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22.09.2015

11:31 Uhr

Körpersprache-Expertin

„Keine Frau will sehen, wie ein Mann sein Gemächt zur Schau stellt“

VonCarina Kontio

Der Daumen in der Faust, die Hüfte schwingt und der Kollege von nebenan steht in der Konferenz da wie ein Fußballer beim Freistoß. Unser Körper schweigt nie und wer nicht aufpasst, kann sogar seine Karriere riskieren.

Die bevorzugte Haltung einiger männlicher Kollegen ist oft die sogenannte Feigenblattstellung: Sie stehen einfach da, wie Fußballer beim Freistoß. ap

Feigenblattstellung

Die bevorzugte Haltung einiger männlicher Kollegen ist oft die sogenannte Feigenblattstellung: Sie stehen einfach da, wie Fußballer beim Freistoß.

Violeta Mikic ist Expertin für Körpersprache und Business-Coach von Vorstandskräften bei Coca-Cola, Telekom, Lufthansa & Co. Sie kann einiges aus ihrer langjährigen Erfahrung berichten. Beispielsweise von Frauen, die sich als Führungskräfte den Hüftschwung abtrainieren wollen oder Männern, die wie dressierte Hunde agieren und ihre eigene Persönlichkeit unterdrücken. Im Interview sprechen wir mit ihr darüber, wie Frauen bewusst ihre Körpersprache einsetzen können - und mit welchen Gesten man im schlimmsten Fall seine Karriere behindern kann.

Liebe Frau Mikic, ich kann es kaum glauben, aber gibt es wirklich Frauen, die sich ihren Hüftschwung abtrainieren wollen?
Nein, nicht wirklich. Sie wollen ihn sich nicht abtrainieren. Aber generell versteifen wir alle uns in Stresssituationen. Und bei Frauen ist das sichtbarer als bei Männern, weil der Hüftumfang bei Frauen ausgeprägter ist. Und deshalb wirken sie dann schnell unfraulich. Das passiert jedem von uns, mir auch. Es ist eine natürliche Reaktion in unangenehmen Situationen.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Ein Beispiel aus meinem Berufsalltag. Die bevorzugte Haltung einiger männlicher Kollegen ist oft die sogenannte Feigenblattstellung: Sie stehen einfach da, wie Fußballer beim Freistoß. Müssen wir Frauen bewusst männliche Körpersprache übernehmen, wenn wir Erfolg haben wollen?
Dieser Gestus gehört zum Sport. Keine Frau will sehen, wie ein Mann sein Gemächt zur Schau stellt oder vergrößert. Stellen Sie sich bitte einmal das frauliche Pendant dazu vor: Eine Frau steht auf der Bühne, die Arme überkreuzt und hält oder präsentiert mit den Händen ihre Brüste. Was würde man dazu sagen?

Ich versuche gerade mir das Bild vorzustellen...
Generell gilt: Wir sollten, unabhängig vom Geschlecht, in öffentlichen Situationen eine möglichst neutrale Körperhaltung einnehmen.

Aber nehmen wir mal eine typische Frauenhaltung: Das linke Bein ist Standbein, die Hände sind vor dem Körper brav zusammengelegt. Kann ich meinen Chef so von meinen Führungsqualitäten überzeugen?
Es kommt auf den Rest der Ausstrahlung an. Wenn die Stimme zu diesem Gestus piepsig ist, wird es schwierig. Wenn es eine zierliche Frau ist, wirkt sie zu zart. Bei einer großen, mächtigen Frau mit Tendenz zur „Überpräsenz“ kann dieser Gestus dagegen positiv wirken.

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