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25.01.2012

15:23 Uhr

Kampf um Fachkräfte

Es wird Zeit für neue Job-Modelle!

VonSilke Kersting

Für Deutschlands Unternehmen ist es eine riesige Herausforderung: Die Gesellschaft altert, die Zahl der qualifizierten Arbeitnehmer schrumpft. In den Personalabteilungen wird intensiv über neuen Ideen gebrütet.

In deutschen Unternehmen wird an neuen Arbeitsmodellen für qualifizierte Arbeitskräfte gearbeitet.

In deutschen Unternehmen wird an neuen Arbeitsmodellen für qualifizierte Arbeitskräfte gearbeitet.

FrankfurtDer zunehmende Wettbewerb um Talente fördert in den Unternehmen die Einführung innovativer Arbeitszeitmodelle. Die Telekom etwa will verstärkt individuelle Angebote für zeitlich befristete Auszeiten vom Job schaffen, ohne dass das Gehalt in dieser Zeit auf Null sinkt. „Wir befinden uns mitten in einem Wandel der Arbeitskultur“, sagt Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger. Das Unternehmen will das neue Gesetz zur Familienpflegezeit als Modell auf andere Lebensbereiche erweitern – sei es für Sabbaticals, soziales Engagement, Familie sowie Weiterbildung und Studium.

Das Gesetz zur Familienpflegezeit war erst am 1.1.2012 in Kraft getreten, um Beruf und Pflege besser miteinander vereinbaren zu können: Beschäftigte können ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden reduzieren. Ihr Gehalt dagegen sinkt nur auf 75 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Sobald sie wieder voll arbeiten, bleibt ihr Gehalt bei 75 Prozent, bis der Vorschuss nachgearbeitet worden ist.

Die Familienpflegezeit ist allerdings eine freiwillige Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und die Nachfrage ist bislang eher zurückhaltend. Die Telekom hat zwei konkrete Anfragen erhalten. Allerdings: „So ein Thema fräst sich langsam in die Unternehmen ein“, ist Sattelberger überzeugt. Es entwickele sich zwangsläufig, sobald es sich im Unternehmen herumspreche. Aufgrund des Alterungsprozesses der Gesellschaft sei klar: „Das Thema wird kommen.“

Tipps für die richtige Work-Life-Balance

Hören Sie auf Ihren Biorhythmus!

Nicht jeder arbeitet zu jeder Zeit gleich effektiv. Manche haben Ihre Hochphase zwischen 7 und 10 Uhr, andere haben erst nach dem Mittagessen Ihr Leistungshoch. Versuchen Sie, im Rahmen der Möglichkeiten, auf Ihren persönlichen Rhythmus zu achten und planen Sie so Ihren Tagesablauf. Legen Sie beispielsweise wichtige Termine in Ihre persönlichen Leistungsphasen.

Gönnen Sie sich Pausen!

Egal, ob Sie körperlich oder geistig arbeiten: Die Leistung des Körpers lässt nach ca. 1,5 Stunden nach. Ein Mehr an Arbeit bedeutet in diesem Zustand nicht ein Mehr an Leistung und Effizienz. Gönnen Sie sich regelmäßige Pausen. Machen Sie z. B. vor oder nach dem Mittagessen einen kurzen Spaziergang und tanken Sie zwischendurch immer wieder frische Luft. Das füllt Ihre Kraftreserven auf.

Permanente Erreichbarkeit vermeiden!

Sie müssen rund um die Uhr per Handy erreichbar sein oder jeden Tag alle E-Mails lesen und beantworten? Diese Regeln erlegt man sich meist selbst auf – es geht aber auch anders. Schalten Sie öfter mal am Feierabend oder am Wochenende Ihr Handy aus. Sortieren und beantworten Sie Ihre E-Mails nach Wichtigkeit. Manche Antworten können schon mal ein bisschen warten.

Delegieren Sie Aufgaben weiter!

Wollen Sie am liebsten immer alles selbst machen? Lernen Sie, richtig zu delegieren. Sie gewinnen damit Zeit und können sich um wichtige Aufgaben und Projekte kümmern. Außerdem steigern Sie die Motivation und Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter, wenn Sie sie gemäß Ihren Fähigkeiten und Potenzialen einsetzen und Verantwortung abgeben.

Achten Sie Ihre Grenzen und lernen Sie, Nein zu sagen!

Jeder hat seine eigenen Grenzen der Belastbarkeit. Nein zu sagen oder eine Aufgabe abzugeben, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern zeigt die Fähigkeit, sich und seine Ressourcen richtig einschätzen zu können.

Regelmäßige Bewegung!

Bewegung ist eines der wirksamsten Mittel, um das Gleichgewicht zwischen Körper und Seele zu halten. Sie müssen dabei kein Leistungssportler werden: Schon dreimal wöchentlich eine halbe Stunde Bewegung oder moderater Sport wie Walking, oder Fahrradfahren helfen Ihnen, den nötigen Abstand zu den Alltagsproblemen zu bekommen. Integrieren Sie Bewegung in Ihren Arbeitsalltag: Nutzen Sie z. B. Treppen statt Aufzüge oder schauen Sie persönlich beim Kollegen im nächsten Büro vorbei, statt den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

Sorgen Sie für Entspannung!

Wenn es Ihnen schwer fällt, den Arbeitsalltag loszulassen, dann können Entspannungstechniken Sie unterstützen, besser zur Ruhe zu kommen und abzuschalten. Versuchen Sie es z. B. mit autogenem Training, progressiver Muskelentspannung, Tai Chi oder Yoga.

Ernähren Sie sich gesund!

Wer sich gesund ernährt, kann sich besser konzentrieren und ist leistungsfähiger. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend frischem Gemüse und Obst. Nehmen Sie Ihre Mahlzeiten ohne Hektik und Stress ein. Das gilt nicht nur für die Mahlzeit in Ihrer Mittagspause, sondern auch für Frühstück und Abendessen.

Vereinbaren Sie Termine mit sich selbst!

Im beruflichen Alltag sind wir es gewohnt, unsere Zeit zu terminieren. Wenn Sie das Gefühl haben, immer wieder Abstriche bei der Freizeit zu machen, dann vereinbaren Sie Termine mit sich selbst für Aktivitäten oder Ihre Hobbys, die Ihnen Spaß machen. Planen Sie sich diese Termine fest ein, bis Sie diese gewohnheitsmäßig in Ihren Alltag integriert haben. Bei losen Vereinbarungen besteht immer die Gefahr, dass Sie anderen „wichtigeren“ Prioritäten zum Opfer fallen.

Warten Sie nicht bis zum Zusammenbruch!

Es ist kein Zeichen von Stärke, so lange zu arbeiten, bis Sie umfallen. Sprechen Sie Ihren Vorgesetzten lieber an, wenn die Grenzen erreicht sind und Sie merken, dass die Überlastung zum Normalzustand wird. Denken Sie nicht erst über Work-Life-Balance nach, wenn der Zusammenbruch schon vor der Tür steht. Nehmen Sie Warnsignale wie Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Schmerzen ernst und reagieren Sie schon bei ersten Anzeichen von Überbelastung. Sagen Sie die weniger wichtigen Termine ab und verbringen Sie wieder einen Nachmittag mit Ihren Liebsten – so tanken Sie wieder auf.

Quelle: Haufe Akademie

Zu den ersten Unternehmen, die die Familienpflegezeit anbieten, gehören neben der Telekom unter anderen auch die Deutsche Post, Airbus Deutschland, Lanxess und die die Georgsmarienhütte. Nach Angaben von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), die am Montag in Berlin die Geschäftsführer beziehungsweise Vorstände der Unternehmen empfing, können in Deutschland insgesamt rund 300 000 Beschäftigte die neue Familienpflegezeit nutzen. Kleinere oder mittlere Unternehmen scheinen dagegen skeptisch zu sein. Sie fürchteten den mit der Familienpflegezeit verbundenen bürokratischen Aufwand, meint Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

25.01.2012, 18:08 Uhr

Das Einzige Jobmodell in Deutschland sind Sklavenhändler. Andere Angebote gibt es z.B. im Ingenieurbereich kaum. Der Stellenanteil dieser Blutsauger macht weit über 50% aus.

Zur Fackkräftelüge:
"http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.363656.de"

Der Beitrag wurde auf Intervention bekannter Kreise mehrfach geändert, Aus "Fachkräftemangel nur eine FataMorgana" wurde erst kurz und "mittelfristig kein Fachkräftemangel" und dann später "kurzfristig kein Fachkräftemangel"

Dennoch erläutert der Artikel des DIW, dass Fachkräftemangel in Deutschland nicht in Sicht ist, im Gegenteil: Die Löhne sinken, es ist eher ein Überhang zu verzeichnen.

Die ganze Propaganda dient nur dem Lohndumping!

Nirgendwer.

25.01.2012, 20:06 Uhr

Schade, dass die Arbeitnehmerseite nicht auch so eine starke Lobby hat. Wenn die Journalisten mal richtig recherchieren würden, dann wäre die Mär vom Fachkräftemangel ganz schnell vorbei. Aber es ist ja einfacher, sich auf das fertig aufbereitete Arbeitgeber- (=Geldnehmer-) Geschwätz zu verlassen.

Bei mir (Dipl.-Ing., Dipl.-Wirtsch.-Ing., arbeitssuchend) hat jedenfalls noch keiner angerufen und mir ein Angebot gemacht, weder ein unattraktives, und ein attraktives erst recht nicht. Kann also wirklich nicht weit her sein mit dem Fachkräftemangel ...

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