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15.06.2015

10:12 Uhr

Kaufhof-Käufer Richard Baker

Der Willy Wonka der Warenhäuser

VonLaura Waßermann

Immobilienhai mit einem Faible für Luxus: Richard Baker. Der Eigentümer von Hudson's Bay übernimmt Galeria Kaufhof. Dadurch könnte sich der deutsche Handelsmarkt verändern.

DüsseldorfGroße Ziele haben Richard Baker noch nie geschreckt, wenn sie Rendite versprechen: Schon zu Schulzeiten schrieb er lieber Businesspläne, als mit Freunden Bier zu trinken. Damals wollte er noch eine eigene Imbiss-Kette gründen, dafür jobbte er sogar bei einer Catering-Firma. Heute gilt der 49-jährige Baker tatsächlich als einer der schärfsten Unternehmer von Nordamerika. Und das ganz ohne ein zweites McDonald's.

Statt eine Imbiss-Kette zu gründen, hat Baker in den vergangenen Jahren mehrere große Handelsketten aus Nordamerika aufgekauft. Sein neues großes Ziel: Jetzt will er in den europäischen Markt eintreten. Baker übernimmt Kaufhof. Mit dieser Übernahme formt er eine transatlantische Warenhaus-Kette. Baker wird damit zum aktuell größten Rivalen von René Benko, dem österreichischen Karstadt-Eigentümer, der ebenfalls um Kaufhof warb.

Sanieren statt vermieten: Mit Konkurrenten wie Benko dürfte Baker umgehen können – auf Augenhöhe, denn er hat Erfahrung mit ertragsschwachen Kaufhäusern und ihrer Sanierung. 2006 kaufte er die Traditionskaufhauskette Lord & Taylor. Da zeigten sich zum ersten Mal sein strategisches Geschick und sein Ehrgeiz. In nur vier Monaten zog er die Übernahme durch, für einen Betrag von 1,2 Milliarden Dollar. Die Belastung für Baker betrug allerdings nur einen Bruchteil davon. Er finanzierte das Geschäft vor allem, indem er die Immobilien der Lord & Taylor-Häuser mit Krediten belieh. So musste Baker selbst nur 25 Millionen Dollar aufbringen.

Und so ging es weiter, als er nur ein Jahr später Hudson’s Bay kaufte. Die 1670 in Kanada gegründete Kaufhauskette zählt zu den größten Unternehmen Nordamerikas. Zunächst übernahm Baker zwanzig Prozent für 100 Millionen Dollar. 2008 wollte der Besitzer Jerry Zucker auch die restlichen 80 Prozent loswerden. Er verlangte einen Kaufpreis von 1,3 Milliarden Dollar - von denen Baker eine Milliarde durch neue Schulden finanzierte.

Die zehn umsatzstärksten Konsumgüterhersteller

Hintergrund

Die Unternehmensberatung OC&C hat die Top-50-Konsumgüterhersteller untersucht. Nur ein deutsches Unternehmen schaffte es in das Ranking.

Platz 42 – Henkel

Heimatland: Deutschland
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 10.7 Milliarden US-Dollar (8,34 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 14,0 Prozent

Platz 10 – Tyson Foods

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 34.4 Milliarden US-Dollar (26,81 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 3,9 Prozent

Platz 9 – Archer Daniels Midland

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 34.9 Milliarden US-Dollar (27,2 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 2,6 Prozent

Platz 8 – Mondelez

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 35.3 Milliarden US-Dollar (27,52 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,8 Prozent

Platz 7 – JBS

Heimatland: Brasilien
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 41.2 Milliarden US-Dollar (32,12 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 4,3 Prozent

Platz 6 – AB InBev

Heimatland: Belgien
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 43.2 Milliarden US-Dollar (33,67 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 48,0 Prozent

Platz 5 – Coca Cola

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 46.9 Milliarden US-Dollar (36,56 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 24,3 Prozent

Platz 4 – Unilever

Heimatland: Grobritannien/Niederlande
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 66.1 Milliarden US-Dollar (51,52 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,1 Prozent

Platz 3 – Pepsi

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 66.4 Milliarden US-Dollar (51,76 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 14,6 Prozent

Platz 2 – Procter & Gamble

Heimatland: USA
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel2013: 84.2 Milliarden US-Dollar (65,63 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 18,3 Prozent

Platz 1 – Nestlé

.Heimatland: Schweiz
Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel 2013: 99.5 Milliarden US-Dollar (77,56 Mrd. Euro)
Gewinnmarge vom Umsatz: 15,6 Prozent

2013 kam der vorerst letzte Teil zu Bakers Aktiengesellschaft Hudson’s Bay Company (HBC) hinzu: Den Kauf der die Luxus-Kaufhauskette Saks Fifth Avenue finanzierte er ebenfalls durch das Beleihen von Immobilien. Mittlerweile beschäftigt der Kaufhauskonzern mehr als 70.000 Mitarbeiter in den USA und Kanada, der Umsatz liegt bei 8,1 Milliarden Dollar.

Mit der Übernahme der 119 Galeria-Kaufhof- und 16 Sportarena-Filialen kommen 3,1 Milliarden Euro obendrauf. Baker schlägt nicht nur dem langjährigen Kaufhof-Interessenten Benko ein Schnippchen – der Amerikaner wird auch eine wichtige Größe auf dem deutschen Handelsmarkt.

René Benko: Der Sammler aus Tirol

René Benko

Premium Der Sammler aus Tirol

René Benko setzt auf Innenstädte, Immobilien und große Namen. Beim Warenhaus Karstadt will er sich jetzt als Unternehmer bewähren. Ein Porträt.

Luxus statt Discount: Worum es Richard Baker heute bei seinen Geschäften geht, sind zuverlässige Gewinne und anscheinend auch die Qualität. So wurde die Discount-Kette Zellers, die einst zu Hudson’s Bay gehört hatte, zügig abgeworfen. Stattdessen setzt Baker auf Hochglanz-Angebote.

Doch damit könne Baker zumindest in Deutschland nicht punkten, meint Thomas Roeb. „Der Deutsche strebt nicht unbedingt nach Luxus“, sagt der Handelsexperte. So wachse der Marktführer für wertige Mode in Deutschland, Peek & Cloppenburg, deutlich langsamer als das günstige schwedische Modehaus H&M.

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