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26.02.2014

11:02 Uhr

Karriere

Liebe am Arbeitsplatz – Fluch oder Segen?

VonPatrick Schwarz

Mehr als jeder zweite Arbeitnehmer weltweit befürchtet, dass ein Verhältnis im Büro der Karriere schadet. Dabei können die Chefs meist nichts dagegen unternehmen – und mit kleinen Tipps hält die Beziehung auch.

Liebelei im Büro: Dem Arbeitgeber sind die Hände gebunden. Getty Images

Liebelei im Büro: Dem Arbeitgeber sind die Hände gebunden.

DüsseldorfVor 20 Jahren konnten sich Dietmar und Helene Grundmüller den Traum von der eigenen Schreinerei verwirklichen. Jede freie Minute stecken die Eheleute, deren Namen von der Redaktion geändert wurden, in den Handwerksbetrieb und am Ende läuft das Geschäft doch schlecht. Auch nach Feierabend drehen sich die Gespräche meist um den gemeinsamen Arbeitsplatz. Jeder für sich fühlt sich von dem Familiengeschäft eingeengt – die Ehe droht zu zerbrechen.

Nicht nur für die Grundmüllers ist die Liebe am Arbeitsplatz ein Problem. Eine aktuelle Umfrage des Karriereportals Monster kommt zu dem Ergebnis, dass über 58 Prozent der Arbeitnehmer weltweit eine Beziehung zu einem Kollegen ablehnen. Sie befürchten, dass die Karriere darunter leiden könnte.

Warum kennt trotzdem fast jeder ein Paar, bei dem es im Büro gefunkt hat? „Am Arbeitsplatz ist es möglich, jemanden richtig gut kennenzulernen“, erklärt Paartherapeut Joachim Braun. Schnell wisse man über die Stärken und Schwächen des Kollegen Bescheid und ob das zu einem selbst passt.

Welche Mitarbeiter geliebt und welche gehasst werden

Wer kommt ins Fadenkreuz?

Was müssen Sie tun, um auf die Abschussliste zu geraten? Welche Mitarbeiter sind Lieblingsopfer von Mobbing? Martin Wehrle identifiziert die verschiedenen Typen. Die Vorstellung in aller Kürze...

Der Besserwisser

Besserwisser haben zwei Fehler: Erstens sind sie anderer Meinung als der Chef. Und zweitens sagen sie das auch noch öffentlich. Sie kratzen an der Autorität des Chefs und brauchen sich nicht wundern, wenn dieser sie zum Abschluss freigibt.

Der Rivale

Wenn ein Mitarbeiter alles hat, was eine Führungsposition braucht und sich zur Opposition aufbauen, muss sich der Chef Gedanken machen. Erstrecht wenn sie natürliche Autorität, Ehrgeiz und Fachwissen mitbringen. Es kann oft nur einen geben - und der Chef sitzt am längeren Hebel.

Der Miesmacher

Wenn Mitarbeiter Pessimismus verbreiten und schlechte Laune und nur Probleme sehen, wo andere Herausforderungen vermuten - dann sind sie Miesmacher und ebenfalls im Visier des Chefs. Wer die Seifenblasen der Motivation zerbläst, muss mit Mobbing-Attacken rechnen.

Die Schlafmütze

Wer tief im Brunnen der Frustration festsitzt und in Sitzungen apathisch aufs Ende wartet - der zieht auch gern die Wut des Chefs auf sich. Die Schlafmütze zeichnet sich dadurch aus, dass sie bei anfallender Arbeit selten zuständig ist und mit den dicken Däumchen der Routine auf die Frühverrentung wartet.

Das Alpha-Tier

Gefördert werden vom Chef dagegen Mitarbeiter-Typen wie das Alpha-Tier: Er ist ein geborener Führer wie der Rivale, allerdings fordert er den Vorgesetzten nicht zum Kampf auf. So schafft er es, vom Chef als Stellvertreter akzeptiert zu werden - auch ohne offizielle Ernennung. Das Team akzeptiert ihn als Leitwolf.

Der Oberexperte

Der Oberexperte ist quasi der Staatssekretär des Chefs, der, der die fachlichen Mängel ausgleicht. Er bereitet die Entscheidungen im Hintergrund vor und stärkt nach außen den Rücken.

Die graue Eminenz

Manchmal gibt es Urgesteine in einer Anteilung, die allerdings immer noch hellwach dabei sind und voller Tatkraft stecken. Der "alte Hase" steht dabei nicht im Verdacht, ehrgeizig auf den Chefsessel zu schielen.

Der Vorzeigestar

Das Talent, der Vorzeigestar, dessen Heldentaten die gesamte Firma aufschauen lassen. Der Chef ist stolz auf sein bestes Pferd im Stall, zumindest wenn es keinen Grund zum Zweifel an der Treue gibt.

Der treue Paladin

Der verlängerte Arm des Chefs - vor allem für kleinere Aufgaben. Kein schlechtes Wort über den Chef kommt über seine Lippen, aber für höhere Aufgaben eignet er sich auch nicht.

Eine repräsentative Umfrage des Kaffeeherstellers Jacobs kommt zu dem Ergebnis, dass sich mehr als jeder zehnte Deutsche bei der Arbeit verliebt. Nur in der Disko oder durch den Freundeskreis finden mehr Menschen zueinander. Auch Dieter Zapf, Leiter der Abteilung Organisationspsychologie an der Universität Frankfurt, sieht das Büro als eine Art Partnerbörse: „Gerade wenn man neu in ein Unternehmen kommt, ergibt sich so etwas von ganz allein.“

In manchen Fällen profitieren Firmen von den Liebeleien, etwa wenn die Sekretärin in den Chef verliebt ist und deswegen Glanzleistungen abliefert. Oft ist das Verhältnis im Büro aber auch ein Problem. Denn die Nähe zum Partner kann von der eigentlichen Tätigkeit ablenken und den Mitarbeitern auf die Nerven gehen.

Das ist aber noch eher die romantische Variante. „Problematisch wird es besonders, wenn man durch die Beziehung zum Kollegen an Informationen gelangt, die man sonst nie bekommen hätte“, sagt Zapf. Deswegen würden in höhere Positionen, in denen Informationen sehr wertvoll sein können, nur selten Lebenspartner berufen.

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