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08.06.2011

11:40 Uhr

Kirch-Prozess

Gericht beschäftigt sich mit Breuer-Interview

Im Kirch-Prozess bemüht sich das Gericht weiter herauszufinden, ob das Breuer-Interview zu einem Anti-Kirch-Plan gehörte. Dazu müssen jetzt eine TV-Journalistin und der Pressesprecher der Deutschen Bank aussagen.

Leo Kirch (r) und Rolf Breuer, ehemaliger Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank. Quelle: dpa

Leo Kirch (r) und Rolf Breuer, ehemaliger Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank.

MünchenDer Kirch-Prozess vor dem Oberlandesgericht München ist am Dienstag mit weiteren Vernehmungen fortgesetzt worden. Nach dem spektakulären Zusammenbruch seines Medienimperiums 2002 versucht Leo Kirch, milliardenschweren Schadenersatz von der Deutschen Bank zu bekommen. Er macht die Bank und ihren damaligen Chef Rolf Breuer für die Pleite verantwortlich, unter anderem wegen eines Interviews, das Breuer am Anfang Februar 2002 in New York gegeben hatte. In dem Gespräch zweifelte der Bankchef an der Kreditwürdigkeit Kirchs, Wochen später ging Kirchs Lebenswerk unter.

Das Gericht wollte am Mittwoch unter anderem den TV-Journalisten Andreas Scholz und den Pressesprecher der Bank, Detlev Rahmsdorf, befragen, um herauszufinden, ob etwa die Fragen zum Thema Kirch vorher abgesprochen wurden und ob das Interview möglicherweise Teil eines Plans zur Schädigung des Kirch-Konzerns gewesen sein könnte, wie die Kirch-Seite vermutet.

Das Gespräch wurde am 3. Februar 2002 am Rande des Weltwirtschaftsforums aufgezeichnet und am 4. Februar 2002 ausgestrahlt. Leo Kirch macht Breuer wegen dieses Gesprächs für den Zusammenbruch seines Konzerns wenige Monate später verantwortlich. Der Bundesgerichtshof hatte den Inhalt 2006 veröffentlicht:

Frage: "Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank?"

Antwort: "Relativ komfortabel, würde ich mal sagen, denn - das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion, wenn ich das erzähle - der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich und voll gesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer-Verlag. Uns kann also eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt, und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, wir bräuchten keine Sorgen zu haben."

Frage: "Die Frage ist ja, ob man mehr ihm hilft, weiter zu machen."

Antwort: "Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine, wie Sie gesagt haben, Stützung interessieren."

Von

dpa

Kommentare (1)

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Stillfried

08.06.2011, 12:10 Uhr

Es ist auch viele Jahre danach noch unerhört, daß sich Herr
Breuer öffentlich zu Krediten an Leo Kirch und deren Absicherung durch die Deutsche Bank äussert.Eine unglaubliche Indiskretion! Diese Bankiers sind so abgehoben, weil Sie eine nickende Entourage um sich haben, die ihnen die Wichtigkeiten der realen Welt vorenthält. Sie alten sich für unfehlbar.Ein wirklicher Efolg des Herrn Kirch ist, daß alle damals
zuständigen Herren der Deutschen Bank vor Gericht persönlich erscheinen müssen- und diese untereinander rivalisierenden Alpha-Tiere werden es nicht hinbekommen, alle das Gleiche zur Kirch-Causa auszusagen. Einer wird bei seiner Aussage inhaltliche Fehler machen, und dann kostet das die Bank richtig Geld.

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