Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.01.2008

13:00 Uhr

Kampf um Züblin

Lenz legt Strabag Steine in den Weg

VonMartin Buchenau

Strabag-Chef Haselsteiner ordnet sein Deutschlandgeschäft über die Unternehmensgrenzen der Kölner Strabag-Tochter und der Stuttgarter Züblin hinweg neu. Aus Sicht von Eberhard Lenz, dem Sprecher der Familie, geht das zulasten von Züblin. Er führt deshalb den Kampf um Züblin vor Gericht. Bislang mit wenig Erfolg – aber sehr beharrlich.

STUTTGART. Wenn Eberhard Lenz früher den Namen Ignaz Walter hörte, presste er die Lippen zusammen, um nicht ausfällig zu werden. Walter hatte die Mehrheit an Züblin übernommen, seinen Vater aus dem Unternehmen gedrängt und die Eigentümerfamilie damit nicht glücklicher gemacht.

Aber die Familie Lenz hielt an Züblin fest. Noch heute besitzen der 50-jährige Eberhard, dessen fünf Jahre jüngerer Bruder Tankred sowie Mutter Ruth-Ilse 43 Prozent der Anteile am Stuttgarter Baukonzern, der mit 11 000 Beschäftigten rund 2,6 Milliarden Euro Umsatz erreicht.

Walters Baukonzern ging Anfang 2005 in die Knie. Das verschaffte den Lenzens eine gewisse Genugtuung, verbesserte aber nicht die Position der Familie im Kampf um Züblin. Denn der österreichische Baukonzern Strabag übernahm die Mehrheit. Und heute ruft Strabag -Chef Hans-Peter Haselsteiner bei Eberhard Lenz ähnliche Gefühle hervor wie früher Ignaz Walter.

Nun läutet die angekündigte Kapitalerhöhung um 150 Millionen Euro bei Züblin die nächste Runde des Streits ein. Offiziell braucht Züblin das Geld für den Aufbau des Osteuropageschäfts. Aber Eberhard Lenz sieht darin lediglich einen nächsten Versuch, die Familie weiter aus dem Unternehmen zu drängen. Offiziell gibt der gelernte Bauingenieur, der von Stuttgart aus Immobilienprojekte entwickelt, keinen Kommentar.

Doch im Umfeld der Familie heißt es: "Wer wirklich und ernsthaft eine Kapitalerhöhung für sinnvoll hält, bespricht dies bei einer Gesellschaft mit drei Aktionären zunächst intern. Doch diese Ernsthaftigkeit fehlt der Strabag." Der Kapitalbedarf könne zudem die Kreditwürdigkeit der Gesellschaft erheblich schädigen. Demnach wird die Familie wohl bei der Hauptversammlung, die in der ersten Jahreshälfte stattfinden soll, gegen die Kapitalerhöhung stimmen.

Ob Eberhard Lenz damit dem Unternehmen nutzen wird, ist dahingestellt. Die Familie jedenfalls fühlt sich nach eigenen Angaben Züblin tief verbunden. Vor über 70 Jahren übernahmen die leitenden Angestellten das Züblin -Kapital, darunter auch Großvater Ludwig Lenz.

Haselsteiner wirft indes der Familie vor, sie wolle nur den Preis für ihre Beteiligung nach oben treiben. "Wir wollen nicht verkaufen; wir wollen Züblin als eigenständiges Unternehmen erhalten", sagte Lenz vor knapp einem Jahr dem Handelsblatt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×