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04.08.2014

06:53 Uhr

Jürgen Richter über Middelhoff

„Es ist wie in einer Fantasiewelt“

ExklusivFür den Ex-Manager Thomas Middelhoff wird es eng. Vergleichsgespräche mit der Deutschen Bank sind gescheitert. Für eine Einigung sei es zu spät, meint ein Vertrauter – und kritisiert Middelhoffs Umgang mit dem Problem.

Ex-Arcandor-Chef

Der tiefe Fall des Thomas Middelhoff

Ex-Arcandor-Chef: Der tiefe Fall des Thomas Middelhoff

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DüsseldorfDie Vergleichsgespräche zwischen dem Investor Thomas Middelhoff und der Deutschen Bank sind abgebrochen. „Die Gläubiger haben zunächst still gehalten. Jetzt glauben sie, hingehalten zu werden“, sagt der langjährige Verlagschef Jürgen Richter, der sich in den letzten Monaten um eine Einigung bemüht hat, im Gespräch mit dem Handelsblatt (Montagsausgabe). Nun sagt er auf die Frage, ob er noch etwas für Middelhoff tun könne: „Ich fürchte, dazu ist es zu spät.“

Die Deutsche Bank hat die Privatbank Sal. Oppenheim übernommen, bei der Middelhoff Kunde war. Die Forderungen belaufen sich auf 77 Millionen Euro, denen ein Festgeldkonto über rund 30 Millionen gegenüber steht.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Bei Bertelsmann haben die beiden einst zusammengearbeitet. Nun kritisiert Richter, dass Middelhoff „nicht richtig vergegenwärtigt“, dass er seine Ansprüche an den Immobilienfonds Oppenheim-Esch genau belegen müsse. Die Gespräche seien gut angelaufen, seien im Laufe der Zeit aber immer schwerer geworden, „weil schon bald keine Einigung über Sachverhaltsfragen erzielt werden konnte“.

Richter wörtlich über Middelhoff: „Er schwebt immer noch. Es ist teilweise wie in einer Fantasiewelt. Er sitzt aber knochenharten Leuten gegenüber.“

Von

jj

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