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14.07.2015

09:52 Uhr

Konfliktmanagement

Führungskräfte vertragen keine Kritik

Quelle:WirtschaftsWoche Online

Niemand ist perfekt – zumindest Angestellte nicht. Vorgesetzte machen dagegen immer alles richtig. So zumindest ist der Tenor in vielen Unternehmen. Die Fehler der Manager sind tabu.

Fehler der Chefs sind in den meisten Unternehmen noch immer ein Tabuthema. Fotolia.com

Unangreifbar?

Fehler der Chefs sind in den meisten Unternehmen noch immer ein Tabuthema.

Meist liegt es an der Kommunikation, wenn etwas schief geht. So tun sich viele Vorgesetzte beispielsweise schwer, ihren Mitarbeitern ein ordentliches Feedback zu geben. Wer seinem Angestellten nur ein „Ihre Leistung ist ungenügend!“ hinschmettert und damit den Raum verlässt, erreicht nichts - außer, dass der Mitarbeiter völlig verunsichert und zu Recht verärgert ist.

Schade um die verpasste Gelegenheit, finden Sabine Hübner und Carsten K. Rath, das Gründerduo der Management- und Unternehmensberatung RichtigRichtig.com, die häufig mit dem Thema schlechte Feedback-Kultur zu tun haben.

Das Problem ist nur, dass Chefs das nicht einsehen - und zwar unabhängig davon, was sie verbocken. Denn in zwei von drei Unternehmen wird über die Fehler von Vorgesetzten häufig geschwiegen. In jeder vierten Firma sind die Missgriffe der Chefs sogar ein absolutes Tabuthema. Das sind Ergebnisse der Studie „Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg“ der Personalberatung Rochus Mummert. Dazu wurden HR-Führungskräfte sowie 1000 Arbeitnehmer befragt.

So geht Kritik am Chef

Vertrauen aufbauen

Nur, wenn der Vorgesetzte weiß, dass er Ihnen vertrauen kann, wird er Ihnen auch bei Ihrer Kritik vertrauen.

Unter vier Augen

Wenn Sie Kritik äußern möchten, machen Sie es in einem Zweiergespräch.

Erst loben, dann kritisieren

Wer seinen Chef immer nur kritisiert, wird ihn irgendwann nicht mehr dazu bringen können, sich zu ändern. Deshalb sollten Sie ihn auch auf Dinge ansprechen, die Ihnen positiv aufgefallen sind. Achtung: Positiv ist nicht gleich schleimen.

Subjektiv ist besser als objektiv

Machen Sie Ihrem Chef klar, wie die Situation bei Ihnen persönlich angekommen ist. Gegen einen Eindruck, den er erweckt hat, kann auch Ihr Vorgesetzter nichts einwenden.

Konkret werden

Eine pauschale Kritik bringt nichts. Sprechen Sie die konkrete Situation an, in der Ihr Chef einen Fehler gemacht hat oder über das Ziel hinausgeschossen ist.

Nur wenige Punkte ansprechen

Wenn Sie kritisieren, arbeiten Sie nicht gleich eine Liste mit zehn Punkten ab. Sprechen Sie nur ein oder zwei Punkte an, die Sie in der letzten Zeit gestört haben.

„Da sich die meisten Konflikte in Unternehmen an Fehlern entzünden, muss es erlaubt sein, auch die der Chefs zu thematisieren“, sagt Hans Schlipat, Studienleiter und Managing Partner der Rochus-Mummert-Gruppe. „Am besten von den Top-Führungskräften selbst. Denn das Schaffen einer offenen und konstruktiven Konfliktkultur funktioniert nur, wenn es von ganz oben vorgelebt wird.“ Denn die Vorstandsvorsitzenden oder Vorsitzenden der Geschäftsführung haben den mit deutlichem Abstand größten Einfluss auf die Leitkultur ihres Unternehmens.

„Die Vorbildfunktion der obersten Führungsebene ist essentiell, um einen kulturellen Wandel in einem Unternehmen zu bewirken“, so Schlipat. Unternehmen, den dieser Wandel gelingt, profitieren zudem auch wirtschaftlich. So zeichnen sich ertragsstarke Unternehmen dadurch aus, dass Konflikte nicht tabuisiert und gemeinsame Überzeugungen durchgängig in allen Hierarchien gelebt werden.

„Die auf diese Art ausgedrückte Wertschätzung durch Vorgesetzte ist über alle Hierarchien hinweg der größte Motivator – und dazu noch völlig kostenlos“, weiß Schlipat.

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