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08.04.2017

17:00 Uhr

Kliniken in Geldnot

Wie Private den Krankenhausmarkt aufrollen

Viele Krankenhäuser haben wenig Personal, Geld für Investitionen fehlt. Die Finanznöte spielen privaten Betreibern wie Helios in die Karten. Doch die Ökonomisierung der Gesundheit wirft ethische Fragen auf.

Während private Häuser Gewinne abwerfen, schreiben kommunale und kirchliche Vertreter Verluste. dpa

Krankenhausmarkt

Während private Häuser Gewinne abwerfen, schreiben kommunale und kirchliche Vertreter Verluste.

FrankfurtKnapp 2.000 Krankenhäuser, über 39 Millionen Patienten und ambulante Behandlungen im Jahr, 1,2 Millionen Mitarbeiter: Krankenhäuser sind unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung in Deutschland – und eine Branche, die zunehmend unter wirtschaftlichem Druck steht. Wie lange sollten Patienten nach einer Operation im Krankenhaus bleiben, was darf die Verwaltung kosten, wie viel Zeit haben Ärzte für Kranke? Viele Krankenhäuser müssen so hart kalkulieren wie Unternehmen.

Private Betreiber machen aus der Heilung von Menschen ein Geschäft. Gut 5,8 Milliarden Euro Umsatz und 543 Millionen Euro Gewinn erzielte allein Marktführer Helios 2016. Die Tochter des Dax-Konzerns Fresenius betreibt bundesweit 112 Krankenhäuser. Dazu kommen Konkurrenten wie Asklepios, Sana, Schön und das unterfränkische Rhön-Klinikum, das etwa die Universitätskrankenhäuser Marburg und Gießen lenkt. „Etwa 30 Prozent aller Kliniken sind in privater Hand“, sagt Zun-Gon Kim, Partner bei der Beratungsfirma Boston Consulting Group.

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Der drittgrößte private Krankenhauskonzern in Deutschland sieht durch gesetzliche Auflagen neue Chancen für Zukäufe. Außerdem will Sana mit Dienstleistungen wachsen. Großes Thema ist aber auch die Digitalisierung.

Die Privaten haben in den vergangenen Jahren von den Finanznöten vieler kommunaler und kirchlicher Betreiber profitiert. Gab es 2005 2.139 Krankenhäuser hierzulande, waren es 2015 nur noch 1.956. „Gerade kleine, wenig profilierte Häuser haben es schwer“, sagt Kim. Denn die Gruppe der Patienten über 65 Jahren wächst – und mit ihnen die Zahl von Altersdiabetes, Lungen- und Darmkrebs oder Gefäßverkalkungen. Die Kosten für Krankenhäuser steigen so schneller als die Einnahmen.

Krankenhäuser in öffentlicher Hand seien unterfinanziert, klagt der Dachverband DKG, ein Viertel schreibe Verluste. Er fordert mehr Geld von den Ländern. Von den jährlich für Investitionen benötigten sechs Milliarden Euro zahlten sie nur etwa die Hälfte. „Investitionen sowohl im baulichen Bereich als auch bei der Digitalisierung sind dringend erforderlich“, erklärt der Verband. Doch die Länder haben oft leere Kassen. Daher herrscht in vielen Krankenhäusern Personalmangel. Laut Verdi fehlen bundesweit 162.000 Stellen.

Private Betreiber reagieren auf die Geldnot der Kliniken, indem sie Verwaltungen zentralisieren, Dienste auslagern und ihre Größe nutzen, um etwa beim Einkauf günstigere Konditionen zu erzielen. Sie kaufen Kommunen etwa Krankenhäuser ab, wenn diese defizitäre Häuser loswerden wollen und sanieren sie mit harten Renditevorgaben. Sana kaufte etwa 2013 in Hessen das Klinikum Offenbach und garantierte im Gegenzug, eine Insolvenz abzuwenden. 2015 gab es wieder Gewinne.

Die Klinikkonzerne, die aus Privatisierungen Ende der Neunzigerjahre entstanden, sind heute teils an der Börse notiert. Rhön oder Helios unter der Mutter Fresenius sind damit nicht nur ihren Patienten und Mitarbeitern verpflichtet, sondern auch den Aktionären. Und sie fordern steigende Gewinne und Dividenden.

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