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31.03.2011

08:39 Uhr

Konzerne bewegen sich

Mehr Frauen in die Vorstände!

VonPeter Thelen

Die Unternehmen haben sich ein Stückweit bewegt: In Deutschlands Vorstände sollen mehr Frauen einziehen. Doch wie schnell, das dürfen die Konzerne glücklicherweise selbst bestimmen. Ein Kommentar von Peter Thelen.

Für Arbeitsministerin Ursula von der Leyen war das ein schwarzer Tag. Nicht die starre Quotenfrau, sondern ihre Kabinettskollegin Kristina Schröder machte gestern das Rennen beim Quotengipfel. Mit ihrer flexiblen Quote hatte die Familienministerin in den vergangenen Wochen der Wirtschaft eine goldene Brücke gebaut, ihre bereits vor zehn Jahren eingegangene Selbstverpflichtung, den Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen zu erhöhen, endlich in die Tat umzusetzen. Gestern zeigten sich die Personalchefs der 30 Dax-Konzerne bereit, erste Schritte darauf zu gehen. Noch dieses Jahr wollen sie sich selbst freiwillig eine Quote geben und öffentlich bekanntmachen.

Damit ist Schröder ihrem Ziel, den Frauenanteil auf den Chefetagen schrittweise auf 30 Prozent zu erhöhen, ein gutes Stück näher gekommen. Die Wirtschaft hat sich bewegt. Das ist sehr viel angesichts der großen Widerstände, die es in den Unternehmen und Verbänden immer noch dagegen gibt, sich überhaupt auf eine Quote einzulassen.

Doch es ist gleichwohl nur die halbe Miete. Schröder will mit gutem Grund, dass sich nicht nur die 30 Dax-Konzerne, sondern alle größeren Unternehmen in Sachen Frauenförderung bewegen. Sie macht es daher richtig, wenn sie nun trotz des Entgegenkommens der Wirtschaft an ihrem Plan festhält, noch in diesem Jahr ihre flexible Quote in ein Gesetz zu gießen. Die Wirtschaft hat ihr gestern den kleinen Finger gereicht, nun sollte sie die ganze Hand einfordern.

Zumal das Angebot der Dax-Konzerne zeigt, dass Schröder nichts Unmögliches fordert. Sie will, dass sich alle rund 1000 börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen selbst eine Frauenquote geben müssen, wenn es ihnen bis 2013 nicht gelingt, den Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten zu verdreifachen. Erst wenn ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht ist, soll die Verpflichtung erlöschen.

Damit gibt sie den Unternehmen die Möglichkeit, selbst das Tempo zu bestimmen. Sie trägt allen bisher vorgetragenen Bedenken gegen starre Quoten Rechnung. Kein Maschinenbauer oder Chemieunternehmen wird gezwungen, ungeeignete Kandidatinnen in den Vorstand zu holen, nur um die Quote zu erfüllen. Im Gegenteil. Jedes Unternehmen hat Zeit, sich schrittweise an die 30-Prozent-Quote heranzurobben.

An geeigneten Kandidatinnen wird es in Zukunft nicht fehlen angesichts der Heerscharen hochqualifizierter Frauen, die derzeit die Hochschulen verlassen. Auch der sich abzeichnende Mangel an männlichen Bewerbern dürfte helfen. Der Einwand der Industrie, es gebe zu wenig geeignete Bewerberinnen in der Gruppe der 55- bis 60-Jährigen, verfängt nicht wirklich. Deutschlands Aufsichtsräte sind überaltert, sie könnten eine weibliche Verjüngung gut gebrauchen.

Bei Abwägung aller Für und Wider stellt sich eigentlich nur eine Frage: Warum haben die Unternehmen die Chance des Gipfeltreffens nicht dazu genutzt, einfach und schlicht nur Ja zu Schröders flexibler Quote zu sagen?

Der Autor ist Korrespondent in Berlin.

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