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01.04.2016

19:23 Uhr

Korruptionsvorwürfe gegen Baukonzern

Alte Bilfinger-Vorstände sollen nicht entlastet werden

Der kriselnde Baukonzern Bilfinger muss derzeit Dutzende mehrere Korruptionsfälle aufarbeiten. Vier Ex-Vorstände sollen deshalb auf der Hauptversammlung nicht entlastet werden – und ein aktiver Top-Manager.

Der kriselnde Bau- und Ingenieurdienstleister arbeitet derzeit Dutzende Korruptionsfälle in mehreren Ländern auf. dpa

Bilfinger

Der kriselnde Bau- und Ingenieurdienstleister arbeitet derzeit Dutzende Korruptionsfälle in mehreren Ländern auf.

FrankfurtWegen laufender Untersuchungen zu möglichen Rechtsverstößen in der Vergangenheit soll vier ehemaligen Vorständen und einem aktiven Top-Manager von Bilfinger auf der Hauptversammlung keine Entlastung erteilt werden.

„Aufgrund der laufenden internen Untersuchung wäre es nicht sachgerecht, jetzt eine Entlastung der entsprechenden Vorstandsmitglieder vorzuschlagen“, teilte Bilfinger am Freitag mit. Die Aktionäre sollten erst dann entscheiden, wenn alle Informationen zu den untersuchten Korruptionsfällen vorlägen.

Betroffen sind der ehemalige Bilfinger-Chef Herbert Bodner, die ausgeschiedenen Vorstände Joachim Müller, Joachim Enenkel und Pieter Koolen sowie Jochen Keysberg, der als einziger der früheren Führungsmannschaft noch im Vorstand ist. Das geht aus der Einladung zur Hauptversammlung am 11. Mai in Mannheim hervor.

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„Es gibt keine Anzeichen für ein Fehlverhalten des amtierenden Vorstandsmitglieds“, sagte ein Sprecher. Auch den früheren Vorständen werde dies nicht unterstellt. Das Verschieben der Entlastung sei nicht als Vorverurteilung zu verstehen.

Vorstandschef Per Utnegaard, Finanzvorstand Axel Salzmann und Personalvorstand Michael Bernhardt soll hingegen Entlastung erteilt werden, da sie erst seit dem vergangenen Jahr im Unternehmen sind und mit den Altfällen nichts zu tun hätten. Auch die Entlastung der Aufsichtsratsmitglieder, die größtenteils schon vor 2015 die Führung kontrollierten, wird nicht auf Eis gelegt, da vorrangig der Vorstand verantwortlich sei.

Der kriselnde Bau- und Ingenieurdienstleister arbeitet derzeit Dutzende Korruptionsfälle in mehreren Ländern auf. Dabei geht es um viele Jahre zurückliegende Vorkommnisse im Baugeschäft in Nigeria, aber auch um Verdachtsfälle jüngeren Datums zum Beispiel in Brasilien.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Bilfinger hatte im vergangenen Jahr zugegeben, Schmiergeld an Staatsbedienstete in Brasilien gezahlt zu haben, um Aufträge für Sicherheitstechnik während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zu ergattern. Nach Medienberichten war auch bei Projekten von Bilfinger-Töchtern in Kasachstan, Rumänien und China Bestechung im Spiel.

Bilfinger-Chef Utnegaard hatte kurz nach seinem Antritt im Sommer vergangenen Jahres hartes Durchgreifen gegen illegales Geschäftsgebaren angekündigt. Zudem überwacht ein Beauftragter der US-Behörden schon länger in der Mannheimer Konzernzentrale, dass Bilfinger sich an Recht und Gesetz hält. Hintergrund dieses Einsatzes ist ein Verfahren in den Vereinigten Staaten, weil ein US-Unternehmen an den Korruptionsfällen in Nigeria von 2003 beteiligt war.

Schon Roland Koch, der seinen Posten als Vorstandschef wegen der vor zwei Jahren ausgebrochenen Krise bei Bilfinger verlor, hatte sich die Erneuerung des Compliance-Systems zur Sicherung rechtlich einwandfreien Verhaltens im Konzern auf die Fahnen geschrieben. Sein Nachfolger Utnegaard will in diesem Jahr 50 Millionen Euro ausgeben, um die internen Kontrollen auf Vordermann zu bringen.

Von

rtr

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