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05.09.2012

16:57 Uhr

Korruptionsaffäre

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-MAN-Chef Samuelsson

Die Münchner Staatsanwaltschaft nimmt nun auch Ermittlungen gegen den früheren MAN-Chef auf. Ein Zeuge im laufenden Schmiergeldprozess hatte schwere Vorwürfe gegen Samuelsson und den Ex-Finanzvorstand Hornung erhoben.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von MAN, Hakan Samuelsson, gerät ins Visier der Ermittler. dapd

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von MAN, Hakan Samuelsson, gerät ins Visier der Ermittler.

MünchenDie Schmiergeld-Affäre beim Münchner MAN -Konzern zieht immer weitere Kreise. Gegen den früheren MAN-Chef Hakan Samuelsson wird wegen Verdachts der Bestechung ermittelt. Wie die Münchner Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, hat sie gegen den ehemaligen Konzernchef und seinen damaligen Finanzvorstand Karlheinz Hornung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Im laufenden Schmiergeldprozess gegen den einstigen Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte Anton Weinmann hatte der Leiter der MAN-Revisionsabteilung als Zeuge vor dem Landgericht München ausgesagt, Samuelsson und Hornung seien über mögliche Korruptionspraktiken in Slowenien informiert gewesen. Samuelsson, Hornung und Weinmann waren 2009 abgelöst worden.

2009 war aufgeflogen, dass der Dax-Konzern jahrelang den Verkauf von Lastwagen, Bussen und Maschinen mit Bestechungsgeldern angekurbelt hatte. Laut Anklage wusste der einstige Nutzfahrzeugchef von dem Schmiergeldsystem und duldete es, statt es zu unterbinden.

Laut Anklage hatten MAN-Revisoren damals entdeckt, dass Millionenbeträge jahrelang zunächst in bar, dann getarnt mit Scheinverträgen und über eine Liechtensteiner Firma an Kunden in Slowenien geflossen waren. Samuelsson war bis Ende 2004 Chef der Nutzfahrzeugsparte und ab 2005 MAN-Konzernchef. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt ihn und Hornung jetzt der Beihilfe zur Bestechung im geschäftlichen Verkehr. Von Samuelssons Anwälten war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Die weltgrößten Lkw-Hersteller nach Absatz

Platz 10

Ashok Leyland - Indien
Mit 80.000 verkauften Lkws kommen die Inder international auf einen Marktanteil von 2,8 Prozent. Allerdings beschränkt sich das Geschäft im Wesentlichen auf den Heimatmarkt.

Platz 9

Bejing Automotive Industry - China
Der Staatskonzern landet mit 109.400 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 3,8 Prozent ebenfalls unter den größten Herstellern der Welt. Auch hier sind die internationalen Ambitionen begrenzt.

Platz 8

Torch - China
Ein weiterer im Westen eher unbekannter Hersteller, der mit einem Lkw-Absatz von 113.200 auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent kommt.

Platz 7

Volvo - Schweden
Beim Profit gehören die Schweden zu den absoluten Top-Marken weltweit. Bei den abgesetzten Fahrzeugen landen sie mit 125.800 verkauften Einheiten nur bei einem Marktanteil von 4,3 Prozent.

Platz 6

MAN/Scania - Deutschland/Schweden
Das neue Doppel des VW-Konzerns kommt gemeinsam auf 152.400 verkaufte Fahrzeuge und einen Marktanteil von 5,2 Prozent. Von der Spitze sind die Marken selbst gemeinsam noch weit entfernt.

Platz 5

Tata-Motors - Indien
In Europa machten die Inder vor allem mit der Übernahme von Jaguar und einem Billigauto Furore. Doch auch bei Trucks ist der Konzern vorne mit dabei. 194.900 abgesetzte Exemplare bescheren einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Platz 4

China Heavy National Duty Truck - China
Zu den chinesischen Spitzenreiter gehört auch dieser Staatskonzern, der 1935 gegründet wurde. Mit 199.900 verkauften Lkws erreicht der Konzern einen Marktanteil von 6,9 Prozent.

Platz 3

First Automotive Works - China
Bronze geht nach China. Der Volkswagen-Partner in der Volksrepublik setzte 2011 rund 274.300 Trucks ab und kommt damit auf einen Marktanteil von 9,5 Prozent.

Platz 2

Daimler Trucks - Deutschland
Was Umsatz und Profit angeht, kann kein anderer Lkw-Hersteller den Stuttgartern das Wasser reichen. Doch beim Absatz muss sich der Branchenprimus geschlagen geben: Mit 280.700 verkauften Lkws und einem Marktanteil von 9,7 Prozent erreicht Daimler nur Silber.

Platz 1

Dongfeng - China
Kein Hersteller verkaufte im Jahr 2011 so viele Lkws wie die Chinesen. Ein Absatz von 300.100 Fahrzeugen ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent und damit Gold.

Weinmann bestreitet die Vorwürfe. Einen Deal mit dem Gericht, wie dies mehrere ehemalige MAN-Manager vor ihm ausgehandelt hatten, lehnte er bislang ab, weil er für sich reklamiert, unschuldig zu sein. Jetzt signalisierte sein Verteidiger Gesprächsbereitschaft. Eine Besprechung aller Parteien soll vor dem nächsten Termin am 29. August stattfinden.

Samuelsson musste den Konzern nach Aufdeckung zahlreicher Korruptionsfälle 2009 verlassen. Bei Siemens und Volvo Cars sitzt der 62-jährige Schwede noch im Aufsichtsrat. MAN fordert von Samuelsson weiterhin 237 Millionen Euro Schadenersatz wegen des Korruptionsskandals. „Wir verhandeln, bisher ohne Erfolg“, sagte ein Konzernsprecher.

Samuelssons Ablösung hatte für den Großaktionär VW und Aufsichtsratschef Ferdinand Piech den Weg freigemacht, die angestrebte Lastwagen-Allianz von MAN und Scania voranzutreiben. Der ehemalige Scania-Vorstand Samuelsson hatte als MAN-Chef 2006 erfolglos versucht, Scania feindlich zu übernehmen und die Eigenständigkeit von MAN zu sichern. Der DAX-Konzern hatte wegen der Schmiergeldaffäre ein Bußgeld von 150 Millionen Euro an die Justiz gezahlt und damit 2010 einen Schlussstrich ziehen können.

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