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14.11.2011

18:13 Uhr

Josef Ackermann

Spitzenbanker auf dem Weg nach draußen

Ehrgeizige Ziele, tolle Bilanzen, umstrittene Gesten - Josef Ackermann polarisiert, und gilt trotzdem als der große Spitzenbanker der deutschen Finanzbranche. Das Porträt eines polarisierenden Managers.

Quo vadis, Josef Ackermann? Reuters

Quo vadis, Josef Ackermann?

FrankfurtManchmal strahlt Deutschlands mächtigster Banker Josef Ackermann eine nahezu unerträgliche Arroganz aus: In Erinnerung bleibt das Victory-Zeichen im Mannesmann-Prozess oder die Entlassung tausender Mitarbeiter im gleichen Atemzug mit einem Rekordgewinn. Andererseits ist er als Deutsche-Bank-Chef höchst erfolgreich gewesen: Er führte die Bank vergleichsweise glimpflich durch die Krise. Seine Aussage, er würde sich schämen, staatliche Hilfe anzunehmen, wurde ihm freilich auch schon wieder als Arroganz ausgelegt.

Am Montagabend teilte die Deutsche Bank überraschend mit, Ackermann wolle nun doch nicht in den Aufsichtsrat der Bank wechseln, wenn er sein Amt als Vorstandsvorsitzender im Mai 2012 abgibt. Damit steht seine Karriere vor dem Ende. Kurz zuvor hatten Anwälte der Deutschen Bank erklärt, das Vorstandsbüro Ackermanns sei von der Münchener Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Hintergrund sei der Kirch-Prozess.

Dabei werde nun auch gegen Ackermann, Aufsichtsratschef Clemens Börsig, Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer und den früheren Bankvorstand Tessen von Heydebreck wegen Verdachts der Falschaussage und des versuchten Prozessbetrugs ermittelt, erklärten die Anwälte weiter. Es geht bei dem Prozess in München seit Monaten um die Frage, ob die Bank einst den Medienunternehmer Leo Kirch in den Ruin getrieben hat.

Wo die Deutsche Bank verklagt wird

Ackermanns Versprechen

„Kein Geschäft der Welt ist es wert, dafür den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.“ Das hat Vorstandschef Josef Ackermann 2006 gesagt. Ob diese Aussage der Realität entspricht – daran kommen angesichts der Fülle der Verfahren Zweifel auf, auch wenn diese nicht alle während Ackermanns Amtszeit „entstanden“ sind.

Risikovorstand Hugo Bänziger

Am Ende des Tages trägt natürlich Josef Ackermann die Verantwortung, aber „krumme Geschäfte“ sind per se die Aufgabe von Hugo Bänziger. Der Risikovorstand muss den Begriff „Compliance“ mit Leben füllen.

Kirch-Prozesse

Leo Kirch liegt seit Jahren mit der Deutschen Bank im Clinch. Der Medienunternehmer behauptet, dass die Äußerungen des damaligen Chefs Rolf E. Breuer für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich waren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte ihm in einer Vorfrage einst Recht gegeben. Doch unterm Strich ist der Ergebnis der Prozesse noch offen.

Zinswetten werden zum Image-Desaster

Die Deutsche Bank hatte mit Kommunen und mittelständischen Unternehmen komplexe Geschäfte abgeschlossen. Im März fällte der BGH ein wichtiges Urteil: Das Geldhaus durfte diese so genannten CMS-Geschäfte nicht tätigen.

Probleme auch in Mailand

Wegen eines ähnlichen Falles muss sich die Deutsche Bank gemeinsam mit JP Morgan, der Depfa und der UBS in Mailand verantworten. Auch hier geht es um Zinsgeschäfte und die Frage, ob die Risikogestaltung zu Lasten der Anleger ging.

US-Regierung hat Deutsche Bank im Visier

Richtig teuer könnte es für die Deutsche Bank in den USA werden. Besser gesagt: Noch teurer, als es ohnehin schon geworden ist. Denn die US-Regierung hat das Institut Anfang Mai wegen Geschäfte mit Immobilien verklagt. Sie fordert Schadensersatz in Höhe von einer Milliarde Dollar. Die Deutsche Bank soll an Fördermittel herangekommen sein, in dem sie falsche Angaben machte.

Der Untersuchungsbericht des US-Senats

Kurz zuvor, im April, widmete der US-Senat der Deutschen Bank in einem Untersuchungsbericht ein eigenes Kapitel. Das ist kein gutes Zeichen. Der Vorwurf: Das Geldhaus hätte Hypothekenanleihen an Kunden verkauft, obwohl eigene Händler längst auf die Risiken aufmerksam gemacht hätten. Damit steht die Deutsche Bank nicht allein da – ähnliche Vorwürfe gibt es gegen mehrere Banken.

Widerrechtliche Zwangsräumungen in Los Angeles

Die Stadt Los Angeles glaubt, dass die Deutsche Bank ihren Bürgern Unrecht angetan hat. Es geht unter anderem um widerrechtliche Zwangsräumungen. Immerhin ist das Institut als Treuhänder für 2000 Wohnungen verantwortlich. Die Stadt verlangt Schadenersatz im dreistelligen Millionenbereich. Die Deutsche Bank entgegnet, dass nicht sie als Treuhänder, sondern der Kreditdienstleister zuständig gewesen sei.

New Yorker Staatsanwaltschaft prüft

Sorgen machen muss sich die Deutsche Bank unter Umständen auch wegen einer aktuellen Geschichte: Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem gegen einige US-Banken. Es geht um das Bündeln von Trash-Immobilienkrediten. Noch geht es also nicht um die Deutsche Bank, aber nach den bisherigen Erfahrungen könnte sich das durchaus ändern.

Ärger in Südkorea

Von der Summe her war die Zahlung an Behörden in Südkorea eher das, was man gerne auch schon mal als „Peanuts“ bezeichnet hat: Eine Strafe über 640.000 Dollar brummte die dortigen Behörden der Deutschen Bank auf. Sie hat allem Anschein nach gegen Börsenregeln verstoßen.

Parmalat-Skandal in Italien

Auch in Italien waren die Rechtsanwälte der Deutschen Bank lange beschäftigt. Hier gab es aber einen Freispruch. Der Vorwurf lautete, dass sich das Institut wie auch die Citigroup und andere Geldhäuser der Mittäterschaft beim Bilanzbetrug des Molkereikonzerns Parmalat schuldig gemacht haben sollen.

Teure Vergleiche

Üblicherweise werden in den USA Prozesse nicht bis zum bitteren Ende geführt. Oft gibt es einen Vergleich. Das ist in der Regel auch für das betroffene Unternehmen billiger und vor allem schont es die Nerven. So zahlte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 554 Millionen Dollar wegen eines Streits um Produkte zur Steuervermeidung.

Für das laufende Jahr hatte Ackermann ein Rekordziel ausgegeben: Der Vorsteuergewinn der operativen Geschäftseinheiten sollte von 7,2 Milliarden Euro auf zehn Milliarden Euro steigen. Doch dieses Ziel musste Ackermann angesichts der Finanzmarkt-Turbulenzen wieder zurücknehmen.

Der 63-Jährige gilt vielen als Buhmann und Musterbeispiel des ausschließlich auf Gewinnmaximierung bedachten Kapitalisten. Ihm werden aber auch analytischer Weitblick, ausgeprägtes Gespür für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge, ausgleichendes Wirken sowie eine herausragende kommunikative Begabung - schlicht: Charme - nachgesagt. Ackermann ist exzellent vernetzt in Wirtschaft und Politik. Unter anderem ist er Chef des Institute of International Finance in Washington, des Bankenverbandes, der den Schuldenschnitt für Griechenland mit der Eurozone ausgehandelt hat.

Derzeit fragt den Schweizer aus dem Kanton St. Gallen auch die Bundesregierung nach seiner Einschätzung. Die Bundeskanzlerin gab einst zu seinem 60. Geburtstag ein Abendessen im Kanzleramt.

Kommentare (1)

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Mazi

14.11.2011, 19:18 Uhr

Herr Ackermann ist wohl der missverstandenste Bankmanager in Deutschland.

Allen ist die 25 %-Vorgabe. Alle dachten dabei an eine interne Zielvorgabe. Die Aktionäre wissen es heute besser. Der Wert ihrer Aktie hat sich auf dieses Niveau begeben, sein Gehalt dagegen ist fürstlich geblieben.

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