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17.06.2012

19:29 Uhr

Kernenergie

RWE will keine Atomkraftwerke im Ausland

Nach dem Atomausstieg Deutschlands will der künftige RWE-Chef Peter Terium auch auf den Bau neuer Atomkraftwerke im Ausland grundsätzlich verzichten. In zwei Wochen tritt Terium sein Amt an.

Übernimmt bald den Chefsessel bei RWE: Peter Terium. dapd

Übernimmt bald den Chefsessel bei RWE: Peter Terium.

Düsseldorf"Wir werden nicht mehr in neue Kernkraftwerke investieren", kündigte Terium rund zwei Wochen vor seinem Amtsantritt an. Dies gelte nicht nur in Großbritannien, wo RWE seine AKW-Pläne mit E.ON vor wenigen Wochen zu den Akten gelegt hatte, sondern generell. "Das finanzielle Risiko und die Rahmenbedingungen für Kernkraftwerke können wir uns nicht mehr leisten." In Deutschland werde der Konzern seine Meiler aber weiter betreiben. Die hiesigen AKW sollen bis Ende 2022 stillgelegt werden. RWE ist auch an einem Kernkraftwerk in den Niederlanden beteiligt. Einen weiteren Bau plane der Konzern aber auch hier nicht.

Teriums Mission ist klar. Er soll nach dem Willen von Aufsichtsratschef Manfred Schneider die Energiewende – die Abkehr vom Atomstrom – in den Griff kriegen. Sein amtierender Vorgänger hatte in Berlin noch die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atommeiler erkämpft, seit dem Abschaltbeschluss nach Fukushima vor knapp einem Jahr jedoch fast nur noch mit den wirtschaftlichen Folgen gehadert. Davon will Terium nichts mehr wissen, sondern mit schnell wirkenden Sofortmaßnahmen die Zukunft gewinnen. Lange To-do-Listen führen nicht weiter, so die Vorgabe von Oberaufseher Schneider, der Terium gegen die Kommunen durchsetzte, die mit 25 Prozent die größten Aktionäre sind.

RWE-Chef Jürgen Großmann hatte dagegen wenige Wochen vor seinem Amtsende die Bundesregierung wegen des beschleunigten Atomausstiegs scharf angegriffen. „Wir akzeptieren das Primat der Politik, aber wir halten die Beschlüsse der Bundesregierung rund um die Kernenergie nicht für rechtens“, sagte der 60-Jährige am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in Essen. RWE habe deswegen auch im Februar eine Verfassungsbeschwerde gegen die Novelle des Atomgesetzes eingereicht. Das Atomoratorium vom vergangenen Jahr halte er ebenso für rechtswidrig wie die Kernbrennstoffsteuer.

Von

rtr

Kommentare (2)

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vandale

17.06.2012, 19:29 Uhr

RWE gehört zu wesentlichen Teilen den Ruhrgebietskommunen. Diese werden häufig links regiert und haben dem neuen Vorstand sicherlich zu diesem Verhalten ermuntert.

Die aktuellen Kernkraftwerke entstammen Entwicklungen der 60er Jahre. seitdem haben diverse Politiker und Aufsichtsbehörden Gefallen daran gefunden immer neue kostenträchtige Auflagen zu verfügen. Wenig sinnvolle Auflagen wurden nicht abgeschafft. Die Leichtwasserreaktoren sind nur mehr unter günstigen Bedingungen, niedrige Zinsen, lange Abschreibung, hohe Betriebsstundenzahl gegenüber Kohle wirtschaftlich überlegen. Die Wiederaufnahme der Entwicklung neuer wirtschaftlich optimierter Reaktorkonzpte tut im Sinne einer Weiterentwicklung der Industriegesellschaft not.

Abseits der Politik bedeuten die heutigen Kernkraftwerke eine enorme, langfristige Kapitalbindung und bieten sich demzufolge in erster Linie für politisch und wirtschaftlich stabile Staaten an. Eine Amokregierung in 30 Jahren reicht um die Kalkulation und den wirtschaftlichen Erfolg zu zerstören.

Politisch stabile Staaten haben bereits leistungsstarke Versorger und warten nicht auf RWE. Weniger stabile Staaten locken gerne kapitalkräftige ausländische Versorger an. In diesen Ländern droht weniger ein ökoreligiöser Amoklauf als Enteignung, populistische Preisregulierung, willkürliche Steuern. Dann ist es für den Investor umso besser je geringer die Investition war. Insofern werden die politischen Gründe durch wirtschaftliche Gründe unterstützt.

Vandale

SteuerKlasseEins

18.06.2012, 11:15 Uhr

Die Zeiten von Unternehmern a la Herrn Großmann, die sich die Wahrheit zu sagen trauen, scheint vorbei zu sein. Die neue Generation der Unternehmer beschäftigt sich damit Subventionen zu ergattern, und dazu gehört auch daß man im grünen Gleichschritt mit der Politik marschiert und nicht "aus der Reihe tanzt".

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