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23.01.2015

10:15 Uhr

Job-Duos

Eins und eins ergibt deutlich mehr als zwei

VonClaudia Obmann

Zwei Mitarbeiter, die sich eine Stelle teilen, das kommt in Mode – nicht nur für Eltern sind halbe Stellen attraktiv. Die Einsatzmöglichkeiten der Job-Tandems sind vielfältig. Drei Duos und ihr Berufsalltag.

Die Kfw-Managerinnen Claudia Schlipsing (links) und Aida Welker: Entscheidungen gegenseitig absichern Holger Peters

Die Kfw-Managerinnen Claudia Schlipsing (links) und Aida Welker: Entscheidungen gegenseitig absichern

DüsseldorfNoch während ihrer Elternzeit erhielt Aida Welker einen überraschenden Anruf aus der Personalabteilung. „Wären Sie bereit, sich eine Führungsposition zu teilen?“, wurde sie gefragt. Ja, sie war. Ein Schnupperabend mit der ihr bis dahin unbekannten Kollegin Claudia Schlipsing, die ebenfalls wegen ihrer Familie künftig nur noch Teilzeit arbeiten wollte, reichten der Diplom-Kauffrau für diese Entscheidung in Sachen Karriere.

Die beiden gleichaltrigen Mütter von je zwei Kindern fanden auch in Sachen Führungsstil genügend Übereinstimmungen, um sich ab Januar 2010 die damals neu geschaffene Stelle der Abteilungsdirektorin bei der Kfw-Tochter IPEX zu teilen.

Seitdem arbeiten beide Bankmanagerinnen jeweils 70 Prozent, wobei sich jede von ihnen ein langes Wochenende gönnt: Die eine hat freitags frei, die andere bleibt montags zu Hause. „Die zeitliche Überschneidung an den übrigen Tagen ist uns wichtig“, sagt Welker. Ihr Team im Bereich Vertragsmanagement für Maritime Industrie kümmert sich darum, mit Werften und Schifffahrtsgesellschaften in aller Welt Verträge auszuhandeln und für diese bei späteren Fragen parat zu stehen. Während Welker und Schlipsing die Kundschaft mit Hilfe der Flaggenliste länderweise aufgeteilt haben, führen sie ihre acht Mitarbeiter gemeinsam.

Die Dos and Don'ts bei der CEO-Bewerbung

Kompetenzen

Das Auflisten gleichförmiger Kompetenzkataloge wie "strategisch, analytisch, zupackend, führungs- und verhandlungsstark" in der schriftlichen Bewerbung ist in Wirklichkeit ermüdend, weil nichtssagend, das unreflektierte Befolgen der allgegenwärtigen Empfehlung, sich in der mündlichen Bewerbung "gut zu verkaufen", ist dagegen sogar gefährlich.

(Quelle: Jügen und Nane Nebel, Die CEO-Bewerbung - Karrierebeschleunigung ohne Netzwerk und Headhunter)

Dokumente

Unsere Erfahrung hat uns gezeigt: Drei Kurzdokumente - eine "Executive Summary" Ihres Lebenslaufes, eine Darstellung Ihrer "Beiträge zum Geschäftserfolg" und ein kurzes, nicht besonders persönlich gestaltetes Anschreiben - sind Ihre Eintrittskarte zum Vorstellungsgespräch.

Karrierefalle

Karrierefalle Nummer eins dürfte der Glaubenssatz sein: "Guter Manager werden angesprochen - sie sprechen nicht selbst an!". "In Schönheit sterben" muss nicht gleich die unerwünschte Folge solch vornehmer Zurückhaltung sein. Aber ganz sicher bezahlen Manager solche bisweilen dünkelhafte Reserviertheit mit deutlich weniger Karriereoptionen, als sie ihren kontaktfreudigeren Konkurrenten geboten werden.

Businessnetzwerke

Jobbörsen und Businessnetzwerke halten für Manager nicht, was sie versprechen! Verlassen Sie sich nicht darauf anzunehmen, Unternehmen würden in großem Umfang versuchen, die erfolgsentscheidenden C-Level-Positionen zu besetzen, indem sie die in Masken gepressten CV-Profile nach möglicherweise Passendem durchforsten.

Fußball

In der Welt der Unternehmen ist es wie im Fußball: Am Ende zählen nur die geschossenen Tore! Das sollten Sie im Kopf behalten, wenn Sie das nächste Mal im Interview für eine neue Position sind oder Ihre Unterlagen aufbereiten: Für das bloße Tätigwerden wird der Manager nicht bezahlt.

Erfolge

Zeigen Sie, mit welchem Aufwand, welcher Methode Sie Ihre Erfolge erzielen konnten – das schmückt Ihre Performancedarstellung, denn nach Thomas Edison ist Erfolg nur ein Prozent Inspiration, aber zu 99 Prozent Transpiration!

Charakter

Sparen Sie sich die Darstellung Ihrer charakterlichen Eigenschaften oder Kompetenzen - wenn überhaupt - für das persönliche Gespräch auf und erhöhen Sie die Seriosität Ihrer schriftlichen Unterlagen durch weitgehenden Verzicht auf die vorgestanzten, selbstetikettierenden Lobhudeleien, etwa Sie seinen durchsetzungsstark, analytisch und strategisch.

Sie, 23, sucht

Oft entfalten zutreffende, aber abstrakte Begriffe erst ihre volle Wirkung, wenn sie aufgefächert werden in ihre inhaltlichen Bestandteile: So, wie aus "Sie, 23, sucht..." dann "Weiblich, ledig, jung sucht..." wird und damit eine ganz andere emotionale Kraft und Anschaulichkeit ausgedrückt wird, wird aus dem sehr pauschalen "international" durch die Auffächerung in "Skandinavien, Südosteuropa sowie Middle East" etwas Konkretes, Anschauliches und Überzeugendes.

CV-Aufbau

Bauen Sie Ihren CV retrograd - rückwärts-chronologisch - auf. Bei zeitlich aufsteigendem Aufbau würde er schon auf den ersten Blick veraltet wirken. Die aus dem retrograden Aufbau resultierenden Nachteile lassen sich mehr als ausgleichen durch nach sachlichen Kriterien geordnete, zusätzliche Executive-Summary-Versionen.

Wer die Wahl hat,...

Unternehmen sind fast so unterschiedlich wie Menschen. Sie wenig, wie Sie die meisten heiraten würden, so wenig sinnvoll ist es, für die meisten Unternehmen arbeiten zu wollen. Es führt also kein Weg daran vorbei, mit einer respektablen Anzahl von Unternehmen Erstgespräche zu führen, um herauszubekommen, wer zu Ihnen passt: Nicht "Wer die Wahl hat, hat die Qual", sondern "Nur wer die Wahl hat, hat keine Qual."

Für beide ist es ihre erste Management-Position und rasch merkten sie, wie nützlich eine Sparringspartnerin ist, um diese Aufgabe zu meistern. Gerade bei der Bewertung der Mitarbeiter war es für die beiden Neulinge auf dem Chefsessel hilfreich, Eindrücke auszutauschen und ihre Entscheidungen gegenseitig abzusichern.

Seit viereinhalb Jahren arbeiten die beiden Nachwuchsführungskräfte nun erfolgreich zusammen. Offenbar ist auch die anfängliche Skepsis ihrer Mitarbeiter gewichen, die es angeblich schätzen, aus zwei Perspektiven beurteilt zu werden.

Welker: „Bei grundsätzlichen Entscheidungen und Personalthemen ist unser Zeitaufwand zwar höher, da wir uns gegenseitig informieren und abstimmen wollen. Dafür sind diese Entscheidungen aber fundiert.“ Daher ist beiden Chefinnen klar: „Unser Tandem dient nicht vorrangig geregelten Arbeitszeiten, um zum Beispiel jeden Tag pünktlich die Kinder aus dem Kindergarten abholen zu können“, sagt Welker. „Aber“, ergänzt Schlipsing, „es trägt dennoch zu einer besseren Balance zwischen Berufs- und Privatleben bei.“

Die beiden Managerinnen, von Anfang an bei der Kfw-Bank, prägt ein starkes Teamverständnis: Sie halten sich gegenseitig den Rücken frei, keine der beiden will sich auf Kosten der anderen profilieren. Sind sie unterschiedlicher Meinung, passen sie immerhin so gut zueinander, „dass wir Kompromisse schließen und diese dann gemeinsam tragen“, sagt Schlipsing. Kann ihre Karriere also nur noch gemeinsam vorangehen? Welker: „Wir können uns das gut vorstellen. Aber genauso denkbar wäre es, dass später einmal wieder jede für sich eine Führungsposition in Vollzeit übernimmt.“

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