Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.12.2015

12:56 Uhr

Kommentar zum Facebook-Gründer

Deutsche Milliardäre, schaut auf Zuckerberg!

VonAxel Höpner

Mark Zuckerberg hat mit seiner angekündigten Milliardenspende eine riesige Diskussion ausgelöst. Viele hinterfragen die Motive des Facebook-Gründers kritisch. Dabei gebührt ihm erstmal Respekt. Ein Kommentar.

Das Paar will fast sein gesamtes Vermögen wohltätigen Zwecken zuführen. Reuters

Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan

Das Paar will fast sein gesamtes Vermögen wohltätigen Zwecken zuführen.

MünchenZu der vielbeachteten Spendenaktion von Mark Zuckerberg lässt sich leicht Kritisches anmerken. Der US-Unternehmer hat anlässlich der Geburt seiner Tochter Max versprochen, 99 Prozent seiner Facebook-Aktien in eine Stiftung zu geben, fast sein gesamtes Vermögen. Nach aktuellem Kurs wären das rund 45 Milliarden Dollar. Diese soll Kindern zu Bildung verhelfen und den Kampf gegen Krankheiten fördern. Seit er dies, natürlich auf Facebook, ankündigte, tobt im Internet die Diskussion.

Klar, es ist erst einmal nur eine Ankündigung, die Übertragung der Anteile wird nur schrittweise erfolgen. Zudem versuchen US-Konzerne wie Facebook einiges, um Steuerzahlungen zu vermeiden – und drücken sich damit um ihren Beitrag zum Gemeinwohl. Stattdessen will Zuckerberg mit der Form der Spende in eine Stiftung selbst entscheiden, wie sein Beitrag eingesetzt wird. Und natürlich ist selbst ein Prozent des Vermögens von Zuckerberg, das der Familie verbleiben soll, immer noch für Generationen mehr als auskömmlich.

Axel Höpner ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte. Pablo Castagnola

Der Autor

Axel Höpner ist Redakteur im Ressort Unternehmen und Märkte.

Und doch hat manch reflexartige Reaktion auch etwas typisch deutsches. Das Vermögen – und es steckt wie bei vielen deutschen Familienunternehmern auch weitgehend in der eigenen, selbst aufgebauten Firma – wird selbst dann noch geneidet, wenn es nahezu komplett gespendet werden soll. Dann werden eben niedere Motive vermutet, die 45-Milliarden-Spende als PR-Gag kritisiert.

Vielleicht aber, auch das soll es geben, wollte Zuckerberg Gutes tun. Das erste Kind ist ein großer emotionaler Einschnitt, man sieht die Welt mit anderen Augen. Und vielleicht haben auch die Schicksalsschläge davor dazu geführt, dass sich die Wertvorstellungen und Prioritäten im Leben von Mark Zuckerberg verschoben haben.

Eigentum verpflichtet – auch, wenn man zuvor ordentlich seine Steuern bezahlt hat. Und so könnten sich die deutschen Milliardäre bei der Spendenbereitschaft ihrer US-Kollegen so manches abschauen.

Man darf gern darüber diskutieren, ob das Geld richtig eingesetzt wird, wie die Ursachen von Krankheiten und Elend in der Welt am besten beseitigt werden können und was davon staatliche und was private Aufgabe sein sollte. Und auch das Geschäftsmodell von Facebook darf weiter kritisch durchleuchtet werden. Doch wenn jemand 45 Milliarden Dollar für Bildung und den Kampf gegen Krankheiten spenden will, ist das zu allererst ein lobenswerter Schritt.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Mark Aurel

02.12.2015, 13:12 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte verwenden Sie keine Zitate ohne Quellenangabe.

Herr Mark Aurel

02.12.2015, 13:17 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte verwenden Sie keine Zitate ohne Quellenangabe.

Herr Riesener Jr.

02.12.2015, 13:31 Uhr

Richtig Herr Höpner!
Es zeigt sich ein interessanter Unterschied zwischen den USA und Deutschland. Unser Staat setzt auf relativ hohe Steuern während die USA auf eine Kombination von relativ niedrigen Steuern plus Spenden setzen. Beides funktioniert einigermaßen gut, allerdings zahlt in Deutschland niemand gern Steuern, weil sie erstens hoch sind und zweitens wird man noch beschimpft, weil man ja offenbar ein hohes Einkommen/Gewinne hat. Zuckerberg und andere Spender in den USA zahlen aber gern, weil freiwillig und für einen selbstbestimmten und nachvollziehbaren Zweck. Insofern ist das amerikanische System viel, viel angenehmer.

Leider ist unsere Mentalität so rot gefärbt, dass wir wohl weiter bei unserem unglücklich machenden System bleiben müssen: Wer Steuern zahlt ist unglücklich, weil er andere unfreiwillig alimentieren muss, und wer wenig Steuern zahlt, ist neidisch auf diejenigen, die hohe Steuern zahlen können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×