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18.05.2012

10:29 Uhr

JP Morgan

Spekulationsverluste könnten auf fünf Milliarden anwachsen

Der von der US-Großbank eingestandene Milliarden-Schaden durch Fehlspekulationen ist möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Nun hat sich auch der US-Senat eingeschaltet - und JP-Morgan-Chef Jamie Dimon vorgeladen.

JP-Morgan-CEO Dimon: Milliarden verzockt. dpa

JP-Morgan-CEO Dimon: Milliarden verzockt.

New York/WashingtonDie Spekulationsverluste bei der US-Großbank JP Morgan könnten einem Bericht zufolge auf fünf Milliarden Dollar steigen. Diese Zahl sei JP Morgan-Chef Jamie Dimon am 30. April als möglicher Maximalverlust aus fehlgeschlagenen Wetten auf den Kreditmarkt genannt worden, heißt es in einem Online-Bericht des „Wall Street Journal“ am Freitag unter Berufung auf Konzernkreise. Das wäre deutlich mehr als Dimon zuletzt eingeräumt hatte. Die Bank wollte den Bericht nicht kommentieren.

Der lange Zeit vom Erfolg verwöhnte Bankchef hatte sich vor einer Woche dazu entschieden, die fehlgelaufenen Geschäfte publik zu machen und dabei eingeräumt, dass bereits ein Verlust von zwei Milliarden Dollar aufgelaufen ist. Dabei hatte er auch gesagt, dass sich das Minus noch verdoppeln könnten.

So lief das erste Quartal bei JP Morgan

Starker Jahresauftakt

Die US-Großbank JP Morgan hat mit einem überraschend starken Jahresauftakt Hoffnung auf ein Ende der Krise in der gebeutelten Finanzbranche geweckt.

5,4 Milliarden Dollar Nettogewinn

Für das erste Quartal präsentierte das Institut einen Nettogewinn von 5,4 Milliarden Dollar. Das lag zwar drei Prozent unter dem außergewöhnlich starken Vorjahresquartal, war aber mehr, als Experten von der Bank erwartet hatten.

Investmentbanking

Vor allem das Investmentbanking, das Ende 2011 wegen der Euro-Schuldenkrise vielerorts zum Erliegen gekommen war, zog wieder an, wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon erklärte.

Privatkundengeschäft

Im Privatkundengeschäft belebte sich zudem die Kreditnachfrage weiter - Anzeichen dafür, dass der Konjunkturaufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft anhält. Die Konzern-Einnahmen kletterten im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 27,4 Milliarden Dollar

Am Donnerstag hatte die „New York Times“ unter Berufung auf eingeweihte Personen berichtet, dass die Verluste mittlerweile bei mindestens drei Milliarden Dollar lägen, weil Hedgefonds und Spekulanten die Notlage der Bank ausgenutzt hätten. Die Bank hatte sich auch dazu nicht geäußert.

Dimon soll sich im US-Senat zu den Fehlspekulationen erklären. Ohne ein Datum zu nennen, teilte der Vorsitzende des Bankenausschusses, der demokratische Senator Tim Johnson, am Donnerstag mit, Dimon solle in das Gremium eingeladen werden. Nach seinen Angaben soll sich der Ausschuss am 22. Mai und am 6. Juni mit dem Fall befassen. Dimon soll demnach in einer dritten Sitzung Rede und Antwort stehen.

JP Morgan Chase hatte vergangene Woche eingeräumt, durch Fehlspekulationen mit Kreditausfallversicherungen einen Verlust von rund zwei Milliarden Dollar (mehr als 1,5 Milliarden Euro) erlitten zu haben. Die US-Tageszeitung „New York Times“ berichtete zudem am Donnerstag von einem weiteren Spekulationsverlust im Umfang von einer Milliarde Dollar. Laut Medienberichten vom Dienstag leitete das US-Justizministerium Ermittlungen gegen das Bankhaus ein.

Kommentare (18)

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Caesar

18.05.2012, 10:40 Uhr

Natürliche Auslese eben - die Zocker bleiben auf der Strecke, nur kein falsches Mitleid - wer gegen die EU wettet wird früher oder später abgewickelt und das ist gut so - never fight the EZB.

sailing

18.05.2012, 10:53 Uhr

wieso regt man sich nun auf?

Diese Bank hat gemacht was alle sogenannten "Investment Banken" machen.
Dabei gibt es Verlierer und Gewinner, eine klassische Umverteilung (es geht kein Geld "verloren" oder wird "verbrannt"). Allerdings muß man zwei Effekte unterscheiden zum einen ein scheinbar intern "lausiges" Risikocontrolling auf der anderen Seite den "Markt-Effekt" (andere Markteilnehmer) der/die diese Situation zu ihren Gunsten nutzen.

Es zeigt sich aber auch dass die "Verflechtungen" innerhalb der Finanzbranche zu groß. Wenn jemand daran arbeitet dieses System sicherer zu machen, dann sind es die Amerikaner von den Europäern kann man leider nichts erwarten, die schauen noch immer wie das Kanninchen in den Rachen der Schlange)

matze

18.05.2012, 10:53 Uhr

ja, so ist es! so langsam kommen die dinge zum vorschein. gut so! das war ein angriff auf jeden europäer, ob jung oder alt oder noch nicht gebohren. eine systemrelevante bank hebelt gegen einen ganzen kontinent mit "einem" händler und geht so weit, dass sie sich und das gesamte weltfinanzsystem gefährdet.

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