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30.12.2015

07:09 Uhr

Konflikte mit Vorgesetzten

So haben Sie trotz Chef Spaß an der Arbeit

VonKerstin Dämon
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Viele Deutsche sind unzufrieden mit ihrem Job. Schuld ist oft der Vorgesetzte. Da hilft nur kündigen – oder den Chef tapfer ertragen. Alles muss man sich aber trotzdem nicht gefallen lassen.

Die meisten Deutschen sind unzufrieden mit ihrem Job. Doch mit einigen Regeln kann man Spaß an der Arbeit haben. Imago

Frust oder Spaß?

Die meisten Deutschen sind unzufrieden mit ihrem Job. Doch mit einigen Regeln kann man Spaß an der Arbeit haben.

Viele Bundesbürger stellen ihrem Chef ein Armutszeugnis aus. „Die Deutschen verlieren das Vertrauen in ihren Arbeitgeber“, sagt Volker Jacobs, Managing Director des Research- und Technologieunternehmens CEB. „Stolz auf das Unternehmen, Energie und Optimismus schwinden, zurück bleiben unmotivierte Arbeiter”. Das zeigt der „CEB Global Talent Monitor“.

Das Unternehmen hat weltweit 18.000 Menschen in 20 Ländern zu ihrer Zufriedenheit mit ihrem Arbeitgeber und ihrer Wechselwilligkeit befragt. Eines der Ergebnisse: Nur noch 15 Prozent der Deutschen sind bereit, an der Arbeit mehr zu leisten, als vertraglich vereinbart.

So finden Sie den Spaß im Job wieder!

Tipps vom Ex-Banker

"Keinen Bock mehr?" lautet der Titel des Buches von Klaus Schuster. Der ehemalige Vorstand einer internationalen Bankengruppe gibt Tipps, wie Sie wieder mehr Spaß bei der Arbeit haben. Das Buch ist gerade im Redline Verlag erschienen.

Bullshit-Jobs bekämpfen!

Sie müssen die gleiche Tätigkeit immer wieder erfüllen - ohne, dass sich ein Sinn ergibt: Sprechen Sie mit Ihrem Chef. Ist es zum Beispiel ein Statusbericht, greifen Sie auf den alten zurück und aktualisieren Sie lediglich die Daten. Wenn der Chef dahinterkommt, ist ein Gespräch immer noch möglich. Es ist die Entscheidung zwischen Kadavergehorsam und Emotional Leadership.

Seien Sie nicht die Spaß-Bremse!

Ein langer Konflikt im Vorstand eines Unternehmens. Alle Beteiligten schreiben einen Brandbrief, der zur Klärung auffordert und mit Streik droht. Beteiligen Sie sich daran.

Entscheidungsprozesse optimieren!

Wenn Arbeit keine Freude bereitet, dann liegt das oft daran, dass eine Entscheidung verschleppt wurde. Treffen Sie diese! Wenn Sie nicht zuständig sind, bringen Sie einen übergeordneten Entscheidungsträger auf Trab. Opfer haben wenig Spaß, Spaß haben die Gestalter.

Lassen Sie aus dem Spaß keine Sucht werden!

Kennen Sie den Unterschied? In vielen Führungsjobs gibt es die Gefahr, dass man es mit dem Spaß übertreibt, einfach zu viel davon haben will. Es gibt Gründe, wieso einige Manager zerrüttete Familien haben, Ehefrauen sich scheiden lassen, die Gesundheit leidet und die Kinder verhaltensauffällig sind. Wieso? Weil man sich selbst verarscht. Spaß muss gemanagt werden - bevor man eine Überdosis davon schnupft. Sonst nutzt er nicht.

Erfolg ist keine Sünde, man schämt sich nicht dafür!

Es eröffnet sich für Sie eine Chance, eine potentielle Erfolgsgelegenheit - hadern Sie nicht lange: Treffen Sie die Entscheidung. Sonst zieht sie an Ihnen vorbei. Es gilt: Du bist Manager! Du willst Erfolg! Und für Erfolg schämt man sicht nicht! Diese Imperative sollte man konsequent im Alltag beherzigen und verfolgen. Das ist Emotional Leadership.

Je mehr Offenheit, desto mehr Vertrauen!

Wenn man Ihnen mit beruflichem Misstrauen begegnet, versuchen Sie die Gründe zu finden und reagieren Sie darauf. Sprechen Sie die Person darauf an. Vielleicht können Sie den Spieß sonst umdrehen. Seien Sie in jedem Fall so offen wie möglich - das schafft Vertrauen!

Menschen haben keine Freude an Produkten, sondern an Problemlösungen!

Niemand braucht einen Hammer. Aber viele einen Nagel in der Wand. So weit der Leitspruch. Das sollte man auch im Geschäftsalltag beherzigen. Wenn es um den Verkauf geht zum Beispiel. Eine Schuhverkäuferin sollte es nicht darum gehen, um jeden Preis ein Paar zu verkaufen. Sondern als Emotional Leader auch dem Kunden ein gutes Gefühl mitgeben. Dann kommt er wieder.

Lernen Sie Ihre Präferenzen besser kennen!

Je besser Sie sich selbst kennen, desto mehr Spaß haben Sie an Leben und Arbeit. Es gibt verschiedene Typen: Exra- und Introvertierte, Kopf- und Bauchmenschen, Praktiker und Visionäre, Ordnungsliebende und Spontane. Wenn Sie wissen, welcher Typ Sie selbst sind, können Sie Ihre eigenen Entscheidungen besser einschätzen und wissen, wie Sie damit umgehen sollten.

Bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu!

Es geht um Mohrrüben: Chefetagen halten sie Managern gerne vor die Nase. Sie wollen den Mitarbeitern Anreize geben. Das führt oft dazu, dass man sich zu Falschem verleiten lässt und über das Ziel hinaus schießt. Vermeiden Sie Pyrrhus-Siege, lassen Sie sich nicht aufs Kreuz legen - bleiben Sie Ihrer Erfolgsdefinition treu.

Spaß macht Erfolg!

Sich die Zähne putzen - ob man dabei Spaß hat oder nicht, das Ergebnis ist das gleiche. Anders ist es im Job. Den großen Durchbruch, Quantensprünge im Job dagegen, das ist viel leichter, wenn wir Freude an unserer Arbeit haben.

Freude ist ein Tool. Setzen Sie es verantwortungsvoll ein!

Natürlich ist Freude eine Emotion, aber auch ein Tool. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie zu viel Spaß abgekommen, verhalten Sie sich wie ein Emotional Leader: Ziehen Sie sich selbst aus dem Verkehr und gehen Sie zum Beispiel für drei Tage in eine Therme. Sie sollten die Kontrolle über Ihren eigenen Spaß behalten.

Vertrauen ist Supermotivation!

Schenken Sie Ihren Mitarbeitern Vertrauen: Nicht den Dumpfbacken und Lemmingen, wohl aber den selbstständig denkenden und engagierten Kollegen. Setzen Sie mehr kontrolliertes Vertrauen in Ihre Leistungsträger. Als Lohn bekommen Sie Motivation, Engagement, Respekt, Loyalität und Leistung.

Auch als Kopfmensch können Sie Ihr Baugefühl aktivieren!

Zwei junge Leute kommen zu Reinhard, er ist im Vorstand einer Volksbank tätig. Als Bauchmensch will er ihnen eine Freude machen. Damit hilft er dem jungen Paar. Die sind so dankbar, dass sie bald darauf zu ihm kommen und ihr ganzes Geld mitbringen: Sie vertrauen ihm. Er soll alles anlegen. Die größte Freude ist das Vertrauen des Kundens. Es ist mehr wert als Preis, Qualität und Leistung. Deshalb versuchen Sie auch als Kopfmensch Ihr Baugefühl zu aktivieren.

Es zählen nicht nur Zahlen, Umsatz und Preis!

Notieren Sie die Liste mit fünf Kundennamen. Was fällt Ihnen, wenn Sie die Namen durchgehen, bei den Einzelnen auf Anhieb ein. Dem Emotional Leader fällt sofort ein, was dem jeweiligen Geschäftspartner am meisten Spaß im Leben oder im Business bringt. Das ist das Sesam-öffne-dich jeder Verhandlung.

Im internationalen Vergleich ist das ein geringer Wert. In den USA liegt die Bereitschaft, sich beruflich stärker zu engagieren, als unbedingt nötig, immerhin bei 24 Prozent. In der Schweiz sind 19 Prozent der Meinung, dass das Pony auch mal höher springen kann, als es muss.

Die Deutschen haben keine Lust mehr, sich reinzuknien. Sie sind mit ihrem Arbeitgeber unzufrieden, zum Teil sogar frustriert, zeigt die Studie. Auch seien die Erwartungen an zukünftige Gehaltserhöhungen bei den Deutschen im Vergleich am geringsten. Mit mehr als einem Inflationsausgleich rechnet demnach niemand. Doch trotz aller Unzufriedenheit: Auf die Idee, zu kündigen, kommen die wenigsten.

Wahlweise, weil sie schlechte Aussichten auf eine neue Anstellung hätten, weil sie Gehaltseinbußen befürchten oder ein Jobwechsel mit einem Umzug verbunden wäre. Entsprechend gaben 45 Prozent an, in den sauren Apfel zu beißen und bei dem ungeliebten Arbeitgeber eben nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen. Doch auch das stresst, wie die Studie „Arbeitsmarkt – Perspektive der Arbeitnehmer“ des Personaldienstleisters Orizon zeigt. Und bei rund 46 Prozent ist der Chef der größte Auslöser für Stress und Frust.

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