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22.03.2012

10:03 Uhr

Jürgen Fitschen

Der Mann für die Heimat

VonNicole Bastian, Robert Landgraf

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, wird sich künftig stark im Branchenverband engagieren. Damit will er sich neben dem prominenteren Anshu Jain profilieren - und leiht dem Verband zugleich mehr Autorität.

Deutsche Bank Co-Vorstand Jürgen Fitschen. Reuters

Deutsche Bank Co-Vorstand Jürgen Fitschen.

FrankfurtJürgen Fitschen (63) setzt ein Ausrufezeichen. Der künftige Co-Chef der Deutschen Bank will als Nachfolger für den bisherigen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (64) auch in den Vorstand des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) gehen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Bankenkreisen. Ackermann tritt beim Verband mit dem Ende seiner Amtszeit bei Deutschlands größtem Geldhaus Ende Mai ab.

Der Bankenverband gilt als wichtigste Interessenvertretung der Finanzbranche in Deutschland. Mit dem künftigen Vorstandschef des Branchen-Schwergewichts, so hoffen Bankenvertreter, könne die Zunft der Finanzindustriellen weiter selbstbewusst gegenüber Politik und Gesellschaft auftreten.

Bei der Delegiertenversammlung des Verbands am Montag steht das Thema allerdings noch nicht offiziell auf der Tagesordnung. Hier wird nur Commerzbank-Vorstand Markus Beumer in das Gremium gewählt, der dort seinen Chef Martin Blessing ersetzt. Der will künftig verstärkt international repräsentieren.

Auf dem festlichen Empfang am Abend nach der Delegiertenversammlung in der Berliner Akademie der Wissenschaften wird aber nicht nur über Beumer, sondern vor allem über Fitschen gesprochen. Zum einen natürlich wegen der Zerwürfnisse und Diskussionen in der Deutschen Bank, wo der Stabwechsel von Ackermann zu Fitschen und seinem Co-Chef Anshu Jain wirklich nicht wie geplant läuft. Zum andern aber auch mit Blick auf den Verband und seine künftige Rolle im Verhältnis von Banken und Politik.

Denn durch die Zusage Fitschens ist die Gefahr gebannt, dass die einst so mächtige Interessenvertretung der Branche in Berlin geschwächt wird. Nach dem Rückzug Blessings hatten viele geunkt, der BdB werde künftig eine Veranstaltung der zweiten Reihe. Dem wirkt Fitschen nun entgegen.

Allerdings wird der Chef von Deutschlands einziger Bank von Weltrang sich auf ein normales Vorstandsamt beschränken. Nach Informationen des Handelsblatts strebt Fitschen nicht den Präsidentenposten an, dem ihm mancher gerne antragen würde. Der bisherige Verbandschef, HSBC-Trinkaus-Deutschland-Chef Andreas Schmitz, tritt im März 2013 von dem Posten ab. Als Nachfolger und damit Sprachrohr der privaten Geldhäuser in Deutschland gegenüber der Politik wird nun Unicredit-Deutschland-Chef Theodor Weimer gehandelt. Fitschen, so heißt es, könne das Amt kaum ausfüllen – der Verbandsposten erfordert zwei Arbeitstage pro Woche. Unvorstellbar für Fitschen angesichts der vielen offenen Baustellen im eigenen Haus.

Das Präsidiumsamt an sich aber soll dem Deutschbanker am Herzen liegen, heißt es in Frankfurter Bankenkreisen. Fitschen sehe das Amt als Chance, sich nach außen stärker gegenüber seinem prominenteren Co-Chef Jain zu profilieren.

Der Umgang mit der Politik in Berlin ist Fitschen ohnehin längst vertraut. So hat zuletzt er, nicht Jain, etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel angerufen, als es die Personalrochaden in der Deutschen-Bank-Führung zu erklären galt.

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