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04.03.2004

06:00 Uhr

John F. Brock führt Interbrew an die Weltspitze im Biermarkt

Schlitzohr und kühler Taktierer

VonIngo Reich

John F. Brock ist ein Schlitzohr. Vor genau einem Jahr verkündete der frisch ernannte Vorstandschef des belgischen Brauriesen Interbrew den vorläufigen Stopp der Einkaufstour auf den Biermärkten der Welt.

HB BRÜSSEL. In Deutschland allein war nach Beck's und Diebels auch noch die Hannoveraner Braugilde samt der Ostmarke Hasseröder ins Interbrew-Portfolio gewandert. Nun sollte es genug sein. Denn seinem Vorgänger Hugo Powell, so hieß es, sei die aggressive und teure Expansionspolitik zum Verhängnis geworden. So hatte er die Eigentümer der Bremer Brauerei Beck & Co. mit 1,7 Mrd. Euro beglückt.

Doch der 54-jährige Brock machte da weiter, wo Powell aufgehört hat. Rechtzeitig zum letzten Oktoberfest setzte sich Interbrew mit der Übernahme der Münchener Spaten-Löwenbräu-Gruppe endgültig an die Spitze der deutschen Brauwirtschaft. Der Zusammenschluss mit dem brasilianischen Brauer Ambev macht Interbrew nun zu einer Weltmacht des Biermarkts.

Entschlossenheit gilt als Markenzeichen Brocks. Erst ein Jahr im Amt, hat er mit Kommunikationschef Corneel Maes vor zwei Wochen den letzten Powell-Vertrauten aus der Konzernzentrale entlassen. „Unklare Kommunikation“ wurde als Grund genannt. John Brock hingegen liebt eine klare Sprache, auch wenn er mit markigen Worten manchmal vehement das Gegenteil von dem behauptet, was dann später eintrifft. Doch so beweist er seine Qualitäten als kühler Taktiker, der seine wahren Absichten stets vor der Konkurrenz zu tarnen weiß.

Erste Business-Erfahrungen sammelte Brock bei dem US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. Seit 1983 arbeitete er für den britischen Süßwaren- und Getränkehersteller Cadbury Schweppes und war hier vor seinem Wechsel zu Interbrew zuletzt Chief Operating Officer. Wirkt Brock mit seiner hohen Stirn, dem spärlichen Haarkranz und der randlosen Brille auf den ersten Blick so, wie man sich einen steifen, aber höflichen Briten vorstellt, so strahlt der Mann in Wirklichkeit wenig Gemütlichkeit aus. Noch bei Cadbury Schweppes fädelte er die Übernahmen der Limonadenmarken Dr. Pepper/Seven Up und Orangina ein. Die US-Getränkeindustrie kürte ihn deshalb zum „Manager des Jahres“. Wer den harten Wettbewerb in der Branche kennt, der weiß, dass dort Glacéhandschuhe nicht zur Berufsbekleidung gehören.

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