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12.02.2016

15:47 Uhr

Kaffee-Ikone Bialetti

„Der Mann mit dem Schnauzbart“ ist tot

VonRegina Krieger

Eine Design-Ikone wie Alessi: Renato Bialetti ist mit 93 Jahren gestorben. Der Unternehmer galt als Marketinggenie. In Italien darf sein „Moka“-Espressokocher auf dem Herd nicht fehlen. Darauf: Bialettis Konterfei.

Renato Bialetti hat die Erfindung seines Vaters weltberühmt gemacht. Imago

Die „Moka“ von Bialetti

Renato Bialetti hat die Erfindung seines Vaters weltberühmt gemacht.

RomIn Deutschland stehen in den Küchen oft die durchgestylten, großen Vollautomaten – und daneben der Metallständer gefüllt mit bunten Kaffeekapseln. In Italien hingegen darf in der Küche die „Moka“ auf dem Herd nicht fehlen: entweder die kleine für eine Tasse Espresso, die für drei oder die große für sechs Tassen. Keine Kaffeemaschine kann das Zischen und den Duft ersetzen, wenn der Kaffee nach ein paar Minuten aus der Metallsäule im Innern der „Moka“ aufsteigt und langsam den oberen Teil der Maschine füllt. Überzeugend ist nicht nur der Geschmack: Eine „Moka“ kostet nur ein Minimum eines Vollautomaten.

Und sogar im New Yorker Moma steht die „Moka“ als Designobjekt, aber nicht ein Nachbau, sondern das Originalmodell aus dem Haus Bialetti. Mit 93 Jahren ist jetzt in Ascona im Tessin der Mann gestorben, der die kleine Kaffeemaschine, eine Erfindung seines Vaters, weltberühmt gemacht hat: der Unternehmer Renato Bialetti.

„Der Mann mit dem Schnauzbart“ wurde er in Italien genannt. Und sein stilisiertes Konterfei als Comicfigur mit dem charakteristischen großen Schnauz ist noch heute auf jeder Bialetti-Kaffeemaschine zu sehen. Bialetti ist eine Ikone des „Made in Italy“ wie Alessi, die aus dem gleichen Ort stammen.

1933 hatte Bialettis Vater Alfonso das Prinzip und das Design der achteckigen Maschine aus Gusseisen erfunden. 1946, nach dem Krieg, übernahm Renato Bialetti das Familienunternehmen in Omegna am Ortasee im Piemont. Und er entwickelte eine Marketingstrategie, die seiner Zeit voraus war – mit flächendeckender Werbung in den 50er Jahren, vor allem im Fernsehen, dem Weg aus Italien hinaus auf internationale Märkte und dem strengen Blick auf die Marke. Die Strategie ging auf: Bis zu eine Million Maschinen wurden pro Jahr verkauft.

Welcher Kaffeetyp sind Sie?

Ländervergleich

6,4 Kilogramm Kaffee hat jeder Deutsche im Jahr 2010 verbraucht. Insgesamt gingen also 526.860 Tonnen Kaffeebohnen beziehungsweise gemahlener Kaffee über deutsche Ladentheken. Damit schaffen es deutsche Kaffeetrinker im internationalen Vergleich auf Platz drei hinter Brasilien und den USA. Grund genug für die Redaktion von brandeins Wissen, das Magazin "Kaffee in Zahlen" herauszugeben. Demnach gibt es verschiedene Kaffeetypen, wie beispielsweise den...

Puristen

Der Purist legt wenig wert auf die Kaffeemaschine an sich - oft hat er nicht einmal ein elektrisches Gerät sondern brüht per Hand. Er ist etwas älter und trinkt seinen Kaffee gern schwarz. Einmal am Tag Kaffee genügt dem Puristen. Er trinkt ihn meist morgens oder im Lauf des Vormittags. 16 Prozent der Deutschen gehören zu dieser Kategorie.

Pragmatiker

Der Pragmatiker

17 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland gehören zu den Pragmatikern: Ihnen hilft Kaffee vor allem dabei, morgens schnell wach zu werden. Abends trinken sie daher kaum Kaffee. Die Pragmatiker werden als mittelalt und eher weniger zufrieden mit ihrer Lebenssituation beschrieben.

Zucker und Milch

33 Prozent der Pragmatiker trinken ihren Kaffee am liebsten mit Zucker und Milch, nur 27 Prozent bestehen auf schwarzem Kaffee. Bei 24 Prozent kommt der aus dem Espresso-Vollautomaten. Wer so ein modernes Gerät hat, nutzt es zwar entsprechend häufig, spät abends greifen nur noch 28 Prozent der Pragmatiker zur Kaffeetasse.

Die Anspruchsvollen

Die Anspruchsvollen

Für 19 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland ist Kaffee ein Genussmittel und dementsprechend viel erwarten sie von der Qualität. Die Anspruchsvollen greifen zu jeder Uhrzeit zum schwarzen Wachmacher, etwas mehr als ein Drittel trinkt ihn gern weiß und süß. Spätabends greifen immer noch 50 Prozent der Anspruchsvollen zu Kaffee und 14 Prozent haben zuhause vier oder mehr verschiedene Versionen.

Vollautomaten

Die Anspruchsvollen sind auch die Gruppe, in der die meisten Menschen einen Kaffee-Vollautomaten besitzen. 24 Prozent haben ein solches Gerät statt herkömmlicher Kaffee- oder Padmaschinen. 86 Prozent gaben an, ihren Kaffeewunderautomaten regelmäßig zu benutzen.

Schlemmer

Schlemmer

17 Prozent der Kaffeetrinker mögen es weiß und süß, sie bevorzugen die Milchschaumvarianten wie Latte macchiato und Cappuccino gegenüber klassischem Filterkaffee. Diese sogenannten Schlemmer sind in der Regel junge Frauen. Viele von ihnen haben zuhause eine Pad- oder Kapselkaffeemaschine. 46 Prozent von ihnen schlürfen auch spät abends noch gern einen Milchkaffee.

Variationen

Kaffeevariationen mögen übrigens alle Gruppen gerne: Sowohl Cappuccino und Latte macchiato als auch Eiskaffees und süße Milchkaffees sind überall beliebt. Außer bei der Gruppe der Puristen und der Klassiker trinkt mehr als ein Drittel der unterschiedlichen Kaffeetypen gerne süß und mit Milch.

Klassiker

Klassiker

19 Prozent der Konsumenten gehören zu den Klassikern. Das heißt, sie wollen gute, qualitativ hochwertige Kaffeemaschinen und Kaffees. Variationen mit Macadamia-Aroma und Sojamilchschaum sind dagegen nichts für sie. Zu dieser Gruppe gehören viele ältere Menschen, die eher in kleineren Ortschaften als in den Metropolen leben. Kaffee trinken sie zu jeder Tageszeit, bevorzugt Filterkaffee.

Die Genügsamen

Die Genügsamen

Rund 12 Prozent der Kaffeetrinker zählen zur Gruppe der Genügsamen. Sie achten mehr auf den Preis als auf die Qualität, sie trinken aber auch deutlich weniger als die anderen Gruppen. Außer Haus trinken sie eher selten Kaffee. Zu den Genügsamen gehören überwiegend junge Männer.

1993 verkaufte Bialetti an Rondine Italia, ein Unternehmen, das Aluminiumtöpfe herstellt. „Renato Bialetti war einer der ersten, der an die Kraft des Marketings glaubte und die Moka zu einer Ikone auf der ganzen Welt machte“, sagte Francesco Ranzoni, Besitzer von Rondine Italia. Seit 2007 ist Bialetti an der Börse.

Das Prinzip der Moka ist kinderleicht: in den unteren Teil der Maschine kommt Wasser, darauf ein Metallfilter mit Kaffee, den die Italiener mit dem Löffel festdrücken, damit der Espresso stark wird, dann wird die Maschine zugeschraubt und kommt auf den Herd. Das Wasser kocht, steigt hoch, erreicht durch den Kaffee und oben heraus fließt der Espresso mit „schiuma“, viel Schaum.

„Die Moka ist ein Ritual“, sagt Bialettis Sohn Alfonso junior, der nicht im Unternehmen ist, „es gibt doch nichts Schöneres als morgens die "Moka" zu füllen und auf den Kaffeeduft zu warten.“ Eine Konzession an die modernen Zeiten macht das Unternehmen allerdings schon, auch wenn der Absatz nie eingebrochen ist und heute vor allem die kleinen, bunten Maschinen gut gehen. Seit 2006 gehören auch elektrische Espressomaschinen zum Portfolio und seit 2010 gibt es sogar Kapseln. Eins ist jedoch geblieben: Auch da ist der „Mann mit dem Schnurrbart“ drauf.

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