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21.09.2012

17:00 Uhr

Karriere

Muss man zum Leittier geboren sein?

VonVerena Lugert, Xenia von Polier

Führen, verantworten, delegieren - wer aufsteigen will, muss Teams leiten können. Unzählige Seminare versprechen, Nachwuchskräften das dafür nötige Handwerkszeug beizubringen. Aber kann man „Chefsein“ wirklich lernen?

Wer beruflich aufsteigen will, muss früher oder später auch lernen, Mitarbeiter zu führen. dpa

Wer beruflich aufsteigen will, muss früher oder später auch lernen, Mitarbeiter zu führen.

DüsseldorfWie kommt man an Wasser, ohne dafür zu bezahlen? An Essen - ohne Geld? Ist es gefährlich, nachts im Freien zu schlafen? 48 Stunden lang waren das die wichtigsten Punkte auf der Agenda von Verena Fink, Geschäftsleiterin des Werbesenders QVC.

An normalen Arbeitstagen führt die 32-Jährige mit dem Titel "Direktorin Kundenfokus" in ihrem Unternehmen 1.700 Mitarbeiter. Sie verantwortet den Bereich Kundenzufriedenheit und muss sich dabei weder um das Buchen von Flügen noch um die Kaffeeversorgung bei Konferenzen kümmern. Jetzt hatte Fink nichts von alldem, was ihrem Leben sonst Struktur gibt: kein Smartphone, keinen Laptop, keine Businesskleidung, vor allem aber: kein Geld.

Rezension Boris Grundl: Die Zeit der Macher ist vorbei

Rezension Boris Grundl

Die Zeit der Macher ist vorbei

Sie hießen Schrempp, Hunold oder Wiedeking: Doch die Zeit der Macher ist vorbei. Der Bulldozer hat als Typ Chef ausgedient, sagt Top-Berater Boris Grundl in seinem neuen Buch. Was die Führungsfigur von heute ausmacht.

Zwei Tage lang war die Managerin vollkommen mittellos und musste zusehen, wie sie trotzdem an Wasser, Nahrung und einen Schlafplatz kam. Was klingt wie ein Überlebenstraining, war ein Führungskräfteseminar auf der spanischen Insel Formentera, bei dem es allein um Finks Grundbedürfnisse gehen sollte. Sie folgte ihren Instinkten, bat Touristen um Nahrung, suchte sich nachts im Gebüsch einen nicht einsehbaren Platz zum Schlafen.

"Wovor habe ich Angst? Mehr vor der Ungewissheit, Ziel- und Planlosigkeit, als vor konkreter Bedrohung, das habe ich damals festgestellt. Denn eigentlich bin ich ein strukturierter Mensch, der viel durchplant", sagt Fink. Auf der Insel erkannte sie aber auch: Ich überlebe, selbst wenn ich auf alles verzichten muss.

So treiben Sie Ihren Chef auf die Palme

Negativ-Argumente bei Gehaltsverhandlungen

Wer statt seines Gehalts den Blutdruck seines Chefs in die Höhe treiben will, der sollte folgende Negativargumente beherzigen. Alle anderen sollten lieber einen großen Bogen um solche und ähnliche Sätze bei der Gehaltsverhandlung machen.

„Die Raten für mein Häuschen drücken. Jetzt brauch ich mehr Geld!“

Ihr Chef ist kein Schuldenberater, also verschonen Sie ihn besser mit derart privaten Problemen. Außerdem bestätigt ein solches Eingeständnis, dass Sie nicht mit Geld umgehen können. Sie sind ein Risikofaktor für die Firma, die Gehaltserhöhung können Sie vergessen.

„Ich habe erfahren, was der Kollege Walter verdient. Jetzt will ich dasselbe!“

Sie wissen doch genau, dass Ihr Chef es nicht mag, wenn sich seine Angestellten hinter seinem Rücken gegenseitig zuflüstern, was sie verdienen. Er bezahlt nur nach Leistung, das ist sein Gerechtigkeitsbegriff.

„Ich habe zehnjähriges Dienstjubiläum. Höchste Zeit für eine Erhöhung!“

Die Forderung nach einem Sitzfleisch-Bonus wird bei Ihrem Chef auf taube Ohren stoßen.

„Sie haben die Wahl: Mehr Gehalt - oder ich bin weg!“

Mit dieser Art von Erpressung kommen Sie bei Ihrem Chef nicht weiter. Sogar wenn Sie ein guter Mitarbeiter sind und er Sie braucht, wird er nicht auf dieses Angebot eingehen, um sein Gesicht nicht zu verlieren. Er würde nie eingestehen, dass er von jemandem abhängig ist.

„Wo wir gerade in der Sauna sind: Eine dienstliche Frage...“

Ihr Chef wird die Vermischung von Privatem und Beruflichem nicht goutieren. Vielmehr wird er sich fragen, ob Sie sich nur bei ihm eingeschleimt haben, um Kapital daraus zu schlagen.

„Die Kollegen übertreffe ich bei weitem. Das sollte auch für mein Gehalt gelten!“

Ihr Chef wird sich fragen, warum Sie Ihre Kollegen schlecht machen. Er wird Sie auch für einen Sprücheklopfer und Spalter halten, dafür hat keiner eine Gehaltserhöhung bekommen.

„Entweder mehr Geld. Oder ich mache Dienst nach Vorschrift!“

Das klingt für Ihren Chef, als hätten Sie sich innerlich schon von Ihrem Arbeitsplatz verabschiedet. Dafür gibt es nicht mehr Geld, sondern höchstens eine Abmahnung.

„Ich könnte am Markt das Doppelte bekommen - oder sagen wir: ein Drittel mehr!“

Ihr Chef wird Ihnen Realitätsverlust attestieren und Ihnen unter keinen Umständen noch mehr Geld geben, sonst könnten Sie noch vollends abheben. Er wird sich fragen, ob Sie auch in Ihrem Büro-Alltag so leichtfertig mit Fakten umgehen. Sie hätten mit so einem Spruch sein Vertrauen verloren.

Warum das wichtig war? "Meine ureigene Persönlichkeit und individuelle Prägung beeinflussen die Art, wie ich Menschen führe. Deswegen habe ich diese bewusste Selbsterfahrung gesucht: Wenn ich mir meiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst bin, kann ich mich viel besser in meine Mitarbeiter einfühlen. Und dieses Einfühlen ist essenziell, um das Potenzial der Mitarbeiter zu entwickeln", sagt Fink.

Kommentare (16)

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ThomasBittner

21.09.2012, 17:55 Uhr

Überleben in Spanien - gar nicht so einfach in diesen Zeiten. Aber fußballspielen können sie gut, wenn auch nicht sonderlich attraktiv. Und Fußballmannschaften sind doch irgendwie wie Abteilungen oder kleine Unternehmen. Der Trainer/Chef muss zusehen, dass er den Haufen motiviert bekommt. Zum Beispiel so: http://www.organomics.de/aktuelles/128-blog062012fussballmitarbeiterfuehrung.html

Account gelöscht!

21.09.2012, 18:33 Uhr

Ausbilden klappt schon nicht bei Projektleitern. Da kommen Arbeitspaketbuchhalter heraus! Man kann zwar jede Leistung verbessern aber fehlt das Talent, bringt es nicht viel!

Wir müssen wieder lernen, mehr auf Talente zu achten. Es ist Wahnsinn zu glauben, jeder könne jeden Job lernen.

Hermosa

21.09.2012, 18:55 Uhr

Theorie und Wirklichkeit klaffen weit auseinander!

Jegliches Training nutzt wenig wenn nicht die passenden Persönlichkeiten für die jeweiligen Aufgaben von den richtigen Personen ausgewählt werden.

Hierzu muss vor allen Dingen das Personal von HR und deren Subabteilungen, wie Personalentwicklung, geschult werden.

Viel zu viele Talente kommen wegen Inkompetenz im HR Bereich nicht zum Einsatz!

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