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04.02.2015

13:40 Uhr

Keine Lust zur Unternehmensgründung

Junge Deutsche wollen nicht Chef werden

Quelle:WirtschaftsWoche Online

Im internationalen Vergleich sind vor allem junge deutsche Frauen relativ unambitioniert. Dazu kommt ein wachsender moralischer Anspruch an die Wirtschaft, wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt.

Im internationalen Vergleich sind junge Deutsche erstaunlich unambitioniert. dapd

Im internationalen Vergleich sind junge Deutsche erstaunlich unambitioniert.

Der deutschen Jugend kommt offenbar der Ehrgeiz abhanden. Vor allem junge Frauen in Deutschland streben selten eine Führungsposition an. Das ist ein zentrales Ergebnis des „Deloitte Millenial Survey 2015“.

Die Umfrage im Auftrag des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte fasst die Erfahrungen und Erwartungen von 7806 nach 1982 geborenen jungen Erwachsenen in 29 Ländern aller Kontinente zusammen. Drei Viertel von ihnen arbeiten in größeren Organisationen mit mehr als 100 Beschäftigten.

Worauf die Deutschen bei einem neuen Job Wert legen

97 Prozent

Fast alle der von forsa befragten 2.001 Bundesbürger sagten, dass sie bei einem neuen Job sehr viel Wert auf angenehme Kollegen legen.

96 Prozent

Nur knapp dahinter folgt der sichere Arbeitsplatz, den 96 Prozent als sehr wichtig erachten.

95 Prozent

95 Prozent wünschen sich Respekt und Anerkennung durch die Vorgesetzten.

93 Prozent

Ein gutes Gehalt ist 93 Prozent wichtig beziehungsweise sehr wichtig.

90 Prozent

90 Prozent wünschen sich von der neuen Stelle, dass sie abwechslungsreiche Tätigkeiten mit sich bringt.

89 Prozent

Für 89 Prozent ist es wichtig bis sehr wichtig, dass der neue Job unbefristet ist.

88 Prozent

88 Prozent der Befragten sagten, dass ihnen die Moralvorstellungen und das Leitbild des Unternehmens wichtig sind. Ebenfalls 88 Prozent legen sehr großen Wert darauf, dass sie Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten im neuen Unternehmen haben.

70 Prozent

Flexible Arbeitszeiten wünschen sich 70 Prozent im neuen Job.

65 Prozent

Wichtig beziehungsweise sehr wichtig finden 65 Prozent Mehrwertleistungen des Unternehmens wie beispielsweise eine Betriebsrente, Mitarbeiterrabatte oder einen Dienstwagen.

64 Prozent

64 Prozent wünschen sich, im neuen Unternehmen für besonders gute Leistungen auch Bonuszahlungen zu bekommen.

59 Prozent

59 Prozent wünschen sich im neuen Job Führungsverantwortung zu übernehmen, zumindest aber, Projektleiter zu werden.

In Deutschland wünscht sich nicht einmal jede dritte junge Frau (29 Prozent) eine leitende berufliche Position. Unter den jungen deutschen Männern sind es 46 Prozent. Im internationalen Vergleich gehören die Deutschen damit zu den am wenigsten Ehrgeizigen. In den untersuchten asiatischen Ländern Singapur, Südkorea, Malaysia, Thailand und China streben dagegen im Schnitt 70 Prozent der Befragten eine Führungsposition in ihrer Organisation an.

Der schwache Ehrgeiz der jungen Deutschen ist mit einem hohen moralischen Anspruch verbunden, der allerdings in anderen Ländern noch ausgeprägter ist. Von Unternehmen wird gesellschaftliches Engagement verlangt. Eine Mehrheit der jungen Deutschen von 62 Prozent kritisiert, dass wichtige Unternehmen in erster Linie profitgetrieben wirtschaften. Im internationalen Durchschnitt kritisieren dies sogar 75 Prozent.

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43 Prozent der jungen Deutschen glauben, dass Unternehmen die gesellschaftliche Wirklichkeit stärker bestimmen als die Regierung. Das Verhalten von Firmen bewerten 39 Prozent der Deutschen als ethisches Statement. Von deren führenden Mitarbeitern erwarten sie dementsprechend, dass sie mithelfen, die Gesellschaft zu verbessern.

„Die Millenials glauben in ihrer übergroßen Mehrheit, dass die Wirtschaft einen Neuanfang braucht, sowohl was die Aufmerksamkeit für Menschen und Ziele angeht, als auch ihre Produkte und Gewinne betreffend“, heißt es gleich im ersten Satz der Studie.

Die Botschaft sei eindeutig, sagt Deloitte-CEO Barry Salzberg: Wenn sie auf ihre Karriere-Ziele schauen, interessieren sich die Millenials heute ebenso sehr dafür, wie ein Unternehmen seine Menschen entwickelt und zur Gesellschaft beiträgt, als auch für die Produkte und den Gewinn“.

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Kommentare (4)

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Herr Marco Hass

05.02.2015, 12:54 Uhr

Ist die Frauenquote dann noch Belohnung oder schon Bestrafung? ;-)
Ehrgeiz wird aus meiner Sicht NIE weniger. -Die Ziele im Leben entwickeln sich einfach in eine andere Richtung und Ehrgeiz fließt dort hin.
Es wird also spannende Entwicklungen geben, welche Unternehmen und Industrien es vermögen Unternehmenszweck, Menschen und Umwelt möglichst gut in Einklang zu bringen.
Mal ehrlich: Haben es uns diese jungen Menschen mit dieser Sehensweise nicht weit voraus?
Entscheiden sich Unternehmen dagegen und scheitern? -Oder entwickeln sie sich diagonal, hören zu und handeln?
Ein spannendes Feld, das ziemlich einfach zu verstehen und in Unternehmen umzusetzen ist.
MarcoHass et aol com

Herr Günther H. Schust

05.02.2015, 13:16 Uhr

Über zweidrittel aller Probleme resultieren aus "verkrusteten" Führungskulturen. Die heranwachsende Generation braucht glaubhafte Vorbilder/Entrepreneurs, die die eth. Werte auch einhalten. Sie sucht aber bei Führungskräften fast vergeblich nach Vorbildern (Prof. J.Rump "Das Problem liegt daran, dass es in den Firmen an Vorbildern, Respekt und Wertschätzung leider mangelt". Der Osnabrücker Prof. C. Steinert setzt noch eins drauf und stellt in seiner Studie fest: "Gute Führung wird in Zielvereinbahrungen zu wenig belohnt - schlimmer noch - "schlechte Führung wird sogar toleriert, wenn die operativen Ergebnisse stimmen". So steht die "klassische Führung" vor Ihrem Ende. An ihre Stelle tritt das geteilte Leadership im 360-Grad-Netzwerk. Unternehmen werden dann zukünftig von agilen Teams geführt - bis hin zur Person des Geschäftsführers.
(...)
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Herr Frank Nerstheimer

05.02.2015, 14:02 Uhr

meine Frau und ich sind vor 15 bzw. 13 Jahren aus dem Angestelltendasein in die Selbständigkeit gewechselt. Aus heutiger Sicht würde ich es meinen Kindern nicht raten, es uns gleichzutun.

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