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14.01.2014

20:01 Uhr

Konkurrenzkampf

Zwei neue Bewerber um das Hamburger Stromnetz

Zwei neue Interessenten haben sich für die Hamburger Stromnetz-Konzession öffentlich zu ihren Absichten bekannt. Beide betonen, eng mit der Stadt zusammenarbeiten zu wollen - die selbst die Konzession gewinnen will.

Die Stadt Hamburg muss sich nach dem Volksentscheid vom 22. September sich um die Konzession bemühen. Sonst kann sie das Stromnetz nicht wieder in ihren Besitz überführen. dpa

Die Stadt Hamburg muss sich nach dem Volksentscheid vom 22. September sich um die Konzession bemühen. Sonst kann sie das Stromnetz nicht wieder in ihren Besitz überführen.

HamburgUm die neue Konzession für den Betrieb des Hamburger Stromnetzes zeichnet sich ein intensiver Konkurrenzkampf ab. Am Dienstag warfen mit der Genossenschaft Energienetz Hamburg und dem Energieversorger Eon Hanse zwei weitere Bewerber um die Konzession ihren Hut in den Ring. Die Genossenschaft gab ihre Bewerbung gemeinsam mit dem niederländischen Netzunternehmen Alliander AG ab. Offen ist noch, ob sich der bisherige Netzbetreiber Vattenfall um die Konzession bewirbt oder das Netz zuvor an die Stadt Hamburg verkauft. Die Stadt muss sich nach dem Volksentscheid vom 22. September ohnehin um die Konzession bemühen, um das Stromnetz wieder in ihren Besitz zu überführen.

Die Energienetz Hamburg eG wolle eine echte Bürgerbeteiligung bei der Modernisierung des Stromnetzes ermöglichen, teilte die Genossenschaft mit. Sollte die Bewerbung erfolgreich sein, so werde sie eine Partnerschaft mit der Stadt anstreben. Der Partner Alliander AG ist mit 7000 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,7 Milliarden Euro der größte Netzbetreiber in den Niederlanden. Die im Mai gegründete Genossenschaft habe bereits ein Kapital von 50 Millionen Euro eingeworben, sagte Vorstand Matthias Ederhof der Nachrichtenagentur dpa.

Was der Koalitionsvertrag der Energiebranche bringt

Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

Bis Ostern, Verabschiedung durch Bundestag und Bundesrat bis Sommer 2014. Bis zum Jahr 2035 wird ein Ökostromanteil von 55 bis 60 Prozent angestrebt. Die Union hatte zuvor auf 50 bis 55 Prozent bis 2030 plädiert, die SPD hatte 75 Prozent als Ziel für 2030 genannt.

Windkraft

Das bis 2017 befristete Modell mit einer Anfangsvergütung von 19 Cent je Kilowattstunde über einen Zeitraum von acht Jahren soll um zwei Jahre bis Ende 2019 verlängert werden, um das Ziel von 6500 Megawatt bis 2020 zu schaffen. Bis 2030 wird das Ausbauziel auf 15 000 Megawatt begrenzt. Bei Windrädern an Land werden Fördersätze gesenkt, effiziente Standorte bevorzugt.

Abstandsflächen

Die Länder sollen bestimmte Mindestabstände im Baugesetzbuch zwischen Wohngebieten und Windrädern festlegen können. Das könnte letztlich bis zu zwei Kilometer Abstand bedeuten.

Kostenbremse

Für bereits angeschlossene Wind-, Biomasse- und Solaranlagen gilt Bestandsschutz. Sie bekommen weiter 20 Jahre lang feste Vergütungen für ihren Strom. Bei neuen Anlagen wird gekürzt.

Industrie-Rabatte

Die umstrittenen Ausnahmen für stromintensive Unternehmen bei der EEG-Umlage sollen fortgeführt und europarechtlich wasserdicht gemacht werden.

Strommarkt

Konventionelle Kraftwerke mit Kohle und Gas seien „auf absehbare Zeit unverzichtbar“. Die Betreiber könnten Subventionen erhalten, um derzeit unrentable Anlagen am Netz zu halten. Dazu heißt es: „Es ist mittelfristig ein Kapazitätsmechanismus zu entwickeln (...).“

Atomausstieg 2022

Daran wird nicht gerüttelt. Neue bundesweite Endlagersuche, eine Kommission erstellt zunächst die Grundlagen. Der Rechtsstreit zwischen Bund und Land Niedersachsen um den alten Standort Gorleben soll einvernehmlich geklärt werden.

Fracking

Die unkonventionelle Gasförderung soll in Deutschland vorerst nicht genehmigt werden. Die Risiken der Technik sollen geprüft werden.

Klimaschutz

Union und SPD bekennen sich zum Ziel von 40 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen in Deutschland bis 2020 (im Vergleich zu 1990). In der EU will die Koalition sich für ehrgeizigere Ziele bis 2030 einsetzen, ein fester Zielwert fehlt.

Energie-Effizienz

Bis 2020 soll der Stromverbrauch weiter um zehn Prozent gesenkt werden. Geplant sind Förderprogramme, etwa mehr Geld für die Gebäudesanierung.

Eon Hanse habe am Dienstag fristgerecht sein Interesse bekundet, teilte das Unternehmen in Quickborn mit. Die jahrzehntelange Kenntnis der Hamburger Gasversorgung und eine ausgewiesene Kompetenz in der Strom-Infrastruktur der Metropolregion versetze Eon Hanse in die Lage, den Netzbetrieb Strom im Hinblick auf die Anforderungen der Energiewende und im Einklang mit der Stadt weiterzuentwickeln. Die Schleswig-Holstein Netz AG, an der Eon Hanse mehrheitlich beteiligt ist, betreibt rund 50 000 Kilometer Stromnetze, an denen mehr als 30 000 Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien angeschlossen sind. Zudem seien rund 200 Kommunen an der schleswig-holsteinischen Netzgesellschaft beteilig, so dass Eon Hanse große Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden besitze.

Die Konzession für den Betrieb des Hamburger Stromnetzes läuft zum Jahresende aus. Mögliche Bewerber um die Anschlusskonzession müssen bis zum Mittwoch, 11 Uhr, schriftlich ihr Interesse bei der Hamburger Umweltbehörde eingereicht haben.

Von

dpa

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