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19.11.2013

09:13 Uhr

Kampf um Frauen

Jetzt bringen sich die Headhunter in Stellung

Aufsichtsrätin gesucht: Um die geplante Frauenquote zu erreichen, brauchen einige Großkonzerne in ihrem Kontrollgremium noch mehr weibliche Namen. Headhunter machen sich jetzt verstärkt auf die Suche.

Um die geplante Frauenquote zu erreichen, brauchen einige Großkonzerne in ihrem Kontrollgremium mehr weibliche Namen. Headhunter machen sich jetzt verstärkt auf die Suche. dpa

Um die geplante Frauenquote zu erreichen, brauchen einige Großkonzerne in ihrem Kontrollgremium mehr weibliche Namen. Headhunter machen sich jetzt verstärkt auf die Suche.

Stuttgart, DüsseldorfWanted: Quoten-Frau für Dax-Aufsichtsrat. Besonderer Hinweis: eilt. Um mit hohen Frauenquoten punkten zu können, suchen viele deutsche Großkonzerne gezielt nach weiblichen Führungskräften. Mit der geplanten Frauenquote in Aufsichtsräten steigt der Druck nun aber nicht nur für Unternehmen. Liefern müssen jetzt auch die Headhunter.

„Wir müssen uns auch daran messen lassen, dass wir die qualitativ richtigen Köpfe finden“, sagt Thomas Hainke-Hentschel, Partner beim Beratungsunternehmen Boyden, das sich auf die direkte Ansprache potenzieller Mitarbeiter spezialisiert hat. „Es ist schon ein größerer Aufwand beim Suchen.“

Länder mit den meisten Frauen in Führungsetagen

Portugal

Das Schlusslicht ist Portugal. Hier gibt es nur 4,7 Prozent Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Anteil bei Neubesetzungen liegt bei 22,2 Prozent.

Österreich

Eine ganz niedrige Frauenquote hat Österreich: 8 Prozent. Der Frauenanteil bei Neubesetzungen beträgt 12,5 Prozent.

Spanien

11,8 Prozent beträgt der Frauenanteil in Spanischen Top-Etagen. Bei Neubesetzungen wurden in 22,7 Prozent Frauen berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Deutschland

Deutschland befindet sich schon in der unteren Hälfte der Tabelle. Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten: 12,8 Prozent. Frauenanteil bei Neubesetzungen: 40,7 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Europa gesamt

Insgesamt beträgt der Frauenanteil in Europa 15,6 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten. Der Frauenanteil bei Neubesetzungen liegt bei 30,8 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Dänemark

In Dänemark liegt der Frauenanteil bei 17 Prozent unter den Vorständen und Aufsichtsräten. Dafür geben die Skandinavier bei Neueinstellungen Gas: Hier wurden in 50 Prozent Frauen eingestellt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Großbritanien

In England arbeiten 18,2 Prozent Frauen als Vorstand und Aufsichtsrat. Bei Neubesetzungen liegt der Frauenanteil bei 31,6 Prozent. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Frankreich

In den Führungsetagen der Franzosen liegt der Anteil der Frauen bei 20,5 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 52,7 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Finnland

Bei den Finnen beträgt der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten 27,1 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 23,1 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ).

Norwegen

Der Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten beträgt in Norwegen 36,4 Prozent. Bei Neubesetzungen (von Mai 2011 bis Mai 2012) wurden Frauen zu 21,4 Prozent berücksichtigt. (Quelle: Egon Zehnder & FAZ)

Und die Zeit eilt: Nach den Plänen von Union und SPD sollen in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen, die ab 2016 neu besetzt werden, mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein.

„Es entsteht für Personal- und Beratungsunternehmen mehr Druck, Frauen zu präsentieren“, sagt die Vizepräsidentin des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU), Regina Ruppert. Allerdings hätten Berater bereits in der Vergangenheit durchaus Frauen vorgeschlagen - häufig seien die von den Unternehmen aber schlicht nicht genommen worden. „Das ist eine sehr gute Chance für Personalberater, jetzt Frauen in die deutsche Wirtschaft zu bringen.“

Zwar steigt der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten deutscher Topkonzerne. Zuletzt lag er Studien zufolge aber noch bei rund einem Fünftel. Der Vorsitz des Gremiums ist ohnehin mehrheitlich in Männerhand.

Nach Ansicht von Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin des Maschinenbau-Weltmarktunternehmens Trumpf, müssen qualifizierte Frauen jetzt mit einem regelrechten Ansturm rechnen. „Bei denen, die heute schon in den Räten sind, werden in den nächsten Wochen die Telefone der Personalberater klingeln.“, sagte die Top-Managerin der „Leipziger Volkszeitung.“

Sie selbst hält die Quote „für überflüssig, da sie nicht viel für die betriebliche Realität bewirkt“. Die Trumpf-Chefin verwies darauf, dass es gerade im Bereich des Maschinebaus nicht genügend qualifizierte Frauen gebe. „Für die Aufsichtsräte werden sich schon Frauen finden - es gibt ja eine Reihe guter Frauen in Unternehmen, in der Wissenschaft, in Unternehmensberatungen. Das löst aber nicht das Problem, dass gerade Industrieunternehmen zu wenig Frauen und speziell Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen für die Führungspositionen auf unteren Ebenen haben.“

Kommentare (12)

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cologne237

19.11.2013, 09:31 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

nunja

19.11.2013, 09:33 Uhr

Ein Headhunter, der nicht nach Qualifikation validiert, verdient seine Beurfsbezeichnung eigentlich nicht.
Und ein Headhunter, der sich erst jetzt um qualifizierte Frauen kümmert nunmal schon gleich ganz und garnicht.

Macho

19.11.2013, 09:35 Uhr

Deutschland hat echt Probleme!
Hilfe!

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