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02.02.2016

09:01 Uhr

Kommunikation für Chefs

Wie man Frauen aus der Firma treibt

VonCarina Kontio

Männer machen immer wieder die gleichen Fehler im Umgang mit Frauen – sagt Management-Experte Peter Modler. Das kann im Arbeitsleben tragisch enden. Das sind die fünf gravierendsten Fehltritte.

Bei Machtkämpfen sind Frauen oft im Hintertreffen. Imago

Konflikte im Büro

Bei Machtkämpfen sind Frauen oft im Hintertreffen.

DüsseldorfDass Männer ja bekanntlich anders kommunizieren als Frauen, wissen wir spätestens seit sich Bücher wie „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus” oder „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ an die Spitzen diverser Charts auf der ganzen Welt katapultierten. Mittlerweile – wir befinden uns gerade im Jahr 2016 nach Christus Geburt – hat es sich herumgesprochen, dass es (mindestens) 1001 Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt.

Trotzdem wird häufig gerade in der Arbeitswelt noch unterschätzt, wie sehr sich diese Unterschiede auswirken können – und welche fatalen Folgen es haben kann, wenn sie nicht berücksichtigt werden. So ist es für den Freiburger Unternehmensberater und Bestseller-Autor Peter Modler („Das Arroganz-Prinzip“) kein Wunder, dass Frauen aller Quoten zum Trotz auf Führungsetagen häufig noch Exotinnen sind und sie sich in der betrieblichen Hierarchie zwischen narzisstischen Selbstdarstellern und Don Juans der Gegenwart verloren fühlen. Allein unter Männern: Soll diese Realität für Frauen in Zukunft attraktiver sein, dann muss sich daran etwas ändern.

Was in Firmen alles schief läuft

Warten auf die IT-Jungs

„Der Arbeitsplatz einer Kollegin war für ihre neue Aufgabe ungeeignet: Sie musste abwechselnd auf den Tisch und dann 45° nach oben schauen. Dort war ihr Monitor im Regal untergebracht. Also standen alle ratlos ums Regal herum und beklagten sich, dass die IT-Jungs, die für solche Umbauten eigentlich zuständig sind, nicht endlich kommen, um den Monitor umzubauen. Während alle anderen rumstanden und klagten, haben ein Kollege und ich einfach den Monitor aus dem Regal genommen und auf den Tisch gestellt. War deutlich besser als auf die IT-Jungs zu warten. Seltsam, dass sonst keiner auf die Idee kam …“

(Quelle: Klaus Schuster, „Wenn Manager Mist bauen“ )

Mach einfach!

„Das Blöde an ›Mach einfach!‹ ist: Seit alle wissen, dass unsere Abteilung´ einfach mal macht, lösen wir auch die Probleme aller anderen Abteilungen, die gerne jede Verantwortung von sich schieben und sich nur noch Routineaufträge zutrauen.“

Entscheidungen treffen

„Leider trauen sich nur sehr wenige Manager, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen haben den kleinen Haken, dass sie eventuell falsch sein könnten, weshalb viele leider die falsche Entscheidung treffen – nämlich keine.“

Reportings ohne Ende

„Ich kenne Vertriebsorganisationen, bei denen die Account Manager vier Tage die Woche Reports verfassen und folgerichtig nur einen Tag die Woche beim Kunden sind. Desaströs.“

Die geliebte Routine

„Es besteht ein Hang dazu, sich in Routine zu vergraben, um keine unangenehmen Entscheidungen fällen zu müssen.“

Verhalt dich mal ruhig!

„Ich glaube, dass Action Management bei uns nur so lange funktioniert, wie das Unternehmen in Notlage ist. Der Satz ›Verhalt dich mal ruhig!‹ fällt bereits, sobald wir irgendwie eine schwarze Null schreiben.“

Erfolge machen einsam

„Action Management funktioniert bei uns nicht, weil Action Manager Erfolg haben und jeder Erfolg bei uns die Neider auf den Plan ruft. Sie fürchten, dass jeder merkt, dass sie keine solchen Erfolge vorweisen können. Erfolge machen einsam.“

Bloß keine Action

„Action Manager sind oft erfolgreich, aber meist nicht beliebt, weil die anderen sich dann auch schneller bewegen müssen. Schwache Chefs finden den Action Manager auch eher unbequem …“

Weniger Anerkennung

„Action Manager ernten bei uns meist weniger Anerkennung als diejenigen, die sich mehr aufs Schwafeln konzentrieren.“

Sie haben auch ein Beispiel?

Dann schreiben Sie mir: c.groh@vhb.de

Doch was bei der Entwicklung erheblich bremst, sind laut Modler, der selber auch langjährige Führungspraxis als Manager und Unternehmer hat, vor allem männliche Chefs, die naiv und ungeschickt kommunizieren. Den Schwerpunkt in seiner Beratung bildet eigentlich ein „Arroganz-Training für weibliche Führungskräfte“, mit dem er nun schon seit zehn Jahren im Markt ist. Seine Methode: Chefinnen können direkt an einem männlichen Sparringspartner wie im Flugsimulator ausprobieren, was in schwierigen Situationen am besten zu ihm durchdringt.

„Das sind aber leider oft nicht gute Argumente” erzählt Modler, der schon knapp 2.000 weibliche Führungskräfte trainiert hat. Eine der wesentlichen Erkenntnisse aus Modlers Arbeit mit Führungskräften ist etwa, wie unterschiedlich Tempo wahrgenommen wird. „Wer sich mit schnellen kleinen Schritten bewegt, gilt in vielen Firmen und Organisationen automatisch als Hilfskraft. Egal, wie groß das tatsächliche Know-how ist“, erzählt der Cheftrainer.

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Mittlerweile führt Modler seine Seminare auch umgekehrt, mit männlichen Managern und einer weiblichen Sparringspartnerin durch – „damit die Bosse lernen, was sich in der Firma ändern muss, damit qualifizierte Frauen nicht nur kommen, sondern auch bleiben.” Der Experte sagt: Männer kommunizieren – wie eine fremde Spezies – gerade im Business-Kosmos anders als Frauen, die von Kindheit an auf Harmonie und Höflichkeit gepolt sind.

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