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21.01.2008

07:00 Uhr

Karl Diehl ist tot

„Man kann nur mit Optimismus führen"

VonMarkus Fasse

Der Nürnberger Unternehmer Karl Diehl ist am Samstag im Alter von 100 Jahren gestorben. Mehr als 70 Jahre lang führte er die Diehl-Gruppe, die zu den größten deutschen Rüstungsproduzenten zählt. Karl Diehl war einer der erfolgreichsten, zeitweise aber auch der umstrittensten deutschen Unternehmer – wegen seiner Rolle während der Nazi-Zeit. Er setzte damals jüdische Zwangsarbeiter für die Produktion von Granaten und Patronen ein.

Der Seniorchef des Industriekonzerns Diehl, Karl Diehl, ist tot. Das Archivfoto stammt vom 25.10.2007. Foto: dpa dpa

Der Seniorchef des Industriekonzerns Diehl, Karl Diehl, ist tot. Das Archivfoto stammt vom 25.10.2007. Foto: dpa

MÜNCHEN. Karl Diehl, Sohn des Firmengründers Heinrich Diehl, trat im Alter von 23 Jahren in das Unternehmen ein. Schon für die kaiserliche Armee war der Betrieb ein wichtiger Munitionshersteller. Später belieferte er die Wehrmacht.

Nach dem Krieg baute Karl Diehl sein Unternehmen wieder auf. Statt Munition stellten die Mitarbeiter zunächst aus Wehrmachtshelmen Kochtöpfe und Haushaltssiebe her. Später spezialisierte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Kupfer- und Messingteilen, die Produktion von Zeitschaltuhren für Herde und Heizungen kam hinzu. „Ein Unternehmen kann nur mit Optimismus geführt werden“, sagte Karl Diehl einmal. Dieser Optimismus zahlte sich aus: Rasch ging es für Diehl bergauf.

Eine besondere Nähe verband Diehl mit dem bayerischen Übervater Franz Josef Strauß. Dieser brachte Diehl Ende der 50er-Jahre zurück in das Rüstungsgeschäft und machte die Nürnberger zu einem der wichtigsten Lieferanten der Bundeswehr. Diehl und Strauss förderten auch den Aufbau eines europäischen Flugzeugprojektes, noch heute ist das Nürnberger Unternehmen ein wichtiger Zulieferer von Airbus.

Einige Jahre vor dem Aufbau eines offiziellen deutschen Fonds entschloss sich Karl Diehl zur Gründung einer Stiftung, um Zwangsarbeiter zu entschädigen. Die von Luftangriffen schwer zerstörte Nürnberger Innenstadt wurde mit etlichen Millionen der Familie Diehl wieder aufgebaut.

Heute hat das Familienunternehmen Diehl weltweit 11 000 Mitarbeiter und setzt 2,2 Milliarden Euro um. Aufsichtsratschef ist Karls Diehls Sohn Werner, das operative Geschäft führt Werners Bruder Thomas Diehl.

Mit einem Drittel vom Umsatz bleibt das Rüstungsgeschäft begrenzt, so wie Karl Diehl immer gewollt hat. Dennoch ist das Unternehmen einer der bedeutendsten Lieferanten von Großkalibermunition und Lenkwaffen innerhalb der Nato.

Das Geschäft mit ziviler Luftfahrt hat Diehl mit dem Thales-Konzern zusammengeführt. Diehl hat gute Aussichten, das Airbus-Werk in Laupheim zu übernehmen, das zum Verkauf steht. Damit würde Diehl seine Position unter den führenden Anbietern für Kabinentechnik festigen.

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