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30.12.2011

08:01 Uhr

Jürgen Hambrecht

„Offene und kritische Geister“

VonDieter Fockenbrock

Jürgen Hambrecht war Chef des weltgrößten Chemiekonzerns BASF. Jetzt zählt er zu den einflussreichsten Aufsichtsräten der Republik. Im Handelsblatt-Gespräch erklärt er, wie der ideale Aufsichtsrat aussehen muss.

Jürgen Hambrecht will nicht als reiner Berufskontrolleur wahrgenommen werden. dpa

Jürgen Hambrecht will nicht als reiner Berufskontrolleur wahrgenommen werden.

DüsseldorfHandelsblatt: Herr Hambrecht, bedauern Sie es, nicht Aufsichtsrat oder gar Vorsitzender des Aufsichtsrats Ihres langjährigen Arbeitgebers zu sein?

Jürgen Hambrecht: Diese Frage stellt sich bei BASF nicht. Der Aufsichtsrat ist personell bestens ausgestattet.

Und was halten Sie von dem Verbot, direkt vom Vorstand in den Aufsichtsrat eines Unternehmens zu wechseln?

Viele, vor allem hochkomplexe Unternehmen sind auf das Know-how ihrer ehemaligen Manager dringend angewiesen. Und mit der wachsenden Globalisierung der Geschäfte wird das noch wichtiger. Deshalb halte ich die generelle Zwangspause von zwei Jahren für falsch.

Zwei Jahre schaffen aber notwendige Distanz zu eigenen Entscheidungen.

Ziehen Sie einmal einen Hochleistungssportler für einen längeren Zeitraum aus dem Verkehr. Da geht viel verloren.

Sie sind Chemiker, waren lange Chef des weltgrößten Chemiekonzerns. Was nutzt das dem Aufsichtsrat von Daimler oder Lufthansa?

Es kommt auf die richtige Zusammensetzung an. Sie brauchen weitreichende berufliche Erfahrungen und Internationalität, die richtigen Männer und die richtigen Frauen. Ein Aufsichtsrat sollte so zusammengesetzt sein, dass jedes Mitglied einen Zusatznutzen einbringt.

Oder ist eher der Netzwerker Jürgen Hambrecht gefragt, weil er als früherer Vorsitzender des Asien-Ausschusses der Wirtschaft, als Präsident des Chemieverbands oder als Mitglied des BDI-Präsidiums gute Kontakte mitbringt?

Das glaube ich nicht. Ich selbst bevorzuge Personen, die gut in das Team passen, die offen, aufrichtig und kritische Geister sind. Ich glaube, es geht vor allem um die Persönlichkeit eines Kandidaten. Das ist wichtiger als sein Netzwerk.

Für die industriepolitische Initiative gegen die Energiewende der Bundesregierung haben Sie ihre guten Kontakte aber schon eingesetzt?

Das bitte ich klar zu trennen. Denn den Aufruf habe ich als Vertreter des Industrieverbands BDI mit unterschrieben. So etwas ist nicht die Aufgabe eines Aufsichtsrats. Die Energiewende ist ein Thema für das operative Management.

Wie sieht der ideale Aufsichtsrat aus?

Das Gremium sollte Vielfalt hinsichtlich Beruf, Internationalität und Geschlecht repräsentieren. Erfahrungen aus unternehmerischer Tätigkeit, aber auch aus der Wissenschaft sind wichtig. Insgesamt muss ein klarer Mehrwert für das Unternehmen geschaffen werden. Und natürlich müssen alle offen mit Interessenkonflikten umgehen.

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