Hause Ford

VonJens Eckhardt

Er könnte nicht größer sein, der Kontrast zwischen der Nummer eins bei Ford und seiner neuen Nummer zwei, zwischen Vorstandschef William Clay Ford und James J. (Jim) Padilla, der am 1. Februar zum Chief Operating Officer und Präsidenten aufsteigt. Gleichzeitig wird er Mitglied des Ford-Verwaltungsrates.

DETROIT. Wo Gründererbe Ford in klassischem Stil des alten Geldes locker und lässig bis zur Farblosigkeit auftritt, ist Padilla ein untergründig brodelnder Vulkan. Neben Fords schlanker Figur wirkt der mittelgroße Ingenieur mit der stämmigen Figur fast massig. Während Ford auch harte Fragen emotionslos beantwortet, schießt Padilla gelegentlich spontan zurück: „Was meinen Sie mit Ford-Fehlern bei Jaguar? Wir haben mehrere hundert Millionen Dollar investiert, aber die Strategie wurde in England gemacht.“

Mit der Ernennung Padillas räumt Vorstandschef Ford in den oberen Rängen seines Managements auf. Zu lange schon hat der Konzern gelitten unter den persönlichen Animositäten zwischen dem bisherigen Präsidenten Nick Scheele und dem alten Haudegen David Thursfield. Padilla rückt unangefochten auf den zweiten Platz hinter Ford.

Für den Sohn eines mexikanischen Vaters und einer irischen Mutter ist dies der vorläufige Höhepunkt einer steilen Karriere. 1966 begann der Chemie-Ingenieur und Betriebswirt seine Karriere bei Ford als Qualitätsingenieur. Schnell empfahl er sich als Mann, der Resultate bringt. Über verschiedene Stationen als Fertigungs- und Entwicklungsmanager wurde er 1992 Technikchef von Jaguar während einer kritischen Reorganisationsphase.

Von da an ging es im Zweijahresrhythmus auf der Karriereleiter höher: 1994 bis 1996 Direktor des Leistungssegments von Fords Luxusmarken; Ende 1996 bis 1998 Präsident von Ford Südamerika; dann die Beförderung zum weltweiten Chef für Fertigung und Qualität; schließlich 2002 der Wechsel auf den Schleudersitz als Chef für das Autogeschäft in Nordamerika. Südamerika kam 2003 noch dazu. Für den starken Ausbau der Ford-Werke im mexikanischen Hermasillo wurde er im Juni vergangenen Jahres sogar von der mexikanischen Regierung mit einer hohen Auszeichnung geehrt.

Erst im April vorigen Jahres beförderte Ford den gelernten Chemie-Ingenieur und Qualitätsfanatiker Padilla zum Chief Operating Officer und Chef des weltweiten Autogeschäftes. Es war die Belohnung für zwei Jahre härtester Sanierungsarbeit als Chef des US-Autogeschäfts von Ford. Padilla brachte die Produktqualität auf Vordermann, machte die Fertigung flexibler und stauchte die Kosten zusammen.

Der Gründererbe Ford lobt seine neue rechte Hand: „Wir sind in den vergangenen drei Jahren weit gekommen.“ Ein anderer Ford-Manager beschreibt den neuen COO so: „Jim Padilla hat das Temperament seines mexikanischen Vaters und den Dickkopf seiner irischen Mutter geerbt. Wenn er etwas will, lässt er nicht locker.“ Vor allem Qualitätsverbesserungen verfolge er geradezu fanatisch.

Sich Padilla fanatisch vorzustellen fällt nicht schwer. Er tritt hemdsärmelig auf, wirkt ungeduldig: „Wir benutzen bei unserer Hybrid-Technologie keine Patente von Toyota. Wir haben mit denen nur abgeklärt, dass es keine Patentüberschneidungen gibt. Was wir nutzen, haben wir selber entwickelt“, sagt er in freundlichem, didaktischem Ton. Aber auf seinem breiten, fast quadratischen Gesicht entfaltet sich gleichzeitig ein Mienenspiel, das von finsterer Bärbeißigkeit bis zum strahlenden Lächeln reicht.

Padilla, so scheint es, hat gelernt, sein Temperament zu zügeln – aber es fällt ihm nicht leicht, sagt sein Gesicht.

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