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06.01.2011

12:18 Uhr

Karosserieschmiede vor Verkauf

Der letzte Pininfarina

VonKatharina Kort

Paolo Pininfarina wird aller Voraussicht nach der letzte Spross der Turiner Familie sein, der die gleichnamige Traditions-Karosserieschmiede führt. Der Gründer-Enkel wird den italienischen Konzern, der einige der schönsten Ferraris entworfen hat, verkaufen - vielleicht nach China.

1959 Ferrari 250 GT LWB California Spyder: Die Karosserie des Edelautos stammt von Pininfarina. Reuters

1959 Ferrari 250 GT LWB California Spyder: Die Karosserie des Edelautos stammt von Pininfarina.

MAILAND. Sie hatte seinerzeit einige der schönsten Ferraris entworfen. Nun verdichten sich seit Tagen die Gerüchte über eine Offerte des chinesischen Autobauers Baic. Obwohl die Italiener offiziell mitteilten, dass ein Verkauf nicht unmittelbar bevorstehe, legte der Aktienkurs am MIttwoch zwischenzeitlich um mehr als 15 Prozent zu, nachdem er bereits am Montag und am Dienstag kräftig gestiegen war.

Der 52-jährige Paolo Pininfarina, der erst vor zweieinhalb Jahren an die Macht gekommen ist, war stets mehr Designer als Manager. Im August 2008 musste er nach dem Unfalltod seines älteren Bruders Andrea die Führung des Familienunternehmens übernehmen. Zuvor hatte der als kreativ und draufgängerisch geltende Mann die Pininfarina-Tochter für Produktdesign "Extra" unter anderem mit Küchenmöbeln zu Ruhm gebracht. Sein Team erhielt den renommierten Red Dot Design-Preis.

Doch als er bei Pininfarina 2008 an die Spitze rückte, ging es kaum noch um Design. Das Traditionshaus, das vergangenes Jahr sein 80. Jubiläum feierte, steckte tief in der Verlustzone und brauchte einen Sanierer. Schließlich hatten die Autokonzerne das Design immer stärker selbst übernommen und die Tatsache, dass Pininfarina auch in Kleinserie Autos selbst herstellte, wurde der Firma angesichts der hohen Investitionen zum Verhängnis. Das Elektroauto, das Paolo Pininfarina für Tata und den Franzosen Vincent Bolloré entworfen hatte, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Es wartet immer noch auf den Starttermin.

2009 hat Pininfarina einen Verlust von 30 Millionen Euro geschrieben. 2010 hat Pininfarina in den ersten neun Monaten knapp 34 Mio. Euro verloren. Schon 2009 wurde die Investmentbank Leonardo von der Eigentümerfamilie damit beauftragt, einen Käufer zu finden. Im November galt Magna als möglicher Käufer.

Nun sind die Chinesen an der Reihe. Mit dem Verkauf ginge eine Ära zu Ende: Die 1930 von Battista Farina gegründete Karosserieschmiede hat italienische Automobilgeschichte geschrieben und neben Ferraris auch schon die Karosserien von Alfa Romeo, Fiat, Ford, Jaguar, Lancia, Maserati und Peugeot gestaltet. Als letzter selbstständiger Karosseriebauer wäre dann nur noch Bertone übrig.

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