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07.01.2011

09:27 Uhr

Karstadt-Eigentümer

Nicolas Berggruen will Kalifornien retten

VonChristoph Schlautmann

Erst Anfang September 2010 bewahrte Nicolas Berggruen den Pleitekonzern Karstadt vor dem Untergang. Nun will der 49-jährige Deutschamerikaner den 38 Millionen Einwohnern Kaliforniens neue Hoffnung geben: Er will den US-Staat von seiner drückenden Schuldenlast befreien.

Berggruen: Sein Vermögen wird auf 2,2 Mrd. Dollar geschätzt. dpa

Berggruen: Sein Vermögen wird auf 2,2 Mrd. Dollar geschätzt.

DÜSSELDORF. Erst Anfang September 2010 bewahrte Nicolas Berggruen den Pleitekonzern Karstadt vor dem Untergang, steckte 65 Millionen Euro in die Schuldentilgung und gab den 25 000 Mitarbeitern eine Perspektive. Nun will der 49-jährige Deutschamerikaner, dessen Vermögen die Zeitschrift "Stern" auf 2,2 Milliarden Dollar schätzt, den 38 Millionen Einwohnern Kaliforniens neue Hoffnung geben.

Um den US-Staat von seiner drückenden Schuldenlast zu befreien, traf sich Berggruen nach Angaben seines Sprechers gestern in Mountain View mit Google-Gründer Eric Schmidt. Geladen waren zudem zahlreiche Größen aus Politik und Wirtschaft. In der Tagesordnung hatten sie vereinbart, Vorschläge zu erarbeiten, um die Staatseinnahmen des US-Bundesstaates - und der achtgrößten Volkswirtschaft der Welt - gründlich zu reformieren.

Die Rolle des Weltverbesserers ist für den Finanzinvestor nicht neu. Schon 2009 gründete der Sohn des deutschen Emigranten, Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen in New York City das Forschungsinstitut Nicolas Berggruen Institute. Es soll politische Ideen entwickeln, um damit Regierungen bei ihrem Handeln zu unterstützen. Dem Rat des Instituts gehören unter anderem Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz, Spaniens früherer Ministerpräsident Filipe Gonzales und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder an.

Auch das "Think Long Committee for California", das sich um die Zukunft des drittgrößten US-Bundesstaats sorgt, ist Teil des Berggruen-Instituts. Für den Think-Tank hat der Milliardär dabei neben Google-Gründer Schmidt auch Ex-Außenministerin Condoleezza Rice gewinnen können, ebenso wie Vertreter amerikanischer Gewerkschaften. Gemeinsam mit ihnen will der Karstadt-Eigentümer Wege aufzeigen, um Kalifornien vor der Pleite zu bewahren.

Notfalls wolle er das Wirtschaftsprogramm 2012 in den Wahlkampf zum neuen Kongress einbringen, kündigte Berggruen jetzt in der "Financial Times" an. 20 Millionen Dollar habe er schon eingesammelt, um die dazu notwendigen Unterschriftenaktion zu finanzieren.

Sein Engagement für Kalifornien überrascht, denn der in Paris geborene Finanzinvestor, der neben zahlreichen Immobilien auch die Mehrheit am spanischen Medienkonzern Prisa ("El País") besitzt, wird von den US-Behörden als "homeless" geführt. Vor Jahren schon verkaufte er alle seine Wohnungen. Seither pendelt der schüchtern wirkende Junggeselle mit einem Privatjet (Typ Gulfstream IV) zwischen New York, Los Angeles, London und Berlin. Als Residenz dienen dem Kunstsammler dabei stets gediegene Hotels.

Kommentare (3)

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Superman übernimm dich net...

07.01.2011, 13:50 Uhr

Komisch, dass die reichen Leut wie berggrün immer wieder als Retter von irgendwas auftreten wollen. Sind diese Leute etwa nicht in der Lage was Eigenes, Neues selbst auf die beine zu stellen? Oder suchen sie immer nur nach dem nächsten Junkie, den sie von sich abhängig haben wollen? investment!

r.jonasson

07.01.2011, 16:33 Uhr

Ein Think Tank mit Gerhard Schröder, großartig - Kalifornien kann sich praktisch schon als gerettet betrachten! Der Mann kann ja quasi alles - manche von den älteren in Deutschland erinnern sich noch an seine Genie-Streiche. Neuerdings finden selbige ja in Russland statt, unauffällig gefördert von dem lupenreinen Demokraten Putin. bMW läßt sich von Joschka Fischer "beraten" - zum Thema Nachhaltigkeit, wie man hört. Joschka Fischer, der noch mit 30 Steinewerfen für ein politisches Programm hielt. Und derselbe Joschka Fischer, der in seiner Außenminister-Nadelstreifen-Amtszeit stets einen Airbus orderte, auch wenn er mit seiner jeweiligen Gattin allein reiste, wofür es nur einen kleineren Jet der bundesluftwaffe gibt. Das war eigentlich illegal und deswegen wurde dann auch jeweils (wahrheitswidrig) eine Delegation von 15 Leuten angemeldet, die mindestanzahl für den Airbus, alles im grünen Sinne der Nachhaltigkeit natürlich. Was für eine schöne neue, aber auch irre, ja korrupte Welt... Wenn es nicht so traurig wäre, man müsste sich den ganzen Tag schlapplachen!

m123

12.01.2011, 16:14 Uhr

Wieso immer alles so negativ sehen. Leider ist die Welt ziemlich ungerecht und korrupt. Wenn man sich viele Orte auf unserer Welt anschaut, z.b die armen Menschen in Haiti, dessen Korruption und unfähige Regierung (und die Weltmächte akzeptieren auch noch diese bürokratischen Hürden) ein schnelles bzw. überhaupt ein Eingreifen unmöglich macht,und die Menschen vor sich hin sichen läßt, kann man nur noch wütend und verzweifelt durch die Weltgeschichte gehen. Aber davon wird die Welt auch nicht besser. Deshalb finde ich solche "Think Tanks" gar nicht mal so schlecht. Und so einen "Rat" kann nicht nur mit "klugen" Köpfen gegründet werden. Dort müssen auch "Macher" bzw. Leute mit Einfluss vorhanden sein. Was bringt sonst einem die beste idee,wenn diese den "richtigen" Stellen nicht verkauft werden kann. ich kenne die beweggründe des Herrn berggruen nicht. Empfinde es aber als nicht Ok, jeden investor oder Vermögenden direkt als "blutsauger" abzustempeln. Vieles kann halt nur mit Kapital auf den Weg gebracht werden. Außerdem zählt das Ergebnis und nicht immer der beweggrund. Wenn durch solche Zusamemnschlüsse, auch nur ein gute idee durchgesetz wird, die uns eine Verbesserung bringt, oder vor schlimmeren bewahrt, hat sich doch der ganze Aufwand gelohnt, selbst wenn ein Herr berggruen oder ein Herr Schroeder, dadurch ihr Kapital erhöht haben sollten. Vor einem Jahr hatten alle einen sehr "ritterlichen" beweggrund die Leute zum spenden zu bewegen. Und was hat das jetzt den Leuten in Haiti gebracht? Die Regierungen geben das Geld nicht frei. Private und staatliche Hilfsorganisationen können wegen irrsinniger "bürokratie" Hürden, ihre Arbeit nicht starten. Dies wäre auch ein Thema für einen "Think Tank". Darf bzw. muss nicht z.b die Nato, bei solchen Katastropen die jeweilige Regierung absetzen, wenn sich diese als "unfähig" erweist. ist ein Menschenleben nicht mehr wert, als "bürokraie" und diplomatische beziehungen?

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