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12.09.2013

15:47 Uhr

Josef Esch

Das Unschuldslamm

Keiner will es gewesen sein: Josef Esch hat nach Bekunden seines Anwalts nicht mit den Milliardenverlusten der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim zu tun. Dabei gilt der Immobilienmanager als heimlicher Strippenzieher.

Immobilienmanager Josef Esch: Nicht gut genug mit den Strukturen von Sal. Oppenheim vertraut. dpa

Immobilienmanager Josef Esch: Nicht gut genug mit den Strukturen von Sal. Oppenheim vertraut.

KölnIm Sal. Oppenheim-Prozess hat erstmals die Verteidigung des angeklagten Immobilienmanagers Josef Esch ausführlich Stellung genommen. Sie trat dem Eindruck entgegen, dass Esch die Graue Eminenz der Bank gewesen sei, die überall die Fäden gezogen habe. „Josef Esch hatte keine Detailkenntnis der Strukturen des Bankhauses“, versicherte sein Anwalt Eberhard Kempf am Donnerstag vor dem Landgericht Köln.

Nur in Einzelfällen, wenn es um seine Immobilienfonds gegangen sei, habe er an Sitzungen der Bankspitze teilgenommen. „Darüber hinaus hatte Josef Esch keinen Einblick in das Bankhaus.“ Als sich Sal. Oppenheim schließlich auf eine Krise zubewegt habe, sei dies für Esch anfangs auch nicht erkennbar gewesen. Esch war auch am Donnerstag nicht bereit, sich persönlich von der Vorsitzenden Richterin Sabine Grobecker befragen zu lassen. Auf eine entsprechende Nachfrage von ihr antwortete Kempf: „Im Moment nicht.“

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Kempf schilderte Eschs Aufstieg vom Maurer aus Troisdorf bei Köln zum gefragten Immobilienmanager. Der erste Kontakt zu Sal. Oppenheim kam demnach auf einem Ärztekongress zustande, wo Esch vermögende Kunden anwerben wollte. Im Laufe der Jahrzehnte sei „zunehmendes wechselseitiges Vertrauen“ gewachsen. Dennoch sei Esch auch weiterhin genau kontrolliert worden. So habe er dem Bankchef Alfred Freiherr von Oppenheim (1934-2005) stets die Ergebnisse der Fondsgeschäfte vorgetragen und die Einhaltung der verlangten Margen nachgewiesen. Die Oppenheim-Esch-Fonds hätten der Bank lange hohe Gewinne gebracht, selbst noch zu Beginn der Finanzkrise, sagte Kempf.

In den vergangenen Wochen hatten bereits zwei andere Angeklagte, die ehemals persönlich haftenden Gesellschafter Friedrich Carl Janssen und Dieter Pfundt, ihre Rolle heruntergespielt. Die eigentliche Macht lag nach ihrer Darstellung bei den beiden anderen Gesellschaftern, den Familienmitgliedern Christopher Freiherr von Oppenheim und Matthias Graf von Krockow. Doch auch diese beiden beteuern ihre Unschuld.

Die vier Banker und Esch müssen sich teils wegen Untreue in besonders schwerem Fall, teils wegen Beihilfe dazu verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem vor, das Geldhaus mit zwei Immobiliengeschäften in Köln und einem in Frankfurt am Main um insgesamt rund 145 Millionen Euro geschädigt zu haben. Sal. Oppenheim war 2010 nach einem Milliardenverlust von der Deutschen Bank übernommen worden.

Von

dpa

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