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23.07.2011

10:34 Uhr

Jörn Kreke

Der Douglas-Chef und die gestörte Friedhofsruhe

VonChristoph Schlautmann

Jörn Kreke, Chef des Douglas-Aufsichtsrats, kommt bei Bestattern ins Gerede. Bei seiner Finanzierungsfirma häufen sich angeblich Zahlungsprobleme.

Zur Douglas Holding gehören Parfümerien, Buchläden, Konfiserien, Schmuckläden und Modekaufhäuser. Nun könnte dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jörn Kreke die BF Bestattungsfinanz GmbH zum Verhängnis werden, mit der er verbandelt ist. Quelle: dpa

Zur Douglas Holding gehören Parfümerien, Buchläden, Konfiserien, Schmuckläden und Modekaufhäuser. Nun könnte dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jörn Kreke die BF Bestattungsfinanz GmbH zum Verhängnis werden, mit der er verbandelt ist.

DüsseldorfEr trägt den Verdienstorden Nordrhein-Westfalens, die Ehrendoktorwürde der Fernuni Hagen und seine Firma den Deutschen Marketingpreis. Nicht einmal der Deutsche Handelspreis fehlt in der Sammlung von Dr. Dr. h.c. Jörn Kreke, dem 71-jährigen Architekten und Aufsichtsratsvorsitzenden des MDax-Konzerns Douglas Holding, einem Konglomerat aus Parfümerien, Buchläden (Thalia), Konfiserien (Hussel), Schmuckläden (Christ) und Modekaufhäusern (Appelrath-Cüpper).

Der Wunsch nach Genuss und Jugendlichkeit hat ihn reich gemacht. Allein das Douglas-Aktienpaket seiner Familie (12,1 Prozent) bewertet die Börse derzeit mit 170 Millionen Euro. Nun aber ist es ausgerechnet das Geschäft mit dem Sterben, das dem guten Ruf des Kölner Kaufmanns schaden könnte.

Grund ist die ungewisse Lage der BF Bestattungsfinanz GmbH, die mit Kreke verbandelt ist. Sieben Jahre lang half die Firma Begräbnisunternehmern über die Runden, indem sie ihnen unbezahlte Kundenrechnungen über Grabschmuck und Eichensärge abkaufte. Durchschnittlich 2300 Euro kamen dabei pro Todesfall zusammen, im Süden mehr, im Osten weniger.

Binnen drei Tagen, versprach BF Bestattungsfinanz im Paragrafen 3, Absatz 1 ihrer Kundenverträge, sollten Geschäftspartner ihr Geld bekommen - abzüglich einer angemessenen Aufwandsentschädigung.

Die kurzen Zahlungsfristen kamen vor allem kleineren Betrieben entgegen. Schließlich dienen die raschen Auszahlungen der Liquiditätsplanung, Mitarbeiter müssen entlohnt, Vorlieferanten bezahlt werden. Doch seit dem 22. Juni häufen sich in der Branche Klagen, nach denen die vom Douglas-Standort Hagen operierende Factoringgesellschaft mit ihren Auszahlungen ins Stocken geraten ist. Am 29. Juni ließ Geschäftsführer Harald Glöde auf Anfrage erboster Bestattungsunternehmer in gleichlautenden Briefen wissen, dass sich "die Auszahlungen in den nächsten Tagen aufgrund eines technischen Problems etwas verzögern können". Erst als Bestatter ihre Rechtsanwälte einschalteten, zahlte BF zwischen dem 8. und 11. Juli die Summen aus.

Das Vertrauen in die weitere Zusammenarbeit stärkte dies nicht. Gut ein Dutzend der etwa knapp 200 BF-Partner leitete in den vergangenen Tagen den Wechsel zur Konkurrenz ein. "Wir wissen von mehreren Mitgliedern, die der BF gekündigt haben", erzählt eine Mitarbeiterin beim Verband unabhängiger Bestatter in Espelkamp.

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