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03.12.2014

18:25 Uhr

Joe Kaeser

Siemens-Chef bekommt kräftige Gehaltserhöhung

Die Gesamtvergütung des Siemens-Vorstandes schrumpfte im vergangenen Geschäftsjahr zwar um 17 Prozent. Konzernchef Joe Kaeser kann sich aber über deutlich mehr Gehalt freuen. Der große Gewinner ist dennoch ein anderer.

Das Jahressalär von Siemens-Chef Joe Kaeser stieg von 4,3 Millionen Euro auf 6,2 Millionen Euro. AFP

Das Jahressalär von Siemens-Chef Joe Kaeser stieg von 4,3 Millionen Euro auf 6,2 Millionen Euro.

MünchenSiemens -Chef Joe Kaeser bekommt eine kräftige Lohnerhöhung. Die Gesamtvergütung des Managers stieg im vergangenen Geschäftsjahr auf 6,2 Millionen Euro, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Zuvor hatte er es auf ein Jahressalär von 4,3 Millionen Euro gebracht. Das vorangegangene Geschäftsjahr arbeitete er allerdings weitgehend noch als Finanzvorstand, nur zwei Monate war er bereits Vorstandschef. Der Vorstand insgesamt war für die Aktionäre allerdings günstiger; dessen Gesamtvergütung schrumpfte um gut 17 Prozent auf 28,6 Millionen Euro.

Der zum Finanzchef beförderte Ralf Thomas brachte es auf 3,3 Millionen Euro. Im Vorjahr saß er nur knapp zwei Wochen im Vorstand und strich entsprechend für das neue Amt nur einen Bruchteil der Summe ein. Den Abschied des ehemaligen Energievorstands Michael Süß vergoldete der Aufsichtsrat mit einer Abschlagszahlung von 4,3 Millionen Euro zuzüglich einer Renteneinlage von gut 800.000 Euro.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Die Vergütung des Aufsichtsrats nahm insgesamt nur moderat zu, die Bezüge von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gingen sogar leicht zurück. Die Kontrolleure stellten ihm am Mittwoch eine neue Stellvertreterin zur Seite. Betriebsratschefin Birgit Steinborn steigt zur Nummer zwei im Aufsichtsrat auf. Sie folgt in der Position auf den früheren IG-Metall-Chef Berthold Huber, der im Januar das Gremium verlassen will. Den frei werdenden Platz nimmt künftig der Gewerkschafter Reinhard Hahn ein. Sein Funktionärskollege Jürgen Kerner rückt als Arbeitnehmervertreter in das Präsidium des Kontrollgremiums auf.

Der Vertreter der Siemens-Familie, Gerd von Brandenstein, und Peter Gruss geben ihre Posten auf. Für Brandenstein rückt Nathalie von Siemens auf, die die Stiftung des Konzerns leitet. Gruss sitzt künftig einem neuen Innovations- und Technologiebeirat der Münchner vor. An seine Stelle im Aufsichtsrat rückt BMW -Chef Norbert Reithofer.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Frau Anke Böer-Patiño

03.12.2014, 15:35 Uhr

Die Recherch bezüglich der Gehaltserhöhung des neuen Vorstands Hr. Thomas auf das 30 Fache des vorherigen Gehaltes( dies wäre demnach nur 110.000 EUR gewesen) ist sicher nicht korrekt.

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