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28.01.2016

06:30 Uhr

Karriere und Präsenz

Im Job zählen Resultate, nicht Sitzfleisch

VonCarina Kontio

Eine Studie bestätigt, dass es gar nicht wichtig ist, wie lange jemand im Büro sitzt. Am Ende muss nur das Ergebnis stimmen, das er abliefert. Die Herausforderung für Chefs: Wie führen, wenn keiner da ist?

Das alte „Management by walking around“ funktioniert nicht mehr, wenn die Mitarbeiter weit weg sind – Chefs aber trotzdem nach dran sein sollen. Getty Images

Das alte „Management by walking around“ funktioniert nicht mehr, wenn die Mitarbeiter weit weg sind – Chefs aber trotzdem nach dran sein sollen.

DüsseldorfMein Vorgesetzter hat es ja schon immer gesagt: „Ich bezahle dich nicht für deinen Arsch, sondern für deinen Kopf.“ Gut, nun arbeiten wir Journalisten ja in einer Branche, die im Allgemeinen etwas flexibler ist als so manch anderer Konzern, in dem die Mitarbeiter dem Diktat der Zeiterfassung unterliegen. Für die aber gibt es jetzt gute Nachrichten – den strikten Anhängern der physischen Präsenzpflicht könnte dieser Trend allerdings weh tun.

Denn: Vier Fünftel der Unternehmen verlagern ihren Fokus mehr auf die Ergebnisse im Job – und reine Präsenzzeiten werden unwichtiger. Es ist also zunehmend egal, wer im Büro zuletzt das Licht ausknipst. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Regus, einem Anbieter von Bürolösungen. Der Trend, so heißt es, geht hin zu ergebnisorientierter Leistungsbewertung. Das Home-Office und Telearbeit an selbstgewählten Orten wird damit immer mehr zur Regel. An der repräsentativen Studie nahmen insgesamt 44.000 Berufstätige aus mehr als 100 Ländern teil.

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Den Firmen scheint es also zu dämmern, dass man sich im Kampf um Fachkräfte ins Zeug legen muss, um auf den Radarschirm der jungen Leute zu kommen – und zu bleiben. Stichwort Generation Y (wir haben kürzlich darüber berichtet). So berichten in der Regus-Studie nun 65 Prozent der Befragten in Deutschland, dass Unternehmen in ihrer Branche flexible Arbeitsmodelle bewusst anbieten, um Fachkräfte anzuziehen und Anreize zu schaffen.

Neue Arbeitskonzepte stellen das Management auf der anderen Seite aber auch vor die komplizierte Aufgabe, Mitarbeiter zu führen, die nicht vor Ort anwesend sind. Darauf seien die wenigsten Chefs, schreiben die Experten von Regus, vorbereitet. Sie fordern, dass der Umgang mit Umgang mit Remote-Management-Systemen und -Prozessen geschult wird. Man spricht von der Führung virtueller Teams.

Immerhin 64 Prozent der befragten Teilnehmer betreuen in Deutschland einen Mitarbeiter oder gar ein ganzes Team, das flexibel arbeitet und nicht immer präsent ist. Aber nur 40 Prozent der befragten Unternehmen bieten hier spezielle Trainingsmöglichkeiten für diese Führungskonstellation an.

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