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28.06.2014

16:08 Uhr

„Kollege Hund“ im Büro

Burnout-Schutz durch Bürohunde

Sie sollen beruhigen und die Atmosphäre auflockern: Hunde im Büro. Wie das Miteinander mit dem vierbeinigen Kollegen klappen kann – und wann es keinen Sinn macht.

Lilli und Lulu zwischen Ordnern und Büchern: Die Hunde sind fast vollwertige Mitarbeiter in der Berliner Schulbuchhandlung. dpa

Lilli und Lulu zwischen Ordnern und Büchern: Die Hunde sind fast vollwertige Mitarbeiter in der Berliner Schulbuchhandlung.

BerlinLilli und Lulu gehören quasi zur Ausstattung der Berliner Buchhandlung: Seit Jahr und Tag begleiten die französische Bulldogge und der Husky-Mischling ihre Besitzer auf die Arbeit und fühlen sich dabei pudelwohl. „Die Hunde sind ein gutes Team. Wir kommen alle wunderbar miteinander zurecht“, sagt Sophie Westermann, die zusammen mit ihrem Vater und mehreren Angestellten die Schulbuchhandlung betreibt.

Viel Laufkundschaft gibt es wegen des Bestellgeschäfts dort nicht. „Das ist auch gut so. Es wäre für die Hunde zu stressig“, sagt Westermann. Umgekehrt bauen die Tiere einigen Job-Stress ab. „Wenn's hier mal heftig zugeht, dann sind sie sehr beruhigend“. Ein Streicheln, Schwanzwedeln, notfalls ein kurzer Gang zur Grünfläche um die Ecke, und die Situation hat sich entspannt.

So unterschiedlich reagieren wir auf Stress

Gene

Stressforscher schätzen, dass Stressanfälligkeit zu 30 Prozent genetisch bedingt ist.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Mutter

Frauen, die während der Schwangerschaft hohe Cortisolwerte aufweisen, bekommen stressanfälligere Babys.

Kindliche Erfahrungen

Traumatische Erlebnisse in den ersten sieben Lebensjahren, der Zeit der Entwicklung der Identität, können lebenslänglich stressanfälliger machen.

Persönlichkeit

Erfolgsorientierte, ehrgeizige, sehr engagierte, ungeduldige und unruhige Menschen sind besonders stressanfällig.

Charakter

Feindseligkeit, Zynismus, Wut, Reizbarkeit und Misstrauen erhöhen das Infarktrisiko um 250 Prozent. Humor hingegen zieht dem Stress den Stachel. Eine Studie an 300 Harvard-Absolventen zeigte: Menschen mit ausgeprägtem Sinn für Humor bewältigen Stress besser.

Selbstbestimmung

Der wichtigste Faktor, der über Stressanfälligkeit bestimmt, ist die Kontrolle über das eigene Tun. Je mehr man den Entscheidungen anderer ausgeliefert ist, desto höher das Infarktrisiko.

Wertschätzung

Wer für seine Arbeit Anerkennung in Form von Lob oder einem angemessenen Gehalt bekommt, verfügt über eine bessere Stressresistenz.

Status

Wer eine gute Stellung in der Gesellschaft hat, verfügt auch über einen Panzer gegen Stress. Das ist auch bei Pavianen zu beobachten: Gerät das Leittier durch einen Konkurrenten in eine Stresssituation, schnellt der Cortisolspiegel hoch, normalisiert sich aber rasch wieder. Bei den Rangniedrigeren ist der Cortisolspiegel ständig erhöht.

Glaube

Einer der stärksten Stresskiller ist das Gebet. Studien belegen: Der Glaube an eine höhere Macht, die das Schicksal zum Guten wenden wird, beugt vielen Krankheiten vor.

Auch für Reiner Felsberg, Geschäftsführer der Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Berlin, ist ein Hund im Büro normal. So normal, dass Kessy, ein Schäferhund-Mischling, auch ein Foto auf der Homepage hat. Fachbereich: Soziale Kompetenz und Klimaschutz. Das ist mehr als ein Witz. Wegen Kessy hätten alle Mitarbeiter beschlossen, im Büro nicht mehr zu rauchen, erzählt Felsberg. Außerdem sei das Tier, das einer Kollegin gehört, ein „Gute-Laune-Verbesserer“.

Gespräche über den Hund hätten das Betriebsklima eindeutig verbessert, die Atmosphäre sei privater und schöner geworden. „Kessy wird von allen geliebt – und immer dicker“, ergänzt Felsberg. Sogar beim Jahresempfang für die Berliner Medizin- und Politprominenz ist der Vierbeiner immer dabei. Kessy (2) ist schon der zweite Bürohund – Vorgängerin „Frieda“ wurde 13. Ohne Hund wollte danach kein Kollege mehr sein.

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