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04.11.2012

19:21 Uhr

Kein Fußball, kein Gold, kein Bier

Wie sich Frauen für die Karriere verbünden

Kontakte knüpfen, die Karriere vorantreiben: Das machen Männer ganz nebenbei in der Kneipe, beim Golf oder auf der Toilette - ohne Kolleginnen. Warum Frauen anders netzwerken und was sie von ihren Kollegen lernen können.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

StuttgartSie tun es auf der Toilette, beim Golfspielen oder abends in der Kneipe: Wenn Männer netzwerken, haben Frauen oft das Nachsehen. Um die eigene Karriere voranzutreiben, schließen sich Geschäftsfrauen daher verstärkt in eigenen Netzwerken zusammen. Viele wollen dabei auch von ihren männlichen Kollegen lernen.

„Es ist nicht so, als wenn Frauen ihre Karriere nicht planen würden“, sagt Henrike von Platen, deutsche Präsidentin der Business and Professional Women (BPW) - einem der größten und ältesten Frauennetzwerke mit weltweit rund 30.000 Mitgliedern. „Aber sie netzwerken nicht ganz so direkt karriereorientiert wie Männer.“

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Frauen wird heute jede zweite Stelle über Kontakte und Referenzen vergeben. Frauen werfen ihre Netze allerdings noch zu selten für das berufliche Fortkommen aus, wie Frauenministerin Kristina Schröder (SPD) jüngst betont hat.

„Ich finde es ganz legitim zu sagen: Es bringt mir auch Vorteile“, sagt Jacqueline von Manteuffel. Sie ist Mitglied bei den Soroptimisten, einem der größten Frauennetzwerke noch vor dem BPW. Wegen der wachsenden Mitgliederzahlen gibt es in einzelnen Städten mittlerweile sogar mehrere Clubs. Allein in Deutschland hat Soroptimist 6000 Mitglieder, weltweit sind es 90.000.

Wo Frauen ähnlich wie Männer verdienen und wo nicht

Insgesamt

Frauen verdienen noch immer weniger als Männer - das ist keine Überraschung. Je nach Branche unterscheiden sich die Diskrepanzen aber enorm. Während in manchen Berufssparten die Gehaltsspanne 30 Prozent beträgt, sind es in einer Branche nur noch vier Prozent unterschied. Insgesamt verdienten Frauen 2010 durchschnittlich 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Techniker und nichttechnische Berufe

Die größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen immer noch bei Techniker-Berufen und gleichrangigen Jobs. Wer hier als Frau seine Berufung gefunden hat, muss mit einem 30 Prozent geringeren Einkommen rechnen als der männliche Kollege mit der gleichen Ausbildung.

Führungskräfte

Genauso benachteiligt sind Frauen in Führungspositionen. Auch hier liegt die Gehaltsdiskrepanz bei 30 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Akademische Berufe

Wer als Frau einen akademischen Beruf ergreift, steht etwas besser da - aber nicht viel. Akademikerinnen müssen aktuell noch damit leben, dass der männliche Kollege am benachbarten Schreibtisch 28 Prozent mehr verdient.

Handwerks- und verwandte Berufe

Bei Schreiner, Bäcker, Friseur und Co. sieht es etwas besser aus, auch wenn die Gehaltsspanne ebenfalls noch groß ist: Frauen in Handwerksberufen bekommen durchschnittlich 25 Prozent weniger als der Kollege - immer noch ein stärkerer Gehaltsunterschied als im gesamtdeutschen Durchschnitt.

Bediener von Anlagen und Maschinen und Montageberufe

Knapp unter dem Durchschnitt liegt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, die etwa Maschinen bedienen oder als Monteure arbeiten: 19 Prozent verdient ein männlicher Mitarbeiter hier mehr als ein Weiblicher.

Fachkräfte in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei

Einen Sprung nach unten gibt es bei der Gehaltsspanne in der Land- und Forstwirtschaft. Wer sich in diesem Bereich ausbilden lässt oder wen es aufs Meer zieht, der verdient als Frau verhältnismäßig besser - bzw. ähnlich viel wie der männliche Kollege: Der Unterschied liegt hier bei 13 Prozent - zwar deutlich weniger als etwa bei den Akademikern, aber immer noch deutlich.

Hilfsarbeitskräfte

Gleiches gilt für Arbeitskräfte ohne branchenspezifische Berufsausbildung: Auch hier haben Frauen durchschnittlich 13 Prozent weniger in der Lohntüte als Männer.

Dienstleistungsberufe und Verkäufer

Kaum geringer ist der Unterschied bei Servicekräften, Verkäufern und Co.: Frauen müssen sich mit einem durchschnittlich 12 Prozent geringeren Einkommen begnügen.

Bürokräfte und verwandte Berufe

Das beste Gehaltsniveau für Frauen findet sich bei den Bürojobs und ähnlichen Berufen. Hier beträgt der Gehaltsunterschied zu den männlichen Kollegen nur noch 4 Prozent - 18 Prozent unter der durchschnittlichen Diskrepanz.

Von Manteuffel ist Präsidentin in einem der beiden Stuttgarter Zusammenschlüsse. „Dass unterschiedliche Berufe sich vernetzen und voneinander profitieren“ sei der Grundgedanke. Das Netzwerk bietet unter anderem Mentoren-Programme an, bei denen erfolgreiche Frauen Berufseinsteigerinnen unter ihre Fittiche nehmen.

Kein Fußball. Kein Golf. Kein Bier. Frauen kungeln in professionellen Netzwerken zwar anders als Männer, aber nicht unbedingt weniger effektiv: Die meisten berichten von Email-Listen, über die Mitglieder nicht nur geschäftliche Fragen stellen, sondern auch nach der geeigneten Besetzung für offene Stellen suchen können. Hinzu kommen persönliche Treffen oder Workshops. Bei den Soroptimisten gibt es ein dickes, blaues Buch mit Kontakten, das regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht wird.

Kommentare (2)

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Netzwerker

05.11.2012, 10:00 Uhr

"Frauen werfen ihre Netze allerdings noch zu selten für das berufliche Fortkommen aus, wie Frauenministerin Kristina Schröder (SPD) jüngst betont hat."
Oh nein. Ist diese Frau Schröder etwa in der SPD?

Stein

05.11.2012, 11:02 Uhr

Vor dem Hintergrund der kommenden Bundestagswahlen hat Frau Schröder vermutlich nur gut genetzwerkt. :-)

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