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01.03.2004

07:01 Uhr

Konstantin Nikulin entwickelt Internetspiele in Kaliningrad und vertreibt sie über seine Hamburger Firma

Moorhuhn auf Russisch

VonMathias Brüggmann

Rote Menschenfresser mit grünem Lendenschurz rennen durch ein Kaktusfeld. Die Furcht erregend fuchtelnden Figuren sind auf der Flucht vor einem Huhn, das nur darauf wartet, die Unholde mit seiner Riesenflinte abzuschießen. Eine Szene aus dem Computerspiel, das als „Jägerfalle“ oder „Hühnerrache“ demnächst bei der Internetplattform „deutschlandspielt.de“ zu kaufen ist.

KALININGRAD. Der Mann, der die russische Variante des einst beliebten Moorhuhn-Spiels vermarktet, sieht aus wie ein westlicher Banker oder Konzernvorstand. Konstantin Nikulin trägt kurzes Haar, eine eckige, randlose Brille und einen dunklen Anzug. Seine Hamburger Firma Intenium GmbH betreibt seit drei Monaten, begleitet vom Medienpartner Bild.T-Online.de, die Plattform „deutschlandspielt.de“, wo sich Billigspiele herunterladen lassen, die er mit seiner Firma Oxxo Media in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, entwickelt.

Die Firmen sind klein. „Abgesehen von meinem Nadelstreifenanzug und der Krawatte sind wir immer noch eine Garagenfirma, die sich in der Zeit der Internetkrise gesund geschrumpft hat“, räumt Nikulin in seinem Kaliningrader Büro ein.

Als Garage dienen zwei frühere Wohnungen in typischen sowjetischen Plattenbauten. Die Wände sind voll gestellt mit Computerkartons, der Tisch mit Teetassen und CDs überladen. Mitten in dem von zwei Plattenradiatoren beheizten Chaos stehen zwei Rechner und eine CAD-Designstation, an der gerade die Menschenfresser gezeichnet werden. In der anderen Wohnung mit schmucklosen Schreibtischen auf ausgetretenem Parkettboden wird die Internetsite „deutschland-spielt.de“ immer auf neuestem Stand gehalten. Nikulin machte sich 1997 mit ein paar Freunden selbstständig. Aufträge holte der Gauloises-Raucher schon bald auch in Deutschland. So betreute er für den deutschen Internetdienstleister Me, Myself & Eye (MMECC) den Internetauftritt der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover. Später schuf er Computerspiele für den Süßwarenkonzern Ferrero. Inzwischen ist der frühere MMECC-Generalmanager Thorsten Kolisch als Partner bei Nikulin eingestiegen.

Anfangs arbeitete Nikulin noch von Kaliningrad aus. Doch deutsche Kunden wollten es mit einem deutschen Auftragnehmer zu tun haben. So beschloss er im Jahr 2000, die Intenium GmbH in Hamburg zu gründen. Die Suche nach einem geeigneten Büro geriet für ihn zum Hürdenlauf. Trotz Empfehlungsschreiben der Hanseatischen Handelskammer, die auch Kaliningrad unter ihren Fittichen hat, gab es nur mangelhafte Angebote.

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