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01.12.2014

14:34 Uhr

Karl Otto Pöhl

Der einsame Mahner

Unermüdlich setzte er sich in den Wendejahren für die Annäherung von Ost und West ein, im Streit um die deutsche Währungsunion konnte Karl Otto Pöhl sich aber nicht durchsetzen. Der ehemalige Bundesbank-Chef wird 85.

Karl Otto Pöhl, bevor er das Amt als Präsident der Deutschen Bundesbank Mitte 1991 hinwarf. dpa

Karl Otto Pöhl, bevor er das Amt als Präsident der Deutschen Bundesbank Mitte 1991 hinwarf.

FrankfurtElf Jahre war er als Präsident der Deutschen Bundesbank einer der mächtigsten Männer Deutschlands – dann warf Karl Otto Pöhl hin. Aus Enttäuschung über die Politik entschied er sich 1991 zu diesem Schritt, vier Jahre vor Ende seiner Amtszeit. „Ich war frustriert über die Art der Wiedervereinigung. Die Notenbank darf kein Instrument der Politik sein“, sagte Pöhl später. Der „Spiegel“ schrieb seinerzeit, Pöhl habe „die Graupen dick und die Nase voll“.

Zu seinem 85. Geburtstag am 1. Dezember hält Pöhl an seiner grundsätzlichen Kritik fest: „Der Wechselkurs, zu dem die Ost-Mark gegen die West-Mark getauscht wurde, entsprach mit Sicherheit nicht den damaligen ökonomischen Realitäten“, sagte der Jubilar der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. Ein realistischer Wechselkurs sei aber nicht durchsetzbar gewesen: „Die Bundesbank musste seinerzeit die „politische“ Entscheidung respektieren.“

Der damals oberste Währungshüter Deutschlands musste bei einer der wichtigsten geldpolitischen Operationen in der deutschen Geschichte, der deutsch-deutschen Währungsunion 1990, klein beigeben – obwohl er als Bundesbankchef (1.1.1980 bis 31.7.1991) als unbestrittene Führungsfigur unter den Notenbankchefs der westlichen Welt galt.

Wie ein einsamer Rufer in der Wüste warnte Pöhl seinerzeit vor einer überhasteten Wiedervereinigung. Als Notenbankchef sagte er der DDR „katastrophale Zustände“ nach der Währungsunion voraus und warnte vor den Lasten der Einheit. Unermüdlich setzte sich Pöhl in den Wendejahren 1989/1990 für eine schrittweise wirtschaftliche Annäherung beider Staaten ein, doch seine Kritik verhallte.

„Ich habe eine Steuererhöhung gefordert, aber Bundesfinanzminister Theo Waigel hat mich dafür beschimpft“, erinnerte sich der einst mächtigste Geldpolitiker des Landes kurz vor seinem 75. Geburtstag 2004. „Später wurde der Solidaritätszuschlag eingeführt.“

Der Diplom-Volkswirt hatte davor gewarnt, „die Wiedervereinigung mit der Notenpresse zu finanzieren“. Seine Empfehlung für einen Umtauschkurs von 2:1 zwischen DDR-Geld und harter D-Mark sowie einer Sonderwirtschaftszone Ost ignorierte die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

Später bezeichnete Pöhl die innerdeutsche Währungsunion als „drastische Illustration“ dafür, welche Fehler auf dem Weg zur Europäischen Währungsunion vermieden werden sollten. Rückblickend zeigte Pöhl jedoch Verständnis für die Entscheidungen der Politik. Die Demonstranten auf den Straßen in Ostdeutschland hätten die D-Mark unbedingt gewollt: „Es war wie eine Lawine, die niemand stoppen konnte und wollte.“

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