Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2012

13:11 Uhr

Konzernstrukturen

Die Rückkehr der Regionalfürsten

VonKatrin Terpitz

Über die optimale Struktur eines Konzerns wird unter Managern oft gestritten. Das Beispiel Thyssen zeigt, dass der Trend zur Dezentralisierung geht. Fest steht: je klarer die Verantwortlichkeiten, desto besser.

Werksgelände von ThyssenKrupp bei Rio de Janeiro. dpa

Werksgelände von ThyssenKrupp bei Rio de Janeiro.

DüsseldorfTraditionell hatten deutsche Konzerne immer sehr starke Länderorganisationen. Im Ausland traf man sich sprichwörtlich in der „Casa Mannesmann“ oder der „Casa Krupp“. Doch allmählich erstarkten die verschiedenen Sparten der Unternehmen und entwickelten auch im Ausland ein Eigenleben. „Vor rund zehn Jahren wurden ,Regionalfürsten’ schrittweise entmachtet“, sagt Tim Zimmermann, Partner der Strategieberatung Roland Berger. In vielen Unternehmen führte nun die Zentrale weltweit Regie über Divisionen, unterteilt nach Geschäftssparten.

Um rund um den Globus schnell durchgreifen zu können, zog das Stammhaus möglichst viel Kontrolle an sich. Die Unternehmenszentrale wurde dadurch immer mächtiger und größer. So hat sich zwischen 2005 und 2010 der Anteil der Mitarbeiter, die in der Zentrale arbeiten, im Schnitt auf 4,5 Prozent der Belegschaft verdoppelt, wie eine Analyse von 300 europäischen Unternehmen durch Roland Berger ergab. „So stark waren Zentralen noch nie“, kritisiert Berater Zimmermann.

Doch nun schlägt das Pendel wieder zurück. Der Trend geht zu mehr dezentraler Verantwortung. „Großunternehmen treffen immer öfter Entscheidungen nicht mehr in der Zentrale, sondern in den jeweiligen Regionen“, beobachtet Zimmermann. Konzerne wie Siemens oder Thyssen-Krupp setzen quasi eine regionale Klammer über ihre Sparten. Mehr Vorstände bekommen zusätzlich regionale Zuständigkeiten.

Viele Unternehmen haben erfahren, dass sie im Ausland als Marke oder Verhandlungspartner Probleme haben, wenn sie dort mit vielen eigenständigen Sparten auftreten. „Gerade in Schwellenländern wie China oder Russland empfiehlt es sich, konsequent mit einem Gesicht aufzutreten und mit einer Stimme zu sprechen“, sagt Klaus-Peter Gushurst, Deutschlandchef der Strategieberatung Booz  & Company. Hinzu kommt: „Eine stärkere regionale Eigenverantwortung steigert deutlich die Motivation und das unternehmerische Denken vor Ort“, sagt Gushurst. Denn Erfolge und Misserfolge lassen sich so viel genauer zuordnen.

Eine aktuelle Analyse der Beratung Boston Consulting Group (BCG) von 1 600 Unternehmen weltweit zeigt: Einfach strukturierte Organisationen mit flachen Hierarchien und klaren Verantwortlichkeiten lassen sich besser führen – gerade auch in Krisenzeiten. Solch agile Unternehmen sind wirtschaftlich erfolgreicher.

Bei hybriden Mischorganisationen dagegen gibt es zwangsläufig viele Schnittstellen. „Vor allem im mittleren Management wächst die Bürokratie, sinkt der Entscheidungsspielraum für den einzelnen Mitarbeiter und damit die Motivation“, sagt Rainer Strack, Senior-Partner von BCG. „Das kann zur Lähmung einer Organisation führen.“

Allerdings birgt die Stärkung des regionalen Managements auch Gefahren: „Landesgesellschaften dürfen nicht zu eigenständig werden“, warnt Berater Zimmermann. „Dann verlieren Entscheidungen wieder an Geschwindigkeit und Effizienz.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

01.03.2012, 15:07 Uhr

Dieses Thema ist inzwischen über 40 Jahre alt und so freut es mich zu erfahren, daß der Witz an einer Dezentralisierung wenigstens bei den Konzernen erkannt ist. Nun muß das auch von der Politik erkannt werden,weil Mammutverwaltungen, wie in Brüssel, ihren potenziellen Pleitezustand nicht rechtzeitig erkennen können.

http://www.bps-niedenstein.de/content/view/195/2/

JSG

01.03.2012, 16:03 Uhr

Das (aus meiner Sicht) Hauptproblem der an sich sehr guten Eigen- und Regionalverantwortlichkeit wird nichtmal angesprochen? Denn das dürfte, bei zu großer Unabhängigkeit, schnell sein, dass "die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut". Und eh man sich versieht, agiert man gegen einander oder in völlig verschiedene Richtungen. Auch kann man nicht mehr auf interne Ressourcen setzen, sobald sie andernorts bestehen. DAS ist doch der wahre Grund, weshalb "die Landesgesellschaften [...] nicht zu eigenständig werden [dürfen]"!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×