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03.05.2017

15:48 Uhr

Kjell Inge Røkke spendet sein Vermögen

Vom Fischer zum Milliardär – und zurück

VonHelmut Steuer

Der Norweger Kjell Inge Røkke hat es vom Fischer zum Großindustriellen gebracht. Nun will der exzentrische Milliardär den Großteil seines Vermögens für die Forschung spenden – und die Ozeane vom Plastikmüll befreien.

An Bord des 181 Meter langen Schiffs befindet sich neueste Technik, mit der die Wissenschaftler sowohl die Atmosphäre als auch den Meeresboden bis zu 6000 Meter Tiefe untersuchen können. TRK

Forschungsschiff REV

An Bord des 181 Meter langen Schiffs befindet sich neueste Technik, mit der die Wissenschaftler sowohl die Atmosphäre als auch den Meeresboden bis zu 6000 Meter Tiefe untersuchen können.

StockholmLange Zeit galt er als das Enfant Terrible der norwegischen Industrie. Doch nun will der Milliardär Kjell Inge Røkke einen großen Teil seines Vermögens für ein umfassendes Forschungsprojekt spenden. Gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation WWF lässt er derzeit das Forschungsschiff REV (Research Expedition Vessel) in Norwegen und Rumänien bauen. An Bord des 181 Meter langen Schiffs befindet sich neueste Technik, mit der die Wissenschaftler sowohl die Atmosphäre als auch den Meeresboden bis zu 6000 Meter Tiefe untersuchen können.

Mit kleinen Mini-U-Booten kann die Wasserqualität überprüft werden. Vor allem die Verschmutzung der Meere durch Plastik und andere Kunststoffe beunruhigt Røkke. Deshalb wird es auf der REV eine Vorrichtung geben, mit der Plastikteile aufgesaugt und später an Bord emissionsfrei eingeschmolzen werden können. „Wir wollen Plastik aus dem Meer fischen“, sagte der 58-Jährige der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“ in einem seiner seltenen Interviews. Die REV bietet Platz für 30 Forschungscontainer, in denen die Wissenschaftler an unterschiedlichen Projekten gleichzeitig arbeiten können.

„Das Meer hat mir große Möglichkeiten gegeben. Dafür bin ich sehr dankbar“ dpa

Kjell Inge Røkke

„Das Meer hat mir große Möglichkeiten gegeben. Dafür bin ich sehr dankbar“

Wieviel er in das Projekt investiert, bleibt sein Geheimnis: „Ich möchte den Großteil dessen, was ich verdient habe, der Gesellschaft zurückgeben. Die REV ist ein Teil davon.“ Mehr wollte er dazu nicht sagen. Es dürfte sich aber um eine sehr ansehnliche Summe handeln. Denn Røkke finanziert nicht nur den Bau, sondern will ab 2020, wenn das Schiff vom Stapel läuft, bis zu 60 Wissenschaftler sowie die 30-köpfige Besatzung bezahlen. „Das Meer hat mir große Möglichkeiten gegeben. Dafür bin ich sehr dankbar“, begründete Røkke sein Engagement.

Es trifft keinen Armen. Røkkes Vermögen wird auf rund 17 Milliarden Kronen geschätzt – das sind mehr als 1,8 Milliarden Euro. Er zählt zu den zehn reichsten Menschen im Land der Fjorde.

Es ist eine Karriere wie vom Tellerwäscher zum Millionär, die der große Fußball-Fan hingelegt hat: Seine berufliche Laufbahn begann nach Abbruch der Volksschule Anfang der 1980er-Jahre auf einem Fischtrawler. Vor Alaska wurden die Netze ausgelegt, und Røkke wurde schnell klar, dass das ein Riesengeschäft ist.

Er sparte und legte sich bald den ersten eigenen Kutter zu. Von da ging es in rasender Fahrt weiter. Aus einem kleinen Kutter wurde eine ganze Flotte. Die Schiffe mussten irgendwo gebaut werden, also übernahm Røkke gleich auch noch ein paar Werften und stieg in den 90er-Jahren beim damals größten Konzern des Landes, Kvaerner, ein, den er in Aker umbenannte.

Der Duzfreund von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die feine Osloer Gesellschaft mit seinem Lebensstil immer wieder vor den Kopf stieß, ist mittlerweile ein respektierter Geschäftsmann. Journalisten, die dem Milliardär einst das Leben mit Berichten über seinen ausschweifenden Lebensstil mit vielen schönen Frauen und noch mehr extravaganten Autos, Flugzeugen und Jachten oftmals schwer gemacht haben, mag der mittlerweile deutlich ruhiger gewordene Røkke weiterhin nicht. Interviews gibt er so gut wie nie.

Schlagzeilen macht er dennoch immer wieder einmal. „Einmal Fischer – immer Fischer“, sagte er vor einigen Jahren und kündigte an, mitten im Zentrum von Oslo mit seinem edlen, 2,5 Millionen Euro teuren Fischkutter „Trygg“ aufzutauchen.

Tatsächlich lief er pünktlich wie seine Konkurrenten um sieben Uhr früh in den Osloer Hafen ein. 70 Kronen (8,60 Euro) für den Ein-Liter-Eimer mit Krabben nahm Røkke – genauso viel wie die übrigen Fischer. Die vielen Journalisten, die die Aktion begleiteten, mussten allerdings tiefer in die Tasche greifen. Von ihnen wollte Røkke 170 Kronen haben.

Kommentare (2)

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Frau Annette Bollmohr

04.05.2017, 16:31 Uhr

Norwegen ist auch das bislang einzige Land, das sich um die tickenden Zeitbomben in Form korrodierenden Schiffwracks aus dem zweiten Weltkrieg samt ihrer Schweröltanks kümmert (http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/schiffwracks-video-100.html).

Herauszufinden, woran es liegen könnte, dass das Verantwortungsbewusstsein für Mensch und Umwelt gerade in den nordischen Ländern (Norwegen, Schweden, Finnland, Estland etc.) allgemein sehr viel ausgeprägter zu sein scheint als anderswo, wäre sicher nicht nur interessant, sondern auch hilfreich.

Wie auch immer, hier gilt das gleich wie auf allen anderen Gebieten: Irgendjemand muss mal den Anfang machen, damit alle weiterkommen können.

Frau Annette Bollmohr

04.05.2017, 16:43 Uhr

... in Form korrodierender Schiffwracks ...

... hier gilt das Gleiche wie...

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