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10.01.2007

12:16 Uhr

Karl-Heinz Grasser

Abtritt eines Jetsetters

VonOliver Stock

Drei Kinder und mehrere Hunde sind ja auch eine schöne Aufgabe. Bis zum gestrigen Dienstag war Karl-Heinz Grasser österreichischer Finanzminister. Dem privaten Familienidyll mit seiner Frau, der Tiroler Kristall-Dynastie-Erbin Fiona Svarowski, will er sich jetzt ganz und gar widmen – zunächst.

Karl-Heinz Grasser und seine Frau Fiona Swarovski auf einem Wohltätigkeitsball in Wien im März 2006. Foto: ap

Karl-Heinz Grasser und seine Frau Fiona Swarovski auf einem Wohltätigkeitsball in Wien im März 2006. Foto: ap

HB WIEN. Wie lange? Das ließ er, den auf den Amtsfluren des Ministeriums alle kurz „KHG“ nennen, bislang offen. „Ich habe immer gesagt, ich möchte nicht Berufspolitiker werden – sieben Jahre sind genug“, sagte Grasser und fügte hinzu: Nach einer Auszeit werde er in die Wirtschaft zurückkehren.

Die Entscheidung des 38-Jährigen, der beispielsweise im Brüsseler Rat der Finanzminister als „Feschester“ in der Zunft der Geldzähler gilt, hat in Wien am gestrigen Dienstag bei den einen Erleichterungsrufe, bei den anderen beinahe Tränen der Trauer ausgelöst. Kein Regierungspolitiker hat die Alpenrepublik stärker polarisiert als Grasser. Niemand hat mehr an den Nerven der Kollegen gesägt und ihre heimliche Bewunderung genossen, als der „Heppi-Peppi-Medien-Star“, wie Grasser noch einmal von einem Zuschauer der Abschiedsszene tituliert wurde.

Immer dann, wenn der Minister, der in seinem Dienst-Audi gern zur gut gekühlten Red-Bull-Dose griff, häufiger in den Klatschspalten auftauchte als in den politischen Rubriken der seriösen Zeitungen, wurden die Mienen im Kanzleramt am Ballhausplatz zwar etwas angespannter. Aber auch dem bisherigen Regierungschef Wolfgang Schüssel, selber alles andere als ein Showtalent, war klar, dass seine Mannschaft durchaus einen vertragen und sogar brauchen kann, der ein wenig Glamour übers dröge Regierungshandwerk verbreitet. Außerdem war Grasser mit Fiona am Strand in Badehose adretter anzusehen, als beispielsweise ein Rudolf Scharping beim Plantschen mit der Freundin im Swimmingpool.

Dass Grasser dabei Grenzen übertreten hat – etwa, als er trotz Tsunami und vermisster Österreicher in aller Seelenruhe unweit des Katastrophengebiets Urlaub machte –, verzieh ihm der Regierungschef oft schneller als die Öffentlichkeit. Das hatte damit zu tun, dass der Minister, in dessen Vorzimmer die Werke Joseph Schumpeters unter einer Vitrine liegen, in seinem Fach erfolgreicher als andere agierte.

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