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13.10.2014

16:09 Uhr

Karriere

Das Leben nach dem Sport

VonClaudia Obmann

Viele Spitzensportler haben nach ihrer aktiven Wettkampfzeit Probleme, einen Job zu finden. Eine zweite Karriere etwa beim Fernsehen ist eher die Ausnahme. Eine spezielle Praktikantenbörse soll helfen.

Zweite Karriere nach großen Sporterfolgen: Die dreifache Winter-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch wurde gerade von der ARD als neue Expertin verpflichtet. ap

Zweite Karriere nach großen Sporterfolgen: Die dreifache Winter-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch wurde gerade von der ARD als neue Expertin verpflichtet.

DüsseldorfMit einer Weltmeisterin ein Büro zu teilen oder mit einem Olympiasieger gemeinsam in der Firmenkantine zu essen - das kann in etlichen deutschen Unternehmen schon bald Wirklichkeit werden. Um Topathleten den Berufseinstieg nach ihrer sportlichen Karriere zu erleichtern, hat die Deutsche Sporthilfe zusammen mit der Deutschen Bank und der Deutschen Unternehmerbörse (DUB) eine spezielle Praktikantenbörse eingerichtet. Auf www.dub.de präsentieren sich junge Athleten mit ihrem Praktikumswunsch, also auf welchem Fachgebiet der Schnupperkurs stattfinden, wie lang er dauern und wo er idealerweise stattfinden sollte.

Außerdem schildern sie ihre bisherigen Erfahrungen und Qualifikationen. Arbeitgeber können interessanten Kandidaten dann eine passende Stelle anbieten. „So können selbst kleinste Mittelständler mit Spitzensportlern kooperieren“, sagt DUB-Geschäftsführer Jens de Buhr. Von der 20-jährigen Eisschnellläuferin Beate Plendl bis zum Trampolinturner 18 Jahre alten Leon Zaunseder, sind bereits einige Goldmedaillen-Kandidaten mit ihren Profilen vertreten, wenn am Montag in Berlin bei Angela Merkel im Bundeskanzleramt der Startschuss für die neue Online-Vermittlung fällt.

Schon während ihrer aktiven Phase fragen sich viele junge Sportler, wie es später einmal beruflich weitergehen soll. 91 Prozent der A-Kader-Athleten fühlen sich nicht ausreichend auf das Leben nach dem Sport vorbereitet, ergab eine Studie der Deutschen Sporthilfe. Der ein oder andere schlägt sich zwar nach seinem letzten Sieg als TV-Kommentator durch wie die Skirennläuferin und dreifache Winter-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch, die gerade von der ARD als neue Expertin verpflichtet wurde.

Schon seltener gelingt es Medaillenträgern, sich als Vortragsredner wie der ehemalige Schwimmstar Michael Groß zu etablieren, der vor Managern auftritt und zu Themen wie Leistung und Motivation referiert. Für die meisten Athleten ist der Einstieg in den klassischen Beruf dagegen „ohne Hilfe oder eine Portion Glück nur selten zu meistern“, weiß Michael Ilgner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Sporthilfe und ehemaliger Wasserball-Nationalspieler.
Deshalb reagierte seine Stiftung vor einem Jahr mit der Initiative „Sprungbrett Zukunft – Sport & Karriere“. Mit Angeboten wie Kurzzeit-Praktika, Unterstützung im Bewerbungsprozess und einem Mentorenprogramm können Unternehmen die Sportler bei ihrer dualen Karriere unterstützen. Als neuer Baustein reiht sich nun die Praktikantenbörse ein.

Dass es für junge Athleten nicht so einfach ist, neben dem Training noch ein Praktikum von mehreren Wochen oder Monaten einzuschieben, weiß Andreas Kuffner bereits aus eigener Erfahrung. Dem Ruderer, der an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin studiert, fiel es zunächst sogar richtiggehend schwer, sich an das tägliche Arbeiten bei Autohersteller Daimler zu gewöhnen und seine Trainingszeiten zu kürzen.

Schließlich prasselten noch kurz zuvor große Eindrücke während der Olympischen Spiele 2012 auf ihn nieder: Er holte mit seiner Mannschaft in London Gold im Deutschland-Achter. Aber der 27-Jährige konnte auch viele Erfahrungen aus dem Sport im Job einsetzen: „Projekt- und Zeitmanagement, Teamarbeit, Arbeit in unterschiedlichen Projekten – alles Anforderungen, die wir ja schon als Leistungssportler und Studenten meistern.“
Bleibt zu hoffen, dass sich bald mehr Arbeitgeber entschließen, Spitzensportlern die Chance geben, als Kollege auf Zeit in der Disziplin Berufseinstieg zu punkten.

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