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25.09.2014

14:13 Uhr

Josef Esch bei Sal. Oppenheim

„Da spricht die Bank“

Der Bauunternehmer Esch soll großen Einfluss auf Sal. Oppenheim genommen haben. Es habe keinen Unterschied zwischen der Bank und Esch gegeben, sagt Ex-Arcandor-Chef Middelhoff vor Gericht. Eschs Anwälte sehen das anders.

Der Immobilienunternehmer Josef Esch ist teils wegen Untreue im besonders schweren Fall, teils wegen Beihilfe angeklagt. dpa

Der Immobilienunternehmer Josef Esch ist teils wegen Untreue im besonders schweren Fall, teils wegen Beihilfe angeklagt.

KölnEx-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat den Immobilienunternehmer Josef Esch als eine Hauptfigur in der früheren Spitze des Bankhauses Sal. Oppenheim dargestellt. „Aus der damaligen Sicht gab es keinen großen Unterschied zwischen der Bank und Herrn Esch“, sagte Middelhoff am Donnerstag als Zeuge im Kölner Strafprozess gegen Esch und die ehemalige Führung von Sal. Oppenheim. „Meine Wahrnehmung ist, dass Herr Esch wesentlichen Einfluss auf die Bank hatte“, sagte Middelhoff. Wenn Esch gesprochen habe, sei für ihn klar gewesen: „Da spricht die Bank.“

In dem Prozess geht es unter anderem um die Frage, ob Esch eine Art „Graue Eminenz“ der Bank gewesen ist - was seine Verteidigung bestreitet. Offiziell hatte er keine Position in dem Geldinstitut inne. „Josef Esch hatte keine Detailkenntnis der Strukturen des Bankhauses“, hatte sein Anwalt Eberhard Kempf im vergangenen Jahr betont. Nur in Einzelfällen habe er an Sitzungen der Bankspitze teilgenommen: „Darüber hinaus hatte Josef Esch keinen Einblick in das Bankhaus.“

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Middelhoff, der als prominentester Zeuge des Prozesses gilt, schilderte am Donnerstag detailliert den Einstieg von Sal. Oppenheim bei Arcandor („KarstadtQuelle“) auf dem Höhepunkt der internationalen Finanzkrise im September 2008. Middelhoff brauchte dringend neues Geld für das kriselnde Unternehmen. Bei Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz war schon nichts mehr zu holen. In dieser dramatischen Situation habe er am 24. September 2008 bei einem Besuch in Eschs Heimatort Troisdorf gefragt, ob Sal. Oppenheim einen „Finanzierungsbeitrag“ leisten könne. Drei Tage später überbrachte ihm Esch am Telefon die Nachricht, dass sich die Bank in der Tat engagieren könne.

In dem seit eineinhalb Jahren dauernden Strafverfahren vor dem Landgericht Köln sind das einstige Führungsquartett von Sal. Oppenheim sowie Esch teils wegen Untreue im besonders schweren Fall, teils wegen Beihilfe dazu angeklagt. Sie bestreiten die Vorwürfe. Das Schicksal der früher größten europäischen Privatbank und des von Middelhoff geführten Handelskonzerns waren während der Finanzkrise eng miteinander verbunden. Als Großaktionär wurde Sal. Oppenheim von der Arcandor-Insolvenz im Sommer 2009 mit in den Abwärtsstrudel gezogen. Die Deutsche Bank übernahm Sal. Oppenheim Anfang 2010 in stark verkleinerter Form.

Von

dpa

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