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22.01.2010

09:46 Uhr

Korruption

Wo der Geldkoffer regiert

VonChristian Panster

Die Wirtschaft ist immer noch anfällig für Korruption - vor allem in armen Ländern. Zwei amerikanische Korruptionforscher beschreiben in ihrem Buch "Economic Gangsters", welchen Einfluss Schmiergeld heute noch hat.

Unter der Herrschaft des früheren indonesischen Präsidenten Suharto blühte die Korruption. ap

Unter der Herrschaft des früheren indonesischen Präsidenten Suharto blühte die Korruption.

FRANKFURT. Geld regiert die Welt, sagt der Volksmund. Und er hat recht. Die Mächtigen sind meist reich - und umgekehrt. Aber nicht alle haben das Geld, mit dem sie ihre Luxusyacht, ihren Präsidentenpalast oder die Penthouse-Wohnung in New York bezahlt haben, auch tatsächlich redlich verdient. Manche helfen etwas nach. Ein wenig Schmiergeld hier, eine kleine Gefälligkeit unter Freunden dort. Am Ende steht ein lohnendes, wenn auch - nun ja - nicht ganz legales Geschäft; das ist nicht erst seit dem berüchtigten Al Capone so.

Die beiden Korruptionsforscher Raymond Fisman und Edward Miguel beschreiben in "Economic Gangsters", wie Korruption und Kriminalität die Weltwirtschaft beeinflussen; wer den Schaden hat und wessen Bankkonten auf den Cayman Islands immer weiter wachsen. Das Buch ist gefüllt mit interessanten Fallbeispielen, dem Günstlingssystem des ehemaligen indonesischen Staatspräsidenten Suharto (1921-2008) etwa oder der Geschichte des chinesischen Schmugglerkönigs Lai Changxing. Und wie steht es um die Ehrbarkeit amerikanischer Diplomaten?

Interessant ist der Befund, dass die von einer völlig korrupten Elite gesteuerte indonesische Wirtschaft in den Suharto-Jahren durchschnittlich um sechs Prozent wuchs, während die Schmiergeld-Regime in Schwarzafrika immer weiter zurückzufallen scheinen. Millionen an Entwicklungshilfegeldern versickern; dort, wo die Dollar am nötigsten gebraucht werden, kommen sie nicht an. Kenias Straßen etwa sind nicht weniger marode als vor zehn Jahren. Dabei sind in dieser Zeit Millionen von Entwicklungshilfe-Dollar für genau diesen Zweck geflossen.

Dennoch: Bei allen - vor allem kulturell begründeten - Unterschieden lassen sich korrupte Systeme durchaus vergleichen, sagen Fisman und Miguel. Weil sich "Economic Gangsters" absolut egoistisch verhalten, also dem Ideal ökonomischer Modelle sehr nahe kämen, ließen sich mit Hilfe der ökonomischen Analyse durchaus Lösungswege erarbeiten, wie Korruption am wirkungsvollsten zu bekämpfen ist. So weit die schnöde Theorie.

Die Praxis sieht meist ganz anders aus. Allzu viele Lösungsansätze sollten die Leser deshalb nicht erwarten, sie könnten enttäuscht werden. Die Korruptionsforschung steht noch ganz am Anfang. Die Datenbasis ist eher dünn. Einen Masterplan gibt es ohnehin nicht. Mancher Vorschlag der Autoren klingt deswegen vergleichsweise banal. Ökonomische Anreize müssten so gesetzt werden, dass sich Korruption und kriminelle Machenschaften nicht mehr lohnen, schreiben sie. Die Löhne von Polizisten in Kenia etwa müssten so hoch sein, dass es sich für sie nicht mehr rechnet, Schmiergelder einzustecken; weil die Angst, erwischt zu werden, größer ist als der Gewinn. Wichtig sei auch die Transparenz bei Ausschreibungen für öffentliche Aufträge, den Straßenbau etwa, im Internet. Zudem erhöhten Bildungsprogramme die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Das alles ist nicht neu, das alles ist alles andere als revolutionär. Trotzdem kann es nicht schaden, die vergleichsweise einfachen und schon oft gehörten Vorschläge immer und immer wieder zu wiederholen.

Raymond Fisman, Edward Miguel: Economic Gangsters: Korruption und Kriminalität in der Weltwirtschaft
Campus, Frankfurt 2009, 242 Seiten, 19,90 Euro

Kommentare (2)

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gh74

24.01.2010, 14:07 Uhr

bei uns ist man da viel geschickter. So wird es nicht sofort sichtbar. Aber seien Sie sicher: Afrika ist überall.

gh74

24.01.2010, 14:08 Uhr

bei uns ist man da viel geschickter. So wird es nicht sofort sichtbar. Aber seien Sie sicher: Afrika ist überall.

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